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Monat: Juni 2024

Sixthaselbach und Le grand bleu

Hab ich die Geschichte eigentlich schon erzählt? Ich glaub ja, aber wurscht, weil sie gehört jetzt hierher… sie geht so: Vor ca. 30 Jahren (jeckerl) waren wir mal bei einem entfernten Bekannten von Natalie in Sixthaselbach (ein Nest weit, weit weg auf dem Land im Münchner Norden bei Moosburg an der Isar) um den alten Golf 1 von Andrea reparieren zu lassen. Der Mensch der das gemacht hat hieß Reinmar und war deutlich hipper als wir, weil! er hat in seiner Scheune ein Schiff (Katamaran) gebaut, das er uns im Rohbau stolz wie Bolle präsentiert hat. Wir durften auch reinkraxeln und waren schon begeistert, aber halt zu der Zeit noch nicht enthusiasmiert – so jung und gar nicht wild war ich damals. Das war dann auch leider der erste und einzige Kontakt den wir hatten. 30 Jahre später mit Atemmaske auf dem Schädel und Schleifstaub in jeder Pore, da ist uns der Reinmar, der Typ mit dem Holzkatamaran, wieder eingefallen. Jetzt klar, folgern wir messerscharf – das muß ein Wharram gewesen sein! Leider fruchtet kein Versuch ihn ausfindig zu machen. Wir sind natürlich scharf drauf zu wissen, ob er fertig gebaut hat und auch losgefahren ist und ob das Schiff irgendwo liegt. Natalie hat leider auch keine Idee und so vergessen wir ihn wieder bis, ja bis wir eines lauschigen Abends mit Bekannten von der Werft bei Mauro in der Dorfkneipe sitzen und die noch einen Bekannten mitbringen. Der ist gerade mit seiner 40 Jahre alten BMW über die Alpen gekommen um die beiden zu besuchen. Irgendwann fragt er was wir da so bauen. Wir: eine Tiki 38, nen Wharram. Er: So einen hat mein Bruder vor 30 Jahren auch mal gebaut. Wir: Aber ned in Sixthaselbach, oder? Er: Logisch, der Reinmar hat die Amata in Sixthaselbach gebaut. Die Welt ist halt doch ein Dorf. Mir ham ihn natürlich gleich angerufen. Und das ist auch lustig… Reinmar und Christina haben sich in Rocella Ionica, unserem nächsten Stopp nach Crotone niedergelassen da war die Gleda vor 4 Jahren schon mal und da haben wir die beiden jetzt besucht. Fotos damals und heute.

Amata ist leider seit drei Jahren verkauft, die beiden leben aber traumhaft am Berg über dem Meer und haben uns wie alte Spezl aufgenommen. Wir kennen uns ja sonst gar nicht. Sie haben uns zum Supermarkt chauffiert, dann ein fettes Essen kredenzt und wir ham uns sauwohl gefühlt und den Geschichten ihrer Reise gelauscht. Das mit dem Segeln war damals schon was für ganze Männer (und Frauen). Nix GPS, nix Wetter per Satellit, da kommst du schon mal in fette Stürme. Also so richtig fett. 11 Bft in der Adria und 10m hohe Wellen bei der Rückfahrt aus der Karibik über den Nordatlantik. Alter, da muss man Eier haben und einen Wharram.

Noch ein schönes Foto beim Abstieg vom Berg der beiden zum Meer gemacht. Typisch für die Gegend:

In Bova Marina ist uns dann auch noch was komisches aufgefallen. Beim Blick nach oben musste ich feststellen, das der vordere Mast aber so gar nicht nach vorne zeigt. Er guckt eher so 45 Grad nach Backbord. Ich denk noch: Guck mich nich so schräg an, hab ich dich schief eingebaut? Die Antwort ist nein. Ich hoffe das hat niemand ernsthaft in Erwägung gezogen. Also muss es ihn bei der stürmischen Überfahrt aus Griechenland verdreht haben. Tatsächlich stellt sich raus das der Stift im Mastfuß der das verdrehen verhindern soll abgeschert ist. Mit reinem Testosteron drehst Du den jetzt nicht zurück (ich hab’s echt versucht), also haben wir zwei 6-fachTaljen angeschlagen bei denen ein Seil um ein Gummi um den Mast gewickelt ist und haben ihm mit brachialer Gewalt schön langsam den Kopf wieder gerade gerückt. Dann noch zwei A4 Bolzen durch den Mast in den Mastfuß und jetzt ist hoffentlich a Ruh. Wir haben auch mal wieder Wasser gemacht. Ein kleines Video, das man mal sieh wie easy das geht.

Sturm gibt’s bei uns derweil keinen. Mir schieben uns in Zeitlupe an der kalabrischen Küste nach Westen. In Bova Marina gibt’s noch a Mal an Stopp vor dem Sprung nach Sizilien. Auch wieder so ein typisch kalabrischer Ort. Tourismus Fehlanzeige. Sozusagen ein Tourismus Cold Spot. Arm, marode aber belebt mit unglaublich freundlichen Leuten. Was jetzt schon auffällt, weil hier wechseln sich Tourismus Hot Spots (Taormina unser nächster Halt) und Cold Spots schön regelmäßig ab, ist folgendes: Je ärmer der Ort, desto netter die Ureinwohner. Je reicher desto gestresster die Leute. Hört sich jetzt komisch an von so einem radikalliberalen Kapitalismusverfechter wie mir, ist aber so. In Bova Marina haben mich auch im Caffè am Dorfplatz ein paar junge Leute (Oh Gott, so einen Ausdruck verwende ich mit 55 zum ersten Mal) fürsorglich in ihre Mitte genommen und mir dann den Tipp gegeben in Sizilien Taormina anzusteuern, was sich als Hit rausgestellt hat. Hier noch zwei Impressionen aus Bova Marina. Die Tankstelle ist doch Klasse – seit 50 Jahren unverändert, und die kalabrische Mafia hat Liquidationssonderangebote (wenn mich mein ausgezeichnetes Italienisch nicht täuscht). War aber geschlossen, sonst hätte ich hier Preise nennen können, wenn jemand Bedarf hat.

Taormina hat mir jetzt erstmal nix gesagt, aber Andrea schon. Die hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Hier wurde einer ihrer (Jugend)Lieblingsfilme gedreht. The Big Blue – Im Rausch der Tiefe. Wir haben also gleich das ganze Programm abgespult. Den Film noch mal ansehen, mal kurz Luft anhalten und auf 120m Tiefe abtauchen (lol) und ein Foto im Restaurant machen wo Jaques, Enzo und die seltsame Frau Spaghetti essen (ist jetzt ein super super Luxusrestaurant. Man hat uns 3 Minuten für das Foto gegeben, dann aber husch husch wieder ab ins Körbchen).

Das Sahnehäubchen war aber die Überfahrt nach Taormina. Im Film kommen ja viele Delfine vor und wie bestellt begleiten uns die ersten Delfine auf der ganzen Reise. Ein Traum.

In Taormina haben wir eine Woche auf Wind nach Nord gewartet und sind dann durch die Straße von Messina. Da geht’s zu wie am Stachus. Ständig Fähren aus allen Richtungen, der totale Stress, also haben wir uns gedacht das wär doch eine Spitzengelegenheit das mit dem Spinnaker noch mal zu üben. Sozusagen Training unter Beschuß. War dann auch spannend. Er hat sich erst ein paar mal um das Vorstag gezwirbelt, aber wir haben es souverän gelöst und haben uns von dem blauen Lappen nach Stromboli ziehen lassen.

In Stromboli war jetzt nix aufregendes. Sprich der Vulkan wollte nicht ordentlich ausbrechen für unsere Unterhaltung, aber in der Nacht kann man ihn glühen sehen. Ich checks nicht wer sich hier die wunderschönen und liebevoll gepflegten Häuser und Gärten anlegt (z.B. die Dudes Dolce und Gabana) wo es dir doch das ganze Haus jederzeit unterm Arsch wegblasen kann. Noch ein paar Impressionen vom Stromboli und Max dem Barkeeper (heiß wie ein Vulkan) und das wars für diesmal. Mir san schon weiter Richtung Palermo.

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