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Kategorie: Reise

Votre sortie est A12…

20 minutes avant le départ s.v.p. Damit geht Andrea in Martinique einkaufen. Als sie noch am Flughafen am CheckIn gearbeitet hat musste sie ein paar Brocken Französisch lernen. Und das muss halt jetzt erst mal langen. Wenn man eigentlich ein Baguette kaufen will und sagt „Mettez votre baggage sur la balance s.v.p“, dann funktioniert das auch manchmal, wenn man auf das richtige zeigt und nur sein bestes Bodenpersonallächeln aufsetzt und auf einen toleranten Franzosen trifft. Wir üben. Also von vorne…

Die Überfahrt von St.Lucia nach Martinique war quick and dirty… Ziemlich starke Christmas Trade Winds haben eingesetzt mit 25 bis 30 Knoten aus NO. Wir mussten ganz, ganz, gaaaanz hart am Wind segeln, pfuhhh. Ein Geschepper und Gewackel ist das, ned schee. Zu hart für mich (müde, verspannt, grimmig) und auch für eins der übrigen Fenster (alt, wacklig, unmotiviert) das gleich mal das Handtuch geschmissen hat und da stand natürlich mein neuer Laptop drunter. Ruhe er in Frieden. Als Genußsegler ist es mir überhaupt ein Rätsel wie manche Leute freiwillig längere Strecken gegen den Wind segeln. Zum Beispiel von Osten kommend um Kap Horn. Ich merke langsam ich bin aus einem ganz anderen Holz geschnitzt – Balsa. Lieber gechillt mit Rückenwind.

A propos gechillt. Also wir sind wirklich kompletto ohne Vorurteile und Vorkenntnisse nach Martinique gefahren. Klar ich wusste, das gehört zu Frankreich, aber sonst ein leeres Blatt Papier. Jetzt errät der geneigte Leser schon, das mir die Franzosen da nicht nur Liebesgedichte draufgeschrieben haben. Also… Angekommen sind wir in St. Anne, so ein kleines Nest in einer riesigen Bucht. Tausende Schiffe vor Anker ist keine krasse Übertreibung. Hier mal das erste Suchbild des Blogs „Finde die Gleda“, hab später noch eins das leichter ist.

Der erste Eindruck ist ja super wichtig heißt es. Und ich muss sagen, liebes Martinique das war erst mal nix (keine Angst wir kommen am Schluss noch richtig gut zusammen). Jetzt haben die Franzosen natürlich schon a bissi Pech gehabt, das ich so eine gewisse Erwartungshaltung hatte was Kaffee anbelangt. Hallo? Frankreich? Caffe au lait? Die Vorfreude war groß. Umso ernüchternder dann die Realität. St. Anne und die anliegenden Strände sind echtes Touristenhochgebiet und im Umkreis von 10 km bin ich alles abgelatscht. Unfassbar, in keinem Restaurant und keiner Strandkneipe gab’s einen gescheiten Kaffee. Ja bitte was saufen die Franzosen denn da im Urlaub? Weil…es sind hier fast nur Franzosen die Urlaub machen. Also in jeder Pommesbude gibt es hier das gleiche. Wein (Bier auch), Schampus, Entrecote, Hummer, Pommes…no joke! In der Pommesbude! Die Preise sind gesalzen, nix unter 30 Euro. So viel zu Stereotypen. Aber warum bitte keinen Kaffee? Hier mal ein Bild… Franzosen ordern Schampus und Langusten in der Pommesbude.

Aber da! Ein Strandrestaurant wirbt mit „Capuccino“. Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens (Nietzsche hat wohl auch mal Kaffee gesucht). Ich nix wie rein: „Un Capuccino s.v.p“. Die Bedienung sieht mich an, als ob ich sie gefragt hätte ob ich ihr die Brüste massieren darf (mein Französisch ist so lala). Der Zeigefinger geht hoch, die Mundwinkel runter: „Non messieur!“. Ja, aber… steht doch auf der Karte sage ich. Sie darauf: Ja schon, aber sie macht das nicht. Weil -und jetza kommt der Hammer- die Italiener haben keine Ahnung von Kaffee und die Schlagsahne ist eh aus. Das ist so krass, da fällt einem gar nix mehr ein. Aber sie bietet mir gnädiger Weise an, obwohl ich keine Ahnung habe, das sie mir einen Caffe au lait macht. Etwas verunsichert sage ich zu und sie zieht mit an einem vernichtenden Blick ab. Meine Erwartung nach der Ansage mit der Schlagsahne war nicht groß, aber was dann da auf meinem Tisch in einem Plastikbecher landet entzieht sich jeder Beschreibung. Spülwasser Hilfsausdruck. Ich kipp die Säure in den Sand und hau ab so schnell ich kann, bevor sie mich fragt wie ich den Kaffee finde. Die Diskussion wär nicht gut für die deutsch-französische Freundschaft.

Auch sonst fehlt hier einfach etwas das karibische Flair. Ist ein bisschen wie Wannsee mit Palmen und anstatt Berliner hat es Pariser die jeden Tag um 8:00 ihr Strandtuch an die selbe Stelle platzieren. Nur der Sonnenuntergang …. top

Das mit der Laune hängt wohl schon etwas mit den pauschalurlaubenden Parisern zusammen. Ich hab das mal recherchiert und tatsächlich…Paris wird fast als unfreundlichste Stadt der Welt (nach Moskau) geführt. Na servas und ich bin ja die Wiener Warmherzigkeit gegenüber Fremden gewöhnt, lol. Aber das erklärt noch nicht, warum auch unter den Einheimischen ein Haufen Zwiederwurzen sind. Zweimal sind wir ganz übelst beschimpft worden, wo wir nur neben der Straße spazierengegangen sind bzw. im Berufsverkehr keine ausreichende Lücke für die durchrasenden Motorräder gelassen haben.

Mir mussten eh Einkaufen und wollten ein gescheites Sylvesterfeurwerk sehen, also san mir von den Grantlern weg nach Fort de France, der Hauptstadt. Und jetza… obwohl Hauptstadt (Großstadt wär übertrieben), auf einmal passt der Schuh. Alle sind ganz freundlich und! es gibt super Kaffee. Du glaubst es kaum. La vie en rose. Bernard heißt mein neuer bester Freund. Er röstet die Bohnen selber! Ich bin total versöhnt und darf sogar mitarbeiten. Zweimal werde ich zum Milchholen in den Supermarkt geschickt, weil – wie wohl weltweit- kein Personal zu bekommen ist im Gastrobereich. Bernard macht einen total überarbeiteten Eindruck, aber versorgt uns alle tapfer mit bester Ware. Also latsch ich auch liebend gerne los und fürs Laufen bekomme ich meinen Caffee sogar gratis.

Mann kommt ins Ratschen bei der engen Zusammenarbeit. Mein Chef will wissen wie mir denn Martinique gefällt? Überhaupt und im Vergleich mit Tobago und St. Lucia. Und da muss ich schon bei der Wahrheit bleiben und erzähl im von dem deutlich niedrigeren Stresslevel auf den andern Inseln. Und er meint, das ist tatsächlich der französische Festlandsgrimm. Nicht nur die Urlauber sondern eben auch ein paar Einheimische. Ja, aber warum sind dann in Fort de France alle netter? Er grinst. Fort de France… 80% Schwarz, 20% Weiß. In St. Anne ist das Verhältnis andersrum (siehe Pommesbude). Tobago 97% Schwarz, St. Lucia auch ganz färbig. Ob mir was auffällt? Na bumm. Ich merke an, das das leicht unkorrekt ist gegenüber meiner zarten Hautfarbe. Er grinst. Ist halt so. Sind kulturelle Unterschiede. Aber um ehrlich zu sein meint er, die schlechte Laune von manchen Weißen „färbt“ auch auf manche schwarze Grantler ab – Huahahahaha. Rätsel gelöst. Jetzt hier passend zum Thema gleich das nächste Suchbild: „Finde den Schwarzfahrer“.

Wer hat es erraten? Es ist der als Schwarzfahrer gut getarnte Herr im Vordergrund. Ich war einfach zu blöd das mit dem Ticket zu checken. Die Automaten waren hin und die anderen hatten irgendwie ne App… bin aber nicht erwischt worden. Grins.

Am 31. Abends check ich mal das Internet, um wieviel Uhr das Feuerwerk stattfinden soll (Morgens sind wir angereist). Ich muß mir die Augen reiben. Das Neujahrsfeuerwerk ist am 30.12. Ja spinnen die denn? Verpasst… Und wirklich wir grillen Neujahrsburger in absoluter Stille. Nicht eine Rakete.

Vier Tage später dann bekommen wir Info von einem einheimischen Segler neben uns. Die Küstenwache war da. Alle Schiffe müssen weiter nach Norden in die Bucht, weil…es gibt über uns auf der Festung ein fettes Feuerwerk. Wir fragen was da gefeiert wird? Nationalfeiertag, oder so? Ne, ne sagt er „C’est compliquee“. Das ist das Neujahrsfeuerwerk von vor einem Jahr das ausgefallen ist und das wird jetzt wiederholt. Ich: „Das von vor 5 Tagen?“. Er: „Nein das von 2023. Das von vor 5 Tagen ist auch ausgefallen und wird nächstes Jahr wiederholt“. Das habe ich mir nicht ausgedacht, Klabauterehrenwort. Vielleicht haben die ein paar Berater aus der Berliner Lokalpolitik. Aber wir haben uns natürlich gefreut. Die Bucht war dann auch rammelvoll mit Motorbooten von der ganzen Insel. Zwei haben aus Platzmangel an der Gleda links und rechts festgemacht und jeder hat seine eigene Mucke auf volle Pulle gedreht um das Konzert am Strand zu übertönen. Nichts für schwache Nerven.

Der Morgen danach… vielleicht haben wir es zu gut gemeint und die Gleda etwas zu weit nach Norden versetzt wo das Kreuzfahrtterminal ist. In der Nacht haben wir nämlich einen neuen Nachbarn bekommen. Schluck.

Man sieht gleich: „Britannia rules the sea“. Waren auch nur nette Briten an Bord. Überhaupt sind die Schiffe lustig sortenrein gepackt. Einen Tag später war die Aida da und hatte eine Ladung Sachsen dabei. Die Briten hatten den Carefour schon leergekauft und wir konnten folgenden Satz vernehmen: „Nu do gibt’s ja na nischt. wie bei ins früher“. Schön.

So was noch? Knossi ist gut angekommen. Es gibt ein abgemergeltes Bild von ihm in der Bild. Sanson von Tobago schreibt uns immer noch jeden Morgen und jeden Abend. Ich denke da fahren wir noch mal vorbei. Und jetzt noch ein paar Bilder mit netten Menschen von unseren Spaziergängen in Fort de France und ganz am Ende die Bucht von Couleuvre, ganz im Norden. Martinique verabschiedet sich mit einem echten Paukenschlag. Unfassbar! schön… Unbeschreiblich.

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Besuch und Vorurteile

Good ol‘ Country Musik dringt gerade über die Bucht von Laborie an mein Ohr. Ist für mich eine echte Entspannung. Normalerweise wird hier sonst nämlich Gangsta-Ragga auf voller Lautstärke für die schon jung Hörgeschädigten verordnet. Ein Fischer trägt Cowboyhut und nimmt zu Dolly Parton einen Thunfisch aus. Leider zu weit weg fürs Foto. Ein herrliches Bild wie oben das Blut spritzt und unten die Füße Linedance üben.

Wir sind noch in St. Lucia. Anouk haben wir gestern wieder in den Flieger gesetzt. Und da sitzt sie immer noch und morgen auch noch. Ich glaub der Flug zu ihrem Freund dauert 36 Stunden. Ahhh l’amour. Wir fanden es wunderschön. Anouk wohl auch, aber sie ist jetza schon froh, das das Bett bald nicht mehr wackelt, keine Seile knarren, nix feucht ist, es eine Klimaanlage gibt und eine richtige Dusche und einen richtigen Schrank für Klamotten. „Leute… ich lieb euch, aber das wär nichts für mich“. Die Jugend kann einfach nix mehr ab. Prinzeschen, LOL. Wir lieben Dich auch. Wir essen Sushi, flippen beim Backgammon aus (Anouk, wir nicht) und gehen wandern and der Hotspotleine. Hotspotleine ist praktisch. Du gibst deinem Kind keine SIM sondern nur Hotspot. Wenn es dann hinter dir hertrödelt, weil es mit dem Freund chattet, dann musst du gar nix machen. Von fern hörst du es angerannt kommen „Papa langsam ich hab kein Hotspot mehr“….

Wegen der Fluganbindung von Anouk sind wir dann auch von Tobago weiter nach St. Lucia. Tatsächlich ist es wie immer so… Je länger du bleibst, desto netter wird es. Das war in Charlotteville so und jetzt auch in Laborie. Nach einer Woche grüsst dich jeder. Andrea hatte ihre teuere Sonnenbrille irgendwo angebaut und jeder im Ort hilft zwei Tage suchen bis sie wieder gefunden war (auf der Straße, wo es sie im Matsch geschmissen hat).

Doubles King

Wir verlassen Tobago rein amtstechnisch suboptimal. Alle zwei Wochen macht ein Kreuzfahrtschiff fest. Die ganze Stadt putzt sich raus. Unsere nette Customsbeamtin hat eine schneeweiße Kapitänsuniform mit goldenen Epauletten an und bittet uns erst mal zur Immigration zu gehen weil sie das Kreuzfahrtschiff abarbeiten muss. Immigration ist zwei Zimmer weiter. Im Büro hat es 35 Grad bei 100% Luftfeuchtigkeit. Die Grenzerin legt uns die ersten zwei Formulare hin, das kennen wir schon. Andrea fitzelt das Kohlepapier dazwischen und füllt konzentriert aus. Auf einmal wird sie von der Beamtin angestupst. Sie hat wohl was gesagt und wir waren zu konzentriert. „Hey..I aksed you tomeding“. Das ist Original. Anstatt ask sagen die hier immer aks. Mann lernt dazu. „Why do you only fill two yellow forms. I need four“. Andrea blickt mich an. „Wir haben doch nur zwei bekommen?“. Also noch mal zwei. So langsam rinnt die Suppe die Arme hinab. Wie bitte soll man da ein Formular mit 2 Durschschlägen und Kohlepapier dazwischen ausfüllen wenn die Hände und überhaupt alles schweißgetränkt ist. Andrea wird auch gleich amtlich gerügt. „You made the documents wet! I cannot accept them. Tose were the last ones I have. You have to concentrate“. Das kommt sofort ziemlich gut an bei meiner Frau. Der Kopf ist eh schon knallrot und klatschnaß, die Haare kleben am Kopf, da hilft auch kein 3-Wetter Taft mehr. Und wer meine Frau kennt, der weiß – entspannter Umgang mit grimmigen, authoritären, Amtspersonen ist, wie soll ich es sagen, na ja eher ausbaufähig. Ich seh uns schon im Verhörraum und schmeiß mich dazwischen. „Setzt dich doch mal Schätzchen. Trink was. Dein Ritter wird den Drachen jetzt ganz alleine bekämpfen“. Und da muß ich sie jetzt voll loben. Sie zieht sich tatsächlich zurück.

Das Blöde: Zu mir ist die Grenzbeamtin jetzt auf einmal ausgesucht nett. Ich glaube fast sie flirtet. Ein Blick über die Schulter zu meiner Frau…ich sehe Mordgedanken hinter der klatschnassen Fassade. Das sieht gar nicht gut aus. Es muß sie übermenschliche Willenskraft kosten jetzt einfach nix zu sagen. Sie nimmt Andreas Pass und trägt den Geburtstag ein (war vor 2 Tagen). Dann nimmt sie meinen Pass und trägt meinen Geburtstag ein (vor 2 Monaten). „Ohhh it was recently your birthday. How nice. Congratulations. You look so young“. Oh Gott, oh Gott. Ich dreh mich kurz um. Andreas Hände krallen sich in den Sitz. Weiße Knöchel, hevortretende Kiefermuskeln. Bitte wieviele Formulare sind das noch? Das muss doch irgendwann eine Ende haben? Ich fülle gelbe, rosane und grüne Formulare aus. Am Ende schiebe ich alles mit einem Lächeln über den Tresen „That’s it?“. Sie dazu „I have to check if everythin is correct“. Damit meint sie nicht den Inhalt sondern die schiere Anzahl. Also wird alles aufgefächert und gezählt. 17 Stück. Das sind zwei gelbe zuwenig, aber die sind ja aus. Zum Glück unterlässt sie hier jede Schuldzuweisung. Deal done. Wir bekommen unsere Stempel. Yeah. Leider gibts davon kein Foto. Das hätte mich überfordert. Im Rest der Karibik hat sich das Rad der Zeit zum Glück weitergedreht. Ein und Ausklarieren geht meist Online. Der Grenzer in St. Lucia haut nur noch die Registrierungsnummer ins System, nuschelt irgenwas unverständliches auf Hindi-Patois-Englisch und stempelt die Pässe. Ufff.

Man macht sich ja vorher (normalerweise – hallo Anouk) ein bissi schlau, wenn man in ein Land fährt (z.B wo das Land überhaupt ist – hallo Anouk). Gerade was das Thema Sicherheit und Kriminalität angeht habe ich da schlimme DInge gelesen. Nach Trinidad und Tobago besser gar nicht fahren – weil alle zwei Tage ein Mord. Ja Pustekuchen, so werden Vorurteile gebacken. In Tobago haben wir uns 100% safe gefüllt. Jetzt St. Lucia… wir wollen erst mal zu den Pitons (zwei so Zuckerhütchen – Wahrzeichen, Pirates of the Carribean Drehort) in die Bucht von Soufrier. Auch da kann man schlimme DInge vernehmen. Nächtliche Besuche an Deck von machetenschwingenden Piraten und so. Mit Machete rennt hier übrigens jeder ständig rum, um Kokosnüsse zu köpfen oder einfach Abends den Hauseingang wieder freizumachen der seit in der früh zugewachsen ist. Ich bin trotz Tobago noch leicht zu manipulieren und baue einen Schalter in die Hauptkabine mit dem man das Deckslicht und eine Sirene einschalten kann.

Nice to have würde man da in Businessspeak in meinem ehemaligen Büro sagen. Aber brauchen werden wir das wohl nie. Erstens ist die Gleda mit ihrem Hippielook kein Sehnsuchtsziel für Diebe und zweitens passiert einfach nicht wirklich so viel. Das einzige Opfer von Piraterie ist bis jetzt meine alte O’Neil Badehose. Ca 25 Jahre alt. Ich bin auch so langsam rausgewachsen (dürres altes Männelein). Sie war an unserem Kajak an Land festgebunden. Das hat keiner wollen, aber die Badehose hatte wohl Flair. Sie hat so einen Inneneinsatz und der hat mit den Jahren schon etwas Sonnebräune angenommen. Mit waschen krieg ich die jahrelangen Ausdünstungen halt einfach nicht mehr weg. Hat nicht gerochen und so, daher hab ich sie behalten. Na ja, jetzt ergötzt sich jemand anders dran. Das die Kriminalität nicht höher ist wundert hier schon. Zwischen super super Luxusvillen und Leuten die im Abwasser auf der Straße sitzen liegen nur wenige Meter. Die Spange ist hier riesig. Kaffe gibts in Soufrier übrigens gar nicht, aber einen wirklich super Pizzaladenverschlag.

Nach Laborie wären wir gar ned gekommen, wenn wir nicht nah an den Flughafen gewollt hätten. Ausser uns ist da auch keine Sau. Die Bewertungen sind schlecht (Piraterie!!, Schwell, gefährliches Riff etc). Wie immer bei den hässlichen Entlein… einer der Besten Orte an denen wir waren. Super!!! Kaffee, der Erste in der Karibik, gute Straßenrestaurants die von fülligen resoluten Mamas geschmissen werden (Mama Rose, Mama Tilly…. geile Charaktere) und sonst auch alle Leute hinreißend.

Ach ja…. und frohe Weihnachten. Bitte verzeiht das Influencer Selfie

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Schrumpelfüße und Furzexperimente

Achtung der Beitrag hat Inhalte die nicht für sanfte Gemüter geeignet sind. Aber es braucht halt schon etwas Salz in der Suppe, sonst könnte ich die Frage: „Wie war die Atlantiküberquerung“, ganz einfach mit „Ja mei, lang halt“ beantworten. Eine der Influencerinnen der Mission Unknown hat mir auch gesagt, dass man seinem Publikum schon mal sehr persönliche Dinge mitteilen (in diesem Fall eher „zumuten“) muss. Here you go…

Abgelegt sind wir eher ganz spontan, weil…. mir warn irgendwie fertig. Außerdem war der 11.11 und Andrea hatte ja schon den Fasching eingeläutet (sieh Bild) und da ham mir um 11 Uhr 11 (hallo Anouk) gesagt: „Atlantik Helau“ und ab dafür. Zack warn wir weg und froh nicht unsere Schuhe am Steg zurückgelassen zu haben, so schnell ging das. Überhaupt wenn man sich mal auf den Weg gemacht hat, dann gibt’s auf der Route kein zurück. Der Passat pfeift immer von Ost nach West und da ist die Karibik in 2100 Seemeilen (so 4000km) das einzige sinnvolle Ziel.

Ich schreib jetzt nicht nieder, was da genau jeden Tag war, weil oft war eher wenig. Und da musst Du dich erst mal dran gewöhnen. Andrea meint es ist a bissi wie Knast. Du kannst nicht raus und musst deine Zeit absitzen und deinen manchmal depperten Zellengenossen wirst Du auch nicht los (außer wenn man ins Wasser springt sagt meine Frau. Das wollte sie dann doch nicht). Ich würde sagen 1.5 Ehekrisen hatten wir auf der Reise. Keine Ahnung warum, ich weiß nur an mir lags nicht. Es macht die Sache nicht leichter, wenn man dann noch ständig müde ist. Mit dem Schlafen ist das so eine Sache. Eigentlich könnten wir schon viel pennen. Viel zum aufpassen ist da nicht. Tagelang kein AIS oder Radarkontakt, auf der ganzen Fahrt mal zwei andere Schiffe. Einer hat uns ganz fröhlich angefunkt als wir an ihm vorbeigeschossen sind. Und das war ein Problem mit dem Schlafen, wir waren oft einfach sehr schnell und wollten die Gleda auch nicht bremsen. Und hohe Geschwindigkeit ist Stress. 90% der Zeit sind wir unter Spinnaker gesegelt. Bei 18-20 Knoten Wind macht die Gleda da über 8 Knoten Schnitt und im Surf die Welle runter auch mal 18 Knoten. Das sind irre Geräusche und ein Schütteln und Lärm wenn man in der Koje liegt. Da ist man irgendwie immer in Habacht. Zweimal hat sich z.B. der Spinnaker komplett eingedreht als uns eine große Welle den Arsch seitlich verschoben hat. Sowas passiert dann natürlich immer um 2:30 in der Nacht. Also Spinnaker runter, klarieren (nach Anleitung von Andrea, hat wohl mehr Bettlaken sauber zusammengelegt als ich) und wieder rauf und alles bei 20 Knoten Wind und Welle und Dunkelheit (22 Knoten Wind sind so das obere Ende für einen Wingaker).Was soll ich jammern…Selber Schuld. Wir hätten ja nur die Fock nehmen können und wären 3 Tage später ankommen…Sonst hatten wir keine Katastrophen. Einmal ist der Autopilot ausgefallen, weil sich was im Keilriemen verfangen hat. Da hat es die Scherstifte an der Sollbruchstelle abgerissen (2:30). Aber Ersatzstifte waren zum Glück da. 15 Minuten später war alles repariert. Sonst Kleinigkeiten wie große Wellen die sich in die Küche ergießen genau in dem Moment wo man das Schott nicht sofort wieder reinmacht. Da ist alles schön Salzwassergetränkt. So schauts aus wenn wir Sachen trocknen und verschatten. Wie gesagt… kommt eh keiner, Sicht nach vorne ist auf der Route überschätzt.

So, also hier mal die Statistik:

Gesamtstrecke Mindelo-Charlotteville: 2127 sm
Schnitt: 6,0 kn
größtes Etmal (24h Strecke): 197 sm (8.2 Knoten Schnitt)
Gewittertage 1
Flautentage 2
Dauer: 14 Tage 21h
Ehekrisen: 1.5
gefangene Fische: 2 (echter Bonito und Mahi Mahi). Ein ganz fetter ist abgerissen

Am Anfang und zwischendrin war mal zwei Tage Flaute, teils mit viel Regen. Squalls mit Monsterwind hatten wir nicht. Wenn wir die Welt tatsächlich umsegeln… dann war der Atlantik ein reines Aufwärmtraining. Von Panama zu den ersten Inseln in Französisch Polynesien sind es 3800 sm. Also fast doppelt so weit. Pfuhhh. Jetza, was macht man so wenn der Tag lang ist? Essen, Angeln bzw. Sargassogras von den Angeln entfernen, Lesen, Musikhören, Gitarre spielen (zu viel…hab ne Sehnenscheidenentzündung), Backgammonspielen, mal a bissi Wackelyoga, sich auf der Badeplatform durchspülen lassen, blinde Passagiere entfernen (Heuschrecken wollen wir nicht verteilen), Plastikflaschen kleinschneiden, Wolken und Sternschnuppen gucken, Haare schneiden (hab ich gut gemacht), googeln warum man Schrumpelfüße hat und wenn’s ganz fad wird Furzexperimente.

Also einen Tag kam ein Gewitter nach dem anderen über uns drüber. Ich bin draußen rumgesaust und hab geschaut das alle Wasserkanister voll werden, dann Segel rauf und runter je nach Wind und als ich mich im trockenen hinsetze seh ich keine schönen Dinge (meine Hände und Füße). Guckst DU:

Schee is anders. Und man fragt sich auch gleich: „Ist das noch normal?“. Ich hoffe da auf fachlichen Beistand. Google sagt quasi: Junge du hast einfach gute Nerven, weil die Haut schrumpelt nicht weil sie Nässe aufnimmt, sondern die Nervenenden verursachen das irgendwie, damit man besser greifen kann wenn Nass. Eher Angst haben muss man wenn’s nicht schrumpelt im Regen (Nervenschäden). Aber trotzdem irgendwie nicht sexy. Das war doch früher nicht so… hmmm.

Achtung! Hier bitte überspringen wenn man konservativ erzogen ist! Ist wirklich nicht für jeden. Ich denke das wird mich die Hälfte der Leserschaft kosten.

Ja und von den Furzeperimenten hab ich zum Glück auch kein Video. Das wäre too much. Ich glaub Andrea war es wirklich fad. Am Vorabend gab es Linsen und dann folgendes: Sie liegt da auf der Seite (nackig, wir waren immer nackt), lässt einen fahren und fragt: „Siehst du den Furz eigentlich?“. Ich hab jetzt gerade nix spannenderes zu tun „Sag mal wenn wieder einer kommt, ich guck mal“. Hab irgendwie eine Schwefelwolke erwartet, aber nein zu witzig… man sieht die Arschbacken flattern. Mei, mir haben so gelacht. Und waren natürlich voll in Fahrt. Legt man sich zum Beispiel mit dem Bauch auf den Po des anderen, dann vibriert ein Pups durch deinen ganzen Körper. An dem Punkt sind wir fast erstickt vor Lachen. Kann ich jedem als Paartherapie empfehlen (allerdings nicht bei feuchten Rollern!!).

Verstörende Inhalte aus

So das wär geschafft. Hier ein paar Bilder vom Atlantik zum Runterkommen

Peter hat uns Charlotteville in Tobago als ersten Anlaufpunkt empfohlen…danke. Es ist ein Traum. Einklarieren war mit so vielen Formularen wie noch nie bei drei Behörden an zwei Tagen (mindestens 15 Dokumente mit Durchschlägen). Aber alles ganz herzig (siehe Bild).

Außerdem gefallen mir die Namen der Buchten hier: „Pirates Bay, Man o War Bay, Dead mens Bay, Bloody Bay“. Wir sind erst drei Tage da und die Fotoauswahl ist ein Problem, weil es so schön ist. Gestern haben wir Andreas Geburtstag bei Pizza auf Bananenblättern in der Pirates Bay gefeiert. Einer der schönsten Strände die ich kenne. Ein Dude hat da einfach einen Pizzaofen in den Jungle gebaut.

Pirates Bay

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Mission Seltsam, oder der Atlantikwahnsinn

Kennt ihr Knossi? Oder Joey Kelly? Ich nicht, das heißt…. jetzt doch und es war echt lustig. Mei ham mir gelacht, so a Hetz, dazu später. Jetzt erst noch ein paar fade Reiseberichte. Aber so schee, das kann ich nicht auslassen. Von St. Nicolau weiter nach St. Lucia und dann nach Mindelo. St.Lucia ist unbewohnt, du liegst ganz alleine an einem riesigen Sandstrand. Das es sowas gibt. Der Strand interessanterweise blitzsauber, tipi topi. Kein Müll der angespült wird, oder die Heinzelmännchen machen regelmäßig sauber. Wir chillen zwei Tage und machen Yoga (nackt wie sich das auf einem Wharram gehört). Für das Nackbild habe ich übrigens keine Genehmigung, also pssst, nix Andrea sagen. Überhaupt ist der ganze Blogeintrag Top Secret, dazu später mehr wie gesagt.

St. Lucia

Ewig ham ma leider nicht bleiben können in St. Lucia, weil ein bissi Zeitdruck gibt’s auch bei uns. In Mindelo ist die einzige Marina der Cap Verde. Und eine Marina ist prima (was sich reimt ist gut sagt der Pumuckel) wenn man basteln will, viel Einzukaufen hat und nette Leute, lustige Leute und alte Bekannte treffen will. Und weil halt die ganzen Atlantik Rallys ab Mitte November die Marina zuscheißen, müssen wir vorher rein. Da sind wir schon so ein bissi beim Thema – Was so alles über den Atlantik fährt. So Einzelfahrer wie wir, aber halt auch ganze Horden organisierter Atlantiktouristen und auch sehr spezielle Spezl (später mehr). Die zahlen viel Geld um (im Wettrennen manchmal) voll organisiert über den Atlantik zu schippern. Die heißen dann „Atlantic Rally for Cruisers“, oder „Tour Isles de fleurs“ etc. Und wo die hinkommen gibts nix mehr. Platz, Essen, Benzin, Ruhe. Wie die Heuschrecken. Massentourismus mit lauter Individualisten. Deswegen planen hier alle anderen um die rum. Fahr ich vorher (Hoffentlich rammen die mich nicht von hinten?), oder wart ich irgendwo bis sie weg sind und fahr dann? Und dann kannst du natürlich in der Karibik nur Inseln anlaufen wo die nicht hinfahren. Daher fahren wir erst mal nach Tobago. Hat uns auch der Peter empfohlen… soll wunderschön sein.

Viel ist es nicht was auf der Zu-machen-Liste steht. Noch mal in den Mast, die Scheuerstellen checken. Rümpfe sauber machen. DIe Plexiglasschotts ganz abdichten mit schön gelbem Spritzschutz. Zusätzliches Solarpanel verlegen falls mal wenig Sonne scheint. Gasflaschen füllen. Obst in Netze stauen, Vorräte einkaufen – Bounty, Treets und Mars, ja ich glaub des wars. Anmelden haben wir uns natürlich wieder müssen. Hab extra mein bayrisches Brezenpiratenshirt vom Tom angezogen, hilft aber nix, auch Piraten müssen Formulare ausfüllen (diesmal vollständig). Habs ordentlich gemacht glaub ich, der Präsident schaut sehr wohlwollend von seinem Foto auf mich herab.

Was sonst. Ich suche immer noch nach gutem Caffe (geht so in der schwimmenden Bar der Marina), guter Pizza (geht gar nicht in Mindelo). Aber vielleicht muß ich da warten bis wir in italienisch Polynesien sind. Kommt glaub ich vor französisch Polynesien, das wird ein Traum. Mindelo hat Charme, wie die ganzen Cap Verden. Ich glaub da geht bald richtig was ab mit Tourismus.

Und so ein bisschen Tourismus machen wir dann auch. Heute war Andrea ganz, ganz glücklich. Wir sind mit Schildkröten getaucht. Sensationell. Die Fischer haben versprochen Maria (die Schildkröte am Schluß vom Video) den Haken heute Abend aus dem Maul zu machen. Andrea wollte natürlich helfen, Maria war aber schüchtern und a bissi Respekt muss man schon auch haben.

In der Marina herrscht Aufbruchstimmung. Fast alle wollen über den Atlantik. Manche kennen wir schon. Lutz, den wir auf den Kanaren getroffen haben, parkt sein Haus z.B. genau neben uns ein. Auf der anderen Seite schaukeln zwei identische Einrümpfer. Die kennen wir nicht, aber hallo, die sollen wir schon noch kennenlernen. Der Skipper von einer der beiden Yachten bleibt bei der Gleda hängen. Das ist überhaupt so toll. Ständig bleibt einer bei der Gleda hängen und will ganz viel wissen. Is scho was besonderes unser Wikingermädel. So, also wir kommen ins Gespräch. Haben wir das selber gebaut? Wo wollen wir hin? Wie schnell ist die Gleda unter Spinnaker? Und dann erzähl ich ihm halt, das wir einen ganz tollen speziellen Spinnaker haben – einen Wingaker. Da schaut er ganz mich ganz verdutzt an. Ja den findet er auch ganz spitze, weil das sein Produkt ist. Da sag ich das er ja dann den Lothar Weber kennen muß weil der hat mir das Ding vor 4 Jahren über email verkauft. Und er…logo kenn ich den. Das bin ich. Die Seglerwelt ist klein.

Lothar hat 300.000 Seemeilen und 18 Atlantiküberquerungen auf dem Buckel und er hat viel Humor und das ist wirklich enorm wichtig für seine nächste Aufgabe. Weil…. er ist einer von 4 Skippern die dafür verantwortlich sind 8 Influencer (sie nennen sich auch Creator…whatever) und 4 Techniker/Kameraleute unbeschadet über den Atlantik zu bringen. Das Ganze nennt sich „Mission Unknown“. Jetza…ich bin echt zu alt. Ich schau mir den Trailer auf Youtube an und kenne keine Sau. Ausser das ich schon mal was von der Kelly Familly gehört hab. Der Trailer zeigt Wellen vor Kap Hoorn und vermittelt den Eindruck, das man das sicher nicht überlebt. Ganz lustig also. Ich hab das erste mal gelacht und die fröhliche Stimmung hat angehalten. Zwei Tage später durften nämlich die Chefs der beiden Teams (blau und orange) die Boote vorab anschauen. Das war dann eben Knossi und den anderen hab ich vergessen. Knossi ist neben uns auf dem Boot, wird gefilmt und filmt sich selber und hat glaub ich ein paar Espresso zu viel intus. Springteufel, Hilfsausdruck. Er flippt neben uns total aus was das Boot alles hat. Steuerrad, Segel und andere ganz tolle Sachen… und erzählt von 8m hohen Wellen auf dem Weg zur anderen Seite der Welt. Wir können nicht anders und müssen laut lachen. Da sind wir natürlich gleich auf Video. Was gibts da zu lachen? Also versuchen wir uns brav zusammenzureißen, aber zwei-dreimal rutscht uns dann doch ein Lacher raus. Der Typ ist aber auch echt drollig. Ganz sympathisch in seiner extrovertierten Art. Aber es hilft nix, wir sind jetzt Teil der Doku. Und es sieht so aus, als ob es echt Leute gibt die Knossi kennen. Hab heute von zweien einen Link bekommen „Mensch ihr seid bei Knossi auf Youtube“… Wer also gar nix anderes zu tun hat hier der Link. Ich glaub so um Minute 3 Mal und dann ab Minute 20 mal.

Hier noch ein paar Bilder: Auf einem chatted Knossi gerade mit Anouk in Dubai. Anouk kennt ihn natürlich. O tempora o mores. Auf dem anderen fragt er uns gerade was denn da bitte so lustig ist. Ist doch eine ernste Angelegenheit. Und man sieht auch das Andrea viel lacht. Also man kann sagen was man will …. ein netter, aber schwer überdrehter Typ. Ob ich die Energieausbrüche auf einer Atlantiküberquerung aushalten würde? Eher nein. Und das ist glaub ich das ganze Experiment. So a bissi Big Brother auf See und aussteigen is nicht. Jetzt sind wir natürlich am Haken und werden uns das Ganze im Februar ansehen, wenn es rauskommt. Wir sind auch quasi im Team, weil bei denen hat sich alles bis zum Schluß verschoben und beim Ablegen waren die Kameraleute schon wieder im Flieger nach Deutschland, also haben wir das Ablegen filmen dürfen. Big Bussines. Nur eine Bitte hat es geheißen: „Niemanden sagen wo die Boote ablegen, alles Top Secret“…. Ja, ähhh. Ich glaub das wird nix, weil ich kann ja nicht aufhören mein Blog zu schreiben und das gehört schon rein, aber bei meinen fünf Lesern (Altersgruppe Ü50) spielt das keine Rolle und außerdem haben die hier ein lautstarkes Affentheater veranstaltet. Ich glaub die ganze Welt weiß Bescheid. Geheimoperation sieht anders aus. Beispiel: Kurz vor dem Ablegen haben sie einen „Armageddonwalk“ gemacht. Auf dem Steg vor dem vollbesetzten Marinarestaurant in Komplettmontur (Segeljacken etc) sind sie Richtung Boot gelaufen und haben in die Kameras (vorne, hinten, überall) gewinkt und sich auf dem Weg ins absolut Unbekannte verabschiedet. Andrea hat sofort gerufen: „Viel Glück, Apollo 25“, weil so hat es ausgesehen. Mit Helmen unterm Arm hätten sie auch auf dem Weg zum Mars sein können. Wir haben das mal nachgestellt, weil wir vergessen haben zu Filmen. Andrea macht das super. Und man sieht auch…ein guter Segler ist immer vorrausschauend auf ein versehentliches Versenken des Schiffes vorbereitet.

So…also wir sind stillvoll abgetreten. Morgen klarieren wir aus und dann geht’s wie es aussieht am Dienstag wieder los. Unten mal mit Kreuz markiert wo wir ca. hinwollen. Sollte so 15-18 Tage dauern. No stress.

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Kap Verde Zwischenbilanz und die Chinesenläden

Ohne Halbzeitanalyse geht es nicht. Hab gerade mal die Fotos gesichtet und muss eh 80% weglassen, weil sonst Overkill. Aber das hat nach der Wüsteninsel Sal ja auch keiner geglaubt, das es so paradiesisch wird. Ich bin gerade zu enthusiasmiert. Ja, also wir sind in Sao Nicolau, 80sm weiter westlich. Durch die Ankerbucht von Tarrafal pfeifen mit 40 Knoten heiße katabatische Sturmböen und weil wir da keinen Bock haben gegenanzupaddeln machen wir No Stress und schreiben Blog.

Ist eh das Motto hier: „No Stress“ und „Tranquil, tranquil“. Ich versuch’s mit meiner deutschen Prädisposition so gut ich kann. Is ned leicht wenn man 16 Jahre durch den Wiener Berufsverkehr gefahren ist, weil das Stresslevel auf den Kap Verden is schon schwer anders als morgens auf der Tangente oder in der U4. Wenn in einem Supermarkt mal das Kassensystem nicht geht (Strom weg), dann wird in aller Ruhe in ein Notizbüchlein jede Artikelnummer des Einkaufs notiert. Für 10 Artikel eine halbe Stunde, weil man muss nach jedem Artikel aufstehen, zum Regal gehen und die Nummer nachsehen. Keiner regt sich auf. Hammer. Das Gute: wenn’s dir zu entspannt wird und du Heimweh bekommt, dann gehst du in einen Chinesenladen. Super 1A Grantlevel, macht jeden Wiener Kaffeehauskellner neidig und die Kasse geht immer (Generator, der Rubel muss Rollen).

Ein Chinesenladen ist etwas was ich aus D oder Ö nicht kannte. In Italien das erste mal gesichtet. Typische Besetzung Vatter, Mutter Kind. Warenangebot: Alles. In einem gut sortierten Chinesen gibt es vom Kopfkissenbezug, über Lichtmaschine, chirurgisches Einmalbesteck, Faschingskostüm zur Erwachsenenwindel alles. Die Arbeitsteilung ist wie folgt: Vater kassiert, Kind arbeitet (Regale einräumen, putzen und so) und der Chef (Frau) kontrolliert das nix geklaut wird. Sprich sie stiert entweder auf den Monitor der Überwachungskameras oder (wenn Du der einzige Kunde bist) läuft sie 30 cm mit dem bösen Blick hinter Dir her. Du spürst den Hauch des Todes im Nacken. Von wegen Land des Lächelns. Ja und WENN die Frau mal lächelt, dann weißt Du Bescheid: Ihr Mann hats gerade geschafft dich an der Kasse zu bescheißen. Klar, also politisch korrekt und woke und so war das jetzt nicht (kann ich auch gar nicht. Bin zu alt, zu weiß und zu Mann), aber nach 100 Chinesenläden ist das ganz klar das Muster. Wir kaufen wie alle anderen ja auch gerne da ein. Alles schön billig und alles da und ganz manchmal bekommt man für ein „Xièxiè“ oder einen Einkauf über 200 Euro doch ein Lächeln.

Eier werden übrigens aus Kostensparnis im Sackerl verkauft. Immer schön langsam. Tranquil, dann geht auch nix kaputt.

Jetzt kann mir vielleicht einer helfen… warum gibt’s die Läden nicht in Deutschland oder Österreich? Oder hab ich sie einfach nicht gefunden. In Palmeira gibt es zwei. In Tarrafal drei… super Sach.

Wir haben uns in Palmeira noch den Komet Atlas angesehen und sind weiter. Unsere Fischcrew werden wir vermissen. Jeden Morgen um 6:30 lautes Geschrei. „Vasi, Vasi, cumbuler“. Der der schreit ist der „Spotter“. Mit Taucherbrille gibt er den Netzwerfern Anweisung. Das ist Kreol und ich denke mal das bedeutet „Vas ici, Hierher, Fisch“. Weil da waren dann auch immer ein paar Fische im Netz. Also hier das allmorgentliche Bild und noch ein paar Salimpressionen (Saline, Das örtliche Fitnessstudio und Kinder ohne Handy)

In den Kap Verden muss man sich auf jeder Insel bei der Polizei anmelden. Ablauf auf Sao Nicolau: Ein Beamter, Ein Tisch ein Stuhl ein Fernseher (Fußball : West Ham United gegen Arsenal). Der Polizist sieht nicht vom Fernseher weg: „Check in?“. Ich soll mir das einzige Formular das rumliegt holen und ausfüllen. Als ich halb durch bin schießt West Ham ein Tor. Er jubelt, ich jubel. Mit der rechten Hand klatschen wir uns ab, mit der linken Hand haut er den Stempel drauf ohne hinzusehen (halb ausgefüllt). Passt. Bon Dia.

Die Insel will ich gar nicht groß beschreiben. Schaut die Bilder an. Ein Paradies. Wie wandern im botanischen Gewächshaus. Einen Tag haben wir einen Guide. Die Spezl passen die gleich am Strand ab. Unser Mann heißt Franja. Wir holen ihn Morgens mit dem Mietwagen ab. Dann gehts noch weiter zur Schwiegermutter. Die muss auch noch mal an die frische Luft und sich am Strand nen Joint reinziehen, also macht sie die Tour mit. No Stress. Ab und zu fährt auch ein Bekannter mit den wir auf der Straße aufgabeln. Highlight: Franja ist noch nie in einem Auto gefahren in dem man sich wegen der Warnpieperei anschnallen muss. Die Versuche den Gurt richtig anzulegen kann man nicht in Worte fassen. Letztendlich ist der Gurt eingesteckt, aber hinter dem Beifahrer. Es lebe die Freiheit.

Auf der ganzen Insel gibt es einfach keinen Tourismus. Wir treffen einen Wanderer in fünf Tagen. Entsprechend auch keine Restaurants, oder Hotels. In ner Bar bekommst Du immer das gleiche Essen. Fisch des Tages mit englisch gedünstetem Gemüse oder Pommes. Dafür haben die Kneipen Charme. Die folgende Bar gehört einem Kap Verdianer der in Deutschland arbeitet und ich glaube er findet es supi da.

Franja fährt uns zu seiner Familie ins Fischerdorf. Es wird illegaler Weise mit Flasche und Harpune gejagt. Bis auf 55m. Das Drama dabei. Einige haben durch zu schnelles Aufsteigen die Taucherkrankheit (Kollege im Rollstuhl). Druckkammer gibt’s hier nicht.

Sao Nicolao ist sicher. Franja sagt: Klauen macht keinen Sinn. Nur 13000 Einwohner. Jeder weiß wer es war. Kriminalität wird nur durchgeschleust. Ab und zu steht ein Van am Strand. „Mafia, Trafficante“. Das Kokain kommt aus Südamerika und geht weiter nach Europa. No Stress.

Wir setzten alle Abends wieder daheim ab und hoffen sie hatten einen schönen Ausflug. Derweil hat die Oma unsere Wäsche gewaschen. Waschsalons gibts hier nicht. Du fragst irgendjemanden und der kennt dann schon wen. Dabei kommt es zu so was wie Klamottenwichteln. Bekannte aus Sal kommen nach uns in die Bucht gesegelt. Die erste Frage: „Hattet ihr mein schwarzes Lieblingskleid in der Wäsche“. Nein leider nicht. Ich hab aber ein Heli Hansen T-Shirt bekommen was super passt und dafür haben wir einen Kopfkissenbezug irgendjemanden abgegeben. Lustig. Jetzt wieder die Bilder. Am Schluss: „No Stress“

Ein Kommentar

Eine Bombe um ein Ölgemälde zu werfen und Hitchcocks die Fische

Catchy meine Titel, oder 🙂

Hafen von Las Palmas. Pechschwarze Nacht…

„Fuck…Wo ist denn bitte verdammt noch mal Nord?“
„Oben am Plotter halt!! (du Hirni)“

Da hat sie natürlich recht. Also geb ich Volldampf mit beiden Motoren und lenk nach Steuerbord. Kurzer Blick noch mal auf den Plotter. Ja uff, das war das richtige Nord, das kleine Dreieck bewegt sich nach oben. Mein ausgezeichneter Orientierungssinn war schon immer eine meiner Stärken, derweil tu ich mir mit Nord und Süd noch leichter als mit Ost und West. Um die Welt geht es immer nach Westen glaub ich, mal sehen wo wir landen. Wir machen jetzt 8 Knoten Fahrt durch den Hafen (nach oben) und hinter uns rauscht aus dem Nichts arschknapp mit 20 Knoten ein Riesen Tanker durch. Wieso darf den der hier so rasen, mitten im Hafen?? Auf dem Lotsenboot das uns ganz hektisch per Funk nach Norden verscheucht hat („Captain, Captain! Change course to north immediatly. Big big ship approaching“) werden Köpfe geschüttelt. Ich bin mir ned ganz sicher was wir falsch gemacht haben. Aber wahrscheinlich einfach alles. Also lieber raus aus dem Hexenkessel bevor wir noch was putt machen…. Teneriffa lassen wir in der Morgendämmerung links liegen, wir können uns ja nicht alles ansehen und La Palma soll ja so schön sein.

Und es ist wirklich wahr, die Berglandschaft ist der Hammer. Über die noch warme Lavazunge vom Vulkanausbruch von vor drei Jahren gibt es eine neue Straße mit hitzebeständigem Spezialasphalt (Spitzentechnologie von Feinsten lol 🙂 wär was für dich, Cubair (sorry das war ein Insiderwitz)). Kleine Bauingenieurexkursion, sozusagen. Von da geht’s rauf in den Nationalpark. Seit Lake Tahoe hab ich so was Schönes nicht mehr gesehen. Lichte Kiefernwälder, steile Berge. Alles riecht nach Pinien. Ein Traum zum Wandern. Santa Cruz ist auch hinreißend… hier mal die Fotos und dann wieder ein paar Geschichten.

In La Palma flieg ich kurz mal zwei Tage nach Kloburg. Bestellte Ersatzteile abholen, Kinder knutschen und unter die Arme greifen und der Jugend Allgemeinwissen vermitteln. Mit Genehmigung meiner Tochter, sie findet es auch Lustisch: Bei der Prozession der Madonna von Crotone (Blog vom Juni oder so..) handelt es sich nicht! um ein Musikfestival mit der Sängerin Madonna (die auch nicht aus Crotone kommt, sag ich mal), sondern um eine kirchliches Fest zu Ehren des heiligen Madonnenbildes von Crotone. Madonna ist also sowas wie Mutter Gottes und nicht die Großmutter der Popmusik. Wozu hab ich sie auf eine katholische Privatschule geschickt??

Apropo Ersatzteile: die Gleda hat jetzt ein Blaulicht! Wir haben, damit wir besser gesehen werden, wenn wir am Anker sind in der Nacht, hinten drauf so ein kleines Lichtlein. Lädt sich tagsüber solarmäßig auf und geht automatisch an, wenn es dunkel wird. Dann sieht man am Ankerplatz, wo die Gleda aufhört. Es ist nämlich bei Ankerplätzen mit ner Stadt im Hintergrund kaum zu erkennen was Mastlichter und was Stadtlichter sind. Falls es kaputt geht, haben wir jetzt noch ein Profiblinklicht und eins aus dem Baumarkt und das haben wir aufs Dach vom Pod geschraubt (Dreifach hält besser). Große Freude in der ersten Nacht! Es ist blau! Wie die Pozilei. Keine Ahnung, ob das erlaubt ist, aber solange sich niemand beschwert… wir lieben es einfach und da klettert uns auch kein böser Bube mehr an Bord, wenn er böse und auch a bissi blöde ist und uns die amtliche Beleuchtung abkauft.

Nach vier Tagen ist man offensichtlich in La Palma angekommen. Morgens geh ich wie jeden Tag in mein Caffè (Das Atlantico). Der Barmann ruft „Hola, Amigo“ und macht sich klappernd an die Arbeit an der Kaffeemaschine. Er weiß ja was ich will. Cappuccino… andere bekommen schweigend ihr Bier, oder Schnaps. Chacun à son goût. Auf Deutsch „Jeder nach seinem Geschmack“. Ich muss hier etwas mit meinem Französisch „protzen“ („flexen“ – für die Jugend). Auf spanisch kann ich das nämlich noch nicht, was schooo Oarsch is (auf Deutsch: blöd ist). Jetzt hab ich auch noch mit meinen Österreichischkenntnissen angegeben. Pffff..

Ja, also.. wenn man der Landessprache nicht mächtig ist kommt man natürlich nicht so gut ran an die Menschen und es kann auch zu seltsamen Missverständnissen führen. Wie gestern geschehen. Freundlich grinsend steht ein junger Mann neben der Gleda und ruft mich an. Die Sprache kann ich ja nicht, aber ich merke er will was von mir. Segler helfen einander. Ich stell mich also neben ihn und er redet fleißig los. Das kommt mir spanisch vor. Ich versteh kein Wort. Andrea gesellt sich dazu. Auch sie kann nur erraten… er braucht was von uns. Da wir nix verstehen (Englisch kann er nicht) redet er einfach mehr und lauter. Das ist eine lustige südländische Strategie. Mein italienischer Helfer Nino in der Werft hat die auch angewendet und nach fünf Tagen dauerquasseln mit Händen und Füßen lernt man auch ein paar Brocken. Soviel Zeit hatten wir aber nicht, also hab ich das Handy geholt. Ich mach Google Translator auf und halt’s ihm vor dem Mund. Da hört er mit großen Augen schlagartig auf zu reden. Zefix. Aber dann kommt doch ein Satz raus und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

What the fuck? Gelächter bei Andrea und mir. Er lacht freundlich mit und weiß nicht warum. Hab ja gesagt das kommt mir spanisch vor. Also wird weiter gestikuliert. Irgendwann zeigt er hinter sich auf sein Schiff und beim Anblick der brasilianischen Flagge deucht mir das genuschelte Spanisch auf einmal Portugiesisch und siehe da:

Jetza hab ich dann schon die Transferleistung gebracht, das er aus seinem Motor und nicht aus der Erde fördern will…. So was haben wir, eh klar. Glücklich zieht er von dannen. Als naheliegendes Dankeschön will er uns 20 kg Porzellangeschirr schenken. Ich muss leider ablehnen, unsere Wasserlinie ist eh schon nicht mehr das was sie mal war. Also merken: Sprachkenntnisse sind wichtig, noch wichtiger ist aber zu wissen welche….

Nun fahren wir also unter Blaulicht (Aus der Bahn Kartoffelschmarrn!) unsere bisher längste Strecke auf die Kap Verden. 800sm, ca 6 Tage. Das ist irgendwie schon ein Teil der Atlantiküberquerung. Dann sind es „nur“ noch gute zwei Wochen und schwupps sind wir in der Karibik. Und das glaubst Du jetzt nicht: Den ersten Tag kein Fisch, dann zwei so kleine…pfff… also hängt Andrea den großen Köder hin. Nach dem Motto: Wenn schon kein Fisch, dann wenigstens ein Großer. Und na also geht doch! Pfunds MahiMahi (Filets mit Butter/Zitronenreis. Köstlich) Zwei noch fettere waren auch dran (Vielleicht ein Schwertfisch?), aber die haben sich freigemacht nach langem Kampf.

Wo wir gerade bei Fischen sind. Je weiter südlich wir kommen (13 Breitengrade haben wir geschnupft seit den Kanaren. Sind jetzt auf dem 15ten also schon Karibikbreite) desto mehr fliegende Fische verirren sich beim Nachtflug ohne Instrumente auf die Gleda. Wir retten so viele von den Flugamateuren wie wir können. Sollen zwar eine Delikatesse sein, aber Andrea findet es sind zauberhafte Wesen die das Ergebnis einer großen Romanze zwischen einem Fischlein und einer Libelle sind. Also kein Schlachtfest.

Mein Verhältnis mit den Viechern is ned ganz so romantisch. Erstens stinkt die Gleda wie ein 1A Klopapier Fischkutter und zweitens wurde ich hinterrücks attackiert.  Hitchcock die Fische, Hilfsausdruck. Die folgende Geschichte ist wahr. Pumuckel würde sagen: Ich schwörs bei der Klabauterehre. So um zwei in der Nacht sitz ich etwas rammdösig im Pod, neben mir ist von der Verkleidung nur ein fizzi Spalt offen und genau da fliegt so ein Zauberwesen mir direkt auf den Schoß und versucht sich rotierend  in meine Hose zu arbeiten. Scheiße, ich hätte fast einen Herzkaschper gekriegt. Ich ring ihn nieder und schmeiß ihn raus und dann geht’s richtig ab. Es regnet Fische vom Himmel. Überall schlagen sie ein. Andrea liebt sie, also versuche ich zu retten was zu retten ist. Brav mit Schwimmweste und angegurtet stolpere ich in stockfinsterer Nacht mit Stirnlampe und Kehrschaufel bewaffnet übers Deck und versuch mehr Fische zurückzuschippen als runterkommen. Gedankt wird es mir durch einen Direkteinschlag mitten ins Gesicht. Jetzt stellt sich langsam leichte Hysterie ein. Mit irrem Blick kämpfe ich weiter und 30 Min später ist es getan. Mindestens 30 Viecher sind zurück im Wasser. Vielleicht ist auch eine Motte mit reingekreuzt und die Fischi werden von Blaulicht angezogen? 7 Verluste sind allerdings zu beklagen. Die Fischleichen finden wir erst am nächsten Tag in allen Ritzen. 7 zu 30 ist aber ein gutes Ergebnis find ich.

Sechs Tage und mehrere Fischeinschläge später kommen wir an. Hier noch kurz dazugesagt… das 6 Tage Zeitfenster haben wir super Dusel gehabt. Ich würde fast sagen super geplant. Einen Tag später weg und wir wären in einer 3 Tage Flaute gehangen. Einen Tag später da und wir hätten voll 35 Knoten Wind von einem Tiefdruck wirbel von vorne gehabt. Siehe das Bild vom Ankerplatz. Gerade gemessen 30 knots Wind. Zwei Schiffen schleppen ihren Anker durch den Sand und ankern neu. Unser Monsteranker hält ganz brav.

Und jetzt kommt auch das erste Mal die gelbe „Q“ Flagge zum Einsatz (Q wie Quarantäne: Sprich… wir kamen nicht von Madagaskar und hatten auch nicht die Pest an Bord). Muss rauf wenn du noch illegal bist im Land. Wir haben dann brav in der kleinen Pozileistation im Fischhafen von Palmeira auf Sal  (Blaulichtkumpels von uns) unsere Pässe stempeln lassen und jetza darf die Q Flagge wieder runter. Fühlt sich immer mehr nach großer Reise an. Das Pässe stempeln hat uns einen Vorgeschmack darauf gegeben wie die hier ticken. 20 m2 Büro mit 3 Beamten von Polizei und Immigration. Lautes Gelächter, Reggea Musik. Die Formulare fürs Boot können sie gleich machen, aber fürs Pässe stempeln müssen wir um drei wiederkommen, weil der eine Beamte hat den Stempel aus versehen mit nach Hause genommen. Pünktlich um drei sind wir wieder da. Was einmal deutsch genetisch versaut ist lässt sich auch durch Prügel nicht korrigieren. Der Stempel macht natürlich noch Siesta. Wir gehen beim Chinesen einkaufen. Um zwanzig nach drei: „Captain, Il arrive jaques minute.:..“. Captain…grins. Wir machen es uns bequem. Um vier dann fährt ein Polizeiauto vor (laute karibische Rapmusik). Und Juhuu er hat den Stempel nicht vergessen. Aber irgendwas stimmt nicht mit dem Stempel. Lautes Palaver. Wieso ist da Dreck in den Ritzen? Ich versteh nicht alles, aber ich glaub er hat ihn seinem Sohn zum Spielen gegeben (Umgang mit Kindern siehe unten). Die einzige Polizistin zückt die Nagelfeile und puhlt die Ritzen sauber. Jetzt zack noch in den Pass (halb daneben aber mit Liebe und Schmackes) und fertig. Herrlich.

Palmeira gefällt uns ganz ganz gut. Wirklich. Kaum Touristen (Wir zählen ja nicht). Ein echtes Fischerdorf. Die Leute sind sackfreundlich zu uns, unglaublich liebevoll zu den Kindern und logo die Kinder sind dann auch alle herzig. Kein Geschrei, kein Gestreite, keine Handys in der Hand. Jeder hockt sich gemütlich zum ratschen her (mein Französisch hilft a bissi. Mein Portugiesisch und Kreol ned so). Das letzte Foto ist Madrugada ein alter Hochseefischer. Andrea und er waren im kleinen Caffè in tiefe Fachgespräche vertieft….

geballtes Angelfachwissen

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Wimps and posers leave the hall

Eigentlich ist der Blog ja nur für uns gewesen. So als Bordtagebuch und Erinnerung. Dass man halt als alter Mann ned alles vergisst. Jetza lesen aber glaub ich schon fünf Leute regelmäßig was hier niedergeschrieben wird. Eine richtige Leserschaft. Da wächst der Druck auf den Autor, auch unterhaltsam zu bleiben. Ganz fad find ich beispielsweise so Blogs mit dem Inhalt: „Wir waren hier, so war das Wetter, irgendwas belehrendes zur Seemannschaft, in der Taverne haben wir mit denen gesoffen, Stuhlgang war gut“. Obwohl… das mit dem Stuhlgang hätte schon was besonderes. Ich komme darauf zurück, weil wer sich noch nicht durch unsere Klappe, oder schwimmend, ins offene Meer erleichtert hat, weiß nicht was Freiheit ist. Ähh ja, also… weils halt Erinnerungen sind muss ich trotzdem ein paar Bilder von unseren Wanderungen und so reinmachen. Die mach ich dann aber vielleicht ganz am Schluss, oder wenn’s rein passt. Zum Beispiel jetzt nur kurz der Schwenk vom Stuhlgang zum Essen und den Wanderungen, weil Andrea steht gerade in der Kombüse (so sagt der Seemann und so langsam werden wir welche) und macht folgenden Salat: Teriyaki Huhn mit Avocado auf Blattsalat an Mango, Granatapfelsauce. So geil, ich kann die Küche in dem Etablissement hier nicht hoch genug loben. Ja, und Avocado, Mango, Granatapfel haben wir halt gerade auf einer Wanderung auf La Palma am Straßenrand gepflückt. Hammer oder? Das findet ein deutsches Stadtkind schon toll. An Bananen, Papaya und so sind wir nicht rangekommen, weil Stacheldraht, gibt’s aber auch. Auch das Huhn mussten wir kaufen. Die rennen einfach zu schnell und Andrea hatte ihr Fischmesser nicht dabei.

So was schreib ich denn jetzt? Also vorweg: die Versorgungslage ist gut. Sprich: Cappuccino, Schokolade und Pizza in bester Qualität. Da hab ich noch so gemeckert. Aber nach dem Caffè Lab in Cartagena gibt es einen zweiten Würdenträger in Spanien, das „Cool Beans“ in der Altstadt von Las Palmas. Vor der Bestellung wird dir das genaue Anbaugebiet der Bohnen erklärt und wie sie selber in der Stadt von Jungfrauen geröstet werden… Sensationell. Wenn es das Café schon vor 500 Jahren gegeben hätte, wäre Amerika von jemand anders entdeckt worden. Weil der Columbus würde immer noch da sitzen und Cappuccino saufen.

Mit Schokolade bin ich auch nicht so einfach (Achtung Euphemismus). Ist ja Zucker drinnen. Erinnere mich jetzt nicht, aber falls noch nicht erwähnt, ich hab mal als Ghostwriter eine quasi Dissertation über die Folgen von Zuckerkonsum geschrieben. Ein halbes Jahr Recherche hat Narben hinterlassen. Ich kann fast keinen Zucker mehr essen. Leichte hysterische Anzeichen sind vorhanden. Die die dabei waren und unter meinen Vorträgen gelitten haben wissen wovon ich spreche. Bevor ich irgendwas im Supermarkt kaufe muss ich es umdrehen, die Brille auf die Strirn schieben und den Gehalt der Mono- und Disaccharide entziffern (Schriftgröße 1.5mm) . Mehr als 5%? Ahhrggg…. Kaum zu Essen. Ich will nicht sterben. Bei Schoki halt ganz ganz schwer. Weniger als 15g Zucker auf 100g sind schon sensationell. Klar es gibt auch 99% Schokolade… aber da hat der Spaß ein Loch. Um es kurz zu machen. In Spanien gibt es eine 82%ige Schokolade mit Mandeln und nur 12% Zuckergehalt und die schmeckt pfundig. Der Haken: Gibt’s fast in keinem Supermarkt. Wir waren in 10 Märkten bis wir sie gefunden haben und jetzt gibt’s da auch keine mehr…. siehe Bild. Nach mir die Sintflut, Lol. Bis in die Karibik bin ich safe.

Und auch das muss ich mir merken: Die beste Pizza Spaniens gibt es in der Marina La Palma (die Insel, nicht die Stadt). Italienischer Pizzabäcker, logo. Hat Michelle Qualität (Die Pizzeria bei der Werft in Palazollo de Stella) und das soll was heißen.

So jetzt frag ich mich schon… interessiert das irgendjemand außer uns wenn wir das später mal lesen? Wurscht, ich finds wichtig.

Der Gleda gehts gut. Mir ham nix fixen müssen. Mal Wanten nachspannen, nen Klecks Farbe und so, aber sonst alles supi. Jetzt, eine Sache gab’s doch. Es knackt. Andrea ist da ganz gechillt. Ich eher gar nicht. Und zwar knackt es, wenn man im Bett liegt und dann auch noch wie eine Standuhr, also ganz regelmäßig. Wenn es wenigstens zu den Wellenbewegungen synchron wär. Das knacken hört man nur wenn man innendrinnen liegt. Geräusche wie schlagende Tampen etc. werden innen im Klangkörper um den Faktor 100 lauter. Das macht die Ursachenforschung extrem schwierig. Die meisten Kameraden kenne ich schon (Die Plexiglasscheibe in ihrer Halterung, die Ruder wenn sie nicht festgestellt sind). Der Deckel zum Stauraum unter der Matratze war ein Virtuose im Knacken. Jetzt ist er stumm. Ich hab alles mit Neoprentape gefedert. Trotzdem gabs da noch dieses eine Knacken, zum narrisch werden. Zum Glück san mir enorm ausgerüstet. Mit Spezialwerkzeug hab ich es gefunden (siehe Foto). Es war übrigens die Seitenabdeckung.

Viele nette Menschen haben wir auch kennengelernt. Tadeo (aus Brasilien) und Fabiana (aus Paraguay). Die beiden haben sich nur über das Telefon gekannt und sie hat beschlossen zu Ihm auf die Kanaren zu fliegen um mit ihm auf seinem kleinen Kat zurück nach Brasilien zu Segeln. Das ist schon mutig… Evtl. stinkt der andere ja. Aber sie waren ganz happy. Ein Bootsbauer und seine Freundin aus der Ukraine hatten wir auch an Bord. Die beiden sind seit elf Jahren auf einem Sperrholzeigenbau unterwegs. Aus der Schiffsbesichtigung wurde aber nix. Als Denis die Gitarre gesehen hat war Schluss und wir haben eine Stunde lang besten Blues am Schiff gehabt. Der Herr mit der Schwimmbrille ist aus Südafrika und ist vom Strand her einfach geschwommen und hat sich selber zur Session eingeladen. Blues geht immer wie Helge Schneider sagt.

In Playa Blanco auf Lanzerote wo die Session war, da haben wir auch noch mal Nachhilfe bekommen das der Tidenhub hier 2.5m ist. Also das wussten wir schon so im Hinterkopf, aber bei Ankertiefen von 5m achte ich da nicht so drauf. Und das war dann echt witzig als wir unser Kajak an einer Schwimmleiter an einem Kai festgemacht haben. Als wir zurückkamen war der Kai nämlich futsch, die Leiter auch und unser Kajak hing so halb unter Wasser. Genius! Da musst ich mich nakisch machen und runtertauchen. Hab leider kein Foto mit Kajak…

Drei Fotos noch von Lanzerote… Marslandschaft und ich denke mal Verkehrsplanung mit EU Fördergeldern (Ich checks einfach nicht) und Kunst irgendwo im nirgendwo.

Vor Fuerteventura gibts noch eine kleine Insel, Isla de Lobos. Naturschutzgebiet. Touristenmagnet. Jetzt kommt der Titel: Die Insel ist schön, man könnte sie sich anschauen und wandern gehen, aber nein! Es gibt da einen Steg und der Teufel weiss warum, genau da müssen alle Whimps and Poser ein Foto in Fremdschampose für ihre Instastory von sich machen bis das Touristenboot sie wieder zurückfährt. Was geht in den Gehirnen da vor? Ich bin wissenschaftlich fasziniert und fahre zwei Tage hintereinander hin um das zu dokumentieren. Das ganze ist extrem cringe (sagt man das noch?). Selbst Andrea die mehr als ich abgehärtet ist was Sozialporno anbelangt kann da nicht zuschauen, aber ich halte mit der Kamera eisern drauf. Ich glaub ich hab ein neues Hobby. Besonders erschreckend: Für den Schmarrn wird angestanden. Alle drängeln, mosern, murren bis sie dran sind. Dann hat man ja Zeit. Jetzt kann man sich gaaanz in Ruhe die Haare richten, den Oberkörper einölen (KEIN Witz) und ein paar Posen üben, man hat ja schließlich lange genug gewartet. Ich denke das würde heute ein eigenes Kapitel in Gustave Le Bons Meisterwerk „Psycholgie der Massen“ bekommen.

Foto 1: Der Wissenschaftler bei der Arbeit

Und hier die Forschungsobjekte…

Und noch eins von den Dünen Gran Canarias. The Evil is always and Everywhere

So und um runterzukommen hier noch ein paar Fotos zum entspannen. Wir waren eine Woche mit der Vespa auf Gran Canaria unterwegs und sind gewandert. Scheee.

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Wenn man nicht weiß wo man anfangen soll

…dann fängt man am besten ganz am Anfang an denn, was soll ich sagen, es ist wirklich (wirklich) viel passiert. Orcas, Seenotrettung und und… Erst mal ein Überblick wie weit wir gekommen sind. Sneakpreview sozusagen. Post ich jetzt immer rein.

Eine Sache die ich prokrastiniert hab, war das Klettern in den Mast um mal zu checken ob alles Ok ist. Jetzt vor der ersten Atlantiketappe bin ich nimmer ausgekommen. Und ja klar, war ned OK. Früher wär besser gewesen, logo. Ich schreib mir nen Minuspunkt auf. Aber noch alles im grünen Bereich. Weil mir immer so schön chillig Schmetterling segeln hat die Gaffel sauber an die Wanten hingescheuert. Der Scheuerschutz hat sich brav geopfert und ist hin. Auch ein Knoten von den Schlaufen, welche die Wanten am Mast halten ist komischerweise angescheuert. Hab das ganze jetzt mal mit zusätzlichen Schlaufen gesichert und nen fetten Gummischutz um die Wanten. Mal sehen. Vor der Atlantiküberquerung von den Kapverden check ich’s wieder. Versprochen.

Andreas Ohr is a bissi besser mit den ganzen Antibiotika und sie meint sie will los. Der Atlantik ruft und da sollen ja ganz viele Fische auf sie warten und andere machen sich ja auch schon bereit (Foto). Das Foto muss ich jetzt einfach posten. Unser Nachbar aus Polen, mit Kapitänsmütze, Seemannsbart, verspiegelter Brille und Stringtanga. So eine coole Sau.

Wann man sich in Gibraltar auf den Weg macht hängt von vier Variablen ab (denke ich). Eins: Die spinnerten Orcas, man will ja seine Ruder behalten… So Anfang September sind die weg nach Norden und terrorisieren da die Portugiesen. Jetzt haben wir es Ende August. Man wird sehen, hier hab ich etwas geschludert. Zwei: Der Wind: Es soll ganz leichter Levante (Ostwind) vorhergesagt sein, weil in der Düse bei Tarifa hat es gleich 3 Bft mehr. Drei: Die Strömung… Der Wasserspiegel auf der Atlantikseite ist ca. 2m über dem Wasserspiegel auf der Mittelmeerseite. Du fährst quasi Bergauf. Im Mittelmeer verdunstet das Wasser wie nix und der einzige Zufluss ist der Atlantik bei Gibraltar. Pro Sekunde strömen eine Million Kubikmeter Wasser vom Atlantik rein. Jetzt kommen noch Ebbe und Flut dazu, das musst du jetzt schon planen, sonst hast du auf einmal 4 Knoten Strömung gegen dich. Da geht nimmer viel. Es gibt da auch ganz ganz viele Tabellen und Berechnungen, aber ich war denkfaul und hab mir einfach bei PredictWind die Strömungen dazugebucht. Vier: Bei Tag fahren… ca. 300 Schiffe (riiiesige Schiffe, die irrrrre schnell da sind, wenn sie mal am Horizont auftauchen) fahren jeden Tag durch die Meerenge, alle 5 Minuten eins. Irgendwo müssen wir das Verkehrstrennungsgebiet (Wasserautobahn) senkrecht kreuzen und das ist bei Tag irgendwie besser.

Also…Abfahrt: 24.8.2024 um 10:30

Alles passt super Wind, super Strömung für uns (Springtide). Teilweise haben wir 3 Knoten Strömung in unsere Richtung.

Bei Tarifa, der engsten Stelle nutzen wir eine Lücke und stechen die 10 sm nach Marokko durch. Und jetzt versagt meine Planung (vermutlich). Andrea schaut kurz mal nicht zu ihren Angeln nach hinten: „Guck mal was großes da vorne“. Ein Blick durchs Fernglas und ich hab Herzrasen. Drei riesige schwarze Fische kommen auf die Gleda zu. Die sollen doch gar nicht hier sein, zefix (Ich hab das doch so schön geplant. Ja wofür plan ich den überhaupt, wenn sich keiner dran hält). In leichter Panik schalte ich alles ab was Geräusche macht (Tiefenmesser, Autopilot etc) und wir holen die Kracher vom Thomas raus, weil sorry im Ernstfall ist mir ein Orcahörsturz lieber als ein Loch im Boot. Bin mir sicher das da jetzt einige den Kopf schütteln, aber vom Sofa aus kann man leichter tierlieb sein als mitten auf dem Meer in einem Boot mit 9mm Sperrholzwand. Derweil sind die Viecher auch schon da. Ein Meter an Steuerbord. Länge so 6-7m (wir haben 12m). Schwarz mit Finne. Die gucken ganz kurz und auf einmal sind sie auch schon wieder Weg. Big Uff. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Das waren Orcas, die sich nicht für einen Wharram interessieren. Unterwasser schauen wir ja auch wunderschön aus wie ein Wal. Oder es waren Pilotwale, die sehen von oben ganz ähnlich aus. Ist aber wurscht, weil mir san durch. Gleda ist ganz und die Kracher waren nicht im Einsatz. Foto gibt es keins. Ging zu schnell und wir waren echt aufgeregt.

Nach der Meerenge hilfts nix. Wir müssen für 10 Stunden die Motoren benutzen. Ich finde das schrecklich, aber genau hinter Marokko liegt ein Flautenloch das sich die nächsten Tage ums Arschlecken nicht wegbewegt. Dahinter ist wunderbarer Nordwind zu den Kanaren mit 4-6 Bft. Wie geil ist es dann wenn der Lärm aus und die Segel oben sind. Wir machen sofort ein paar Stunden lang einen Schnitt von 9 Knoten. Eigentlich zu schnell zum Angeln, aber meine Frau schreckt das nicht. Und dann ging es los. Wenn jemand schon im Mittelmeer ständig Fische rauszieht… Der erste war ein Thunfisch, ein paar Stunden später zwei Mahi Mahis gleichzeitig (Andrea fährt ein Doppelangelsystem). Jetzt hab ich in meiner ganzen Voraussicht in Malaga noch eine zweite Kühlbox gekauft. Aber es hilft nix, wenn auch die zweite Kühlbox voll ist und einem der Fisch zu den Ohren rauskommt, dann muss man als Kapitän ein Angelverbot verhängen. Das ist nicht leicht und man muss stark sein um das durchzuziehen, weil Höchststrafe für meine Frau. Fast zwei Tage hält sie durch, dann ist die Angel wieder drinnen (heimlich während ich schlafe). Und als ich aufwache ist ein weiterer Mahi Mahi in der Kühlbox. Wir müssen hier jetzt schon langsam von einem stark suchtgeprägten, nicht mehr therapierbarem Verhalten sprechen.

Um das zu verdeutlichen gleich noch eine Anekdote aus Lanzarote. Vorneweg: In den Häfen darf man nicht Angeln. Als ich Abends ins Bett gehe sag ich noch: „Bitte nicht Angeln, hier gibt es ein Steakhaus. Ich will mal ein Steak“. Andrea: „OK“. Das Versprechen eines Abhängigen.

Morgens dann…
Ich: „Ich mach mal Kaffe“
Sie: „Ähhh. Nicht erschrecken wenn Du in die Kühlbox schaust“.
Ich: „Oh nein… wie viele Fische sind da drinnen?“
Sie: „Hmmmm“
Ich: „Wieviele???“
Sie: „Nur drei Doraden“
Ich: „Wer soll das denn alles Essen, um Gottes Willen?“
Sie: „Ich kann gar nix dafür… Den ersten wollte ich ja gar nicht fangen und die anderen beiden hab ich aus Versehen hinterhergefischt“
Ich: „……….. seufz“. „Du weißt schon, das das hier verboten ist?“
Sie: „Hmmm. Ich hab nen schwarzen Pulli und ein schwarzes Kopftuch angezogen und hab mich ganz klein gemacht, als ein Marinero mit dem Auto kam, damit ich wie ein Müllsack aussehe der da zufällig rumsteht.“… „Nur der Fisch hat so Krach gemacht beim Zappeln und wollte mich verraten“.

OK… Ist das jetzt schon Beschaffungskriminalität, oder was? Ich denke ja. Aber Sie ist glücklich wie man sieht. Die Abfälle bekommen die Möwen, die uns brav begleiten über den Atlantik. Weil, wer hinter der Gleda fliegt muss nie, nie, nie Hunger leiden und natürlich auch nicht mehr selber fischen.

Ein SuperFischErlebnis darf nicht unerwähnt bleiben. Am Tag zwei taucht auf einmal ein richtiger Wal hinter uns auf. Mit richtig mein ich jetzt echt groß. Also größer als die Gleda mit 12m. Und schade das er gleich wieder weg war. Da waren wir voll angeschissen. Denn das wäre ein Foto geworden, als er hinter der Gleda abgetaucht ist und alles vollgekackt hat. Das ganze Meer war braun. Wir hatten echt Angst, das er uns mit der Schwanzflosse eine Dusche verpasst.

Land in Sicht: 28.8. um ca 1400. La Graciosa und Lanzarote erscheinen am Horizont. Wir haben für die gesamte Überfahrt 4 Tage und 5 Stunden für 620sm gebraucht. Das ist ganz ordentlich. Unter Segeln (die 10 std Motorzeit lass ich weg) hatten wir einen Schnitt von 6.5 Knoten. Da sind wir zufrieden, man muss ja auch bedenken das wir bremsend immer zwei Deepdiverköder mitgeschleppt haben (Witz… ich glaub das macht ned viel).

Erster Stopp auf den Kanaren ist die Ankerbucht Playa Francesa auf La Graciosa. Und es haut mich echt um wie schön das ist. Die Wüste, die Vulkane, ganz wenig Tourismus in dem kleinen Ort und ein guter Capuccino!!!. Vielleicht ein Auto die Stunde fährt hier rum. Eine ältere Deutsche die hier seit 30 Jahren lebt, jammert aber rum, das hier nix mehr ist wie früher und der Verkehr der Horror ist. Tja. Ich glaube das Vergleichen mit Früher muss man mal schön bleiben lassen. Ist halt jetzt so wie es ist und wir finden’s super.

Wir müssen nach drei Tagen weiter nach Lanzarote. Mit Dusel haben wir einen Marinaplatz für vier Tage reserviert. Ist hier nicht leicht, weil langsam füllt sich alles mit den ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) Booten die im Rudel vollorganisiert zusammen in die Karibik fahren. Genau mein Fall (not). Ja, also warum müssen wir in die Marina? Yo… vier Fenster haben Wasser reingelassen. Eins wird zugepäppt und für drei ist die Schonfrist abgelaufen, die kommen raus. Das geht halt am einfachsten wenn man gut von außen hinkann und nicht alles wackelt. Fenstercountdown minus drei. Ich denke das wird uns beschäftigen bis das letzte beerdigt ist.

Ich sag jetzt mal vorneweg. Die Marinas gehören alle zu einer Gruppe und haben eine Webseite und so und das kann echt jedem passieren. Wir haben uns schon total nett mit zwei Deutschen Seglern in ner Livemusickneipe in der Calero Marina/Areciffe verabredet, aber als wir da anlegen schaun die uns an und sagen… nenene… falsch hier, ihr habt in der Calero Marina/Puerto Calero reserviert. Mir san voll, bitte weiterfahren. Ich bekomme den Blick! Andrea: „Alter, man sollte schon wissen wo man hinfährt“. Und jetzt kommts! Sollte man nicht! Weil ich hab das super gemacht mit der Verwechslung. Doofheit kann Leben retten. Mindestens zwei Leute weilen noch unter uns, weil ich so geschlampt habe. Wie ich zurücksetzte am Kai fährt hinter uns ein kleines Motorboot (4m?) mit 4 Leuten an Bord vorbei. Ich pass schön auf, das ich sie vorbei lass und ned noch einen Mist baue. Dann geht’s langsam raus. Draußen hackts mit 20 Knoten Wind. Mit Fock und Vorsegel machen wir 7 Knoten. Nach so 1.5 Stunden zeigt Andrea aufs offene Meer raus: „Da ist ein Wal oder so…Guck mal, was ist das…“. Fernglas… und das ist kein Wal. Das ist das kleine Motorboot. Kieloben. Drei Mann klammern sich irgendwie fest, eine Frau treibt 10m entfernt und hat gerade noch den Kopf oben. Das Wasser hat hier 22 Grad, also gar nicht mal so warm. Wir wissen heute noch nicht wie das genau passiert ist. Zu schnell bei der Welle vielleicht. Mir ham das Ruder gleich rum und sind hingesegelt. Und jetzt muss ich mich fast rechtfertigen für das Foto weiter unten. Das kommt so Autobahnunfallsensationsgeil rüber. Aber um die vier bei 20 Knoten Wind aus dem Wasser zu fischen müssen erst die Motoren rein und die Segel runter. Ich halt die Gleda mit den Motoren im Wind und Andrea birgt die Segel und da mach ich halt mit meiner elektronischen Segellogbuchapp ganz korrekt einen Positionseintrag mit Foto. So war das mit dem Foto. Das ganze hat 2 Minuten gedauert und die Frau fängt an hektisch zu werden. Mit Baderampe runter sind wir erst mal rückwärts zu der Frau. Die war so fertig, als sie unsere Lashingleiste zu greifen bekommt hat sie sich nicht mehr bewegen wollen. Seit ungefähr 40 Minuten sind die da im Wasser gelegen. Mit Ach und Krach haben wir sie rumgewuchtet. Die anderen sind derweil auf uns zu geschwommen. Auch keine so gute Idee. Weil, die konnten alle nicht mehr und ich hab echt Schiss gehabt das mir beim Rückwärts manövrieren einer in die Schrauben kommt. Man liest das ja immer nur und auf den Messen verkaufen Sie so extra Tools um Schiffsbrüchige an Bord zu hieven, aber es ist wahr. Wenn einer mal keinen Saft mehr hat ist der wie ein nasser 100kg Sack. Zum Glück haben wir die Baderampe die ganz ins Wasser geht. Gerade so haben wir die alle raufgebracht und da lagen die dann und wir waren alle schwer erleichtert. Andrea hat sie mit Decken und Wasser und Zucker versorgt und dann sind wir ganz schnell nur mit der Fock und unter Motor in den Hafen. Die Positionsmeldung hat nicht geschadet. Die Küstenwache hat das Boot doch noch gefunden. Wir konnten von unserer Rettung dann in der Zeitung lesen…. Also echt, das war knapp. Ufff.

So… spannender wird’s nicht mehr. Also noch kurz. Wir haben 2 Tage Fenster entfernt. Bei der Arbeit brennt die Sonne runter und ich sauf Wasser wie nix, aber ich fühl mich trotzdem immer blöder (Siehe Bild, Hahaha). Wir haben Steak (Yeah) gegessen und sind dann weiter in den Süden von Lanzarote. Auch hier: Hammerlandschaft.

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Den Stürmen voraus, nächster Halt Atlantik

Ein paar Tage liegen die Gleda und ich in Formentera am Strand vor Anker. Ohne Andrea. Die ist in Dubai bei Anouk für 4 Tage, weil die beiden so Sehnsucht nacheinander hatten. Ein lustiger Plan, weil in Formentera hat es 35 Grad und in Dubai auch, aber in der Nacht. Tagsüber 46 Grad. Aber mei, wenn’s schee macht. Die Rückkehr ist dann dafür wie Skiurlaub.

Unser Ankerplatz ist übrigens aber haargenau an der Stelle an der eine Woche später ein fetter Sturm zig Yachten losgerissen und an Land gewürfelt hat. Ein trauriger Anblick. Da ham ma an saubern Dusel gehabt. Andererseits…Ich bin mir auch sicher, unser fetter 25kg Mantus M1 hätte im Sand prima gehalten. Trotzdem: Merken, merken merken… Bei der geringsten Chance auf auflandigen Sturm: Umankern… und zwar ganz, ganz, ganz weit weg von den anderen Schiffen mit Spielzeugankern und 10m Kette (siehe Sardinien, der Angriff) die nicht halten, auf dich zutreiben und dich freudig mitnehmen.

An einem anderen ehemaligen Ankerplatz von uns (Palermo) ist gestern die 55m SegelSuperLuxusYacht „Bayesian“ innerhalb von 60 Sekunden in einem Sturm mit Windhose gesunken. Zig Tote, darunter wie es aussieht auch der britische Tech Milliardär Mike Lynch. Wahnsinns Drama. Wieso kann so ein Schiff einfach sinken? Zum Glück haben wir keinen Kiel und sind unsinkbar. Einfach ein Subbaschiff die Gleda.

Es sieht also so aus, als fahren wir den Unwettern voraus, was ich eine super Planung vom Skipper finde. Pffff… Ich hab gedacht die Hurricane Saison in der Karibik ist gefährlich, aber im Mittelmeer passiert so was immer öfter. Das Wasser ist aber auch sauwarm. Hier in Spanien fast 29 Grad im Schnitt. Rekord.

Von Formentera segle ich die Gleda nach Ibiza direkt zum Flughafen. Andrea hat einen ziemlichen Horrortrip aus Dubai hinter sich. Flug hat 8 Stunden Verspätung. Anschluss nach Ibiza natürlich Futsch. Ankunft einen Tag später um Mitternacht. Da soll meine Süße nicht auch noch eine Fähre nehmen müssen.

Die Plaja des Codular ist auf Navily (Ankerplatzapp) schlecht bewertet. Steinstrand, Flugzeuge starten über dich weg, kein SchickiMicki. Klar: Hier gefällts uns super. Eine sauchillige Kneipe/Supermarkt an der Straße, nur Locals, keine Touristen. Wir lernen wieder einen ehemaligen Kämpfer kennen (Seti), diesmal Karate. Er musste den Sport beenden wegen einem Motoradunfall mit 300 Sachen. Narbe vom Sack bis zum Adamsapfel.

Am Ankerplatz nur ein paar wenige Schiffe. Unter anderem Daniel aus Argentinien den ich aus Formentera kenn. Alle Crews der Bucht(2 Argentinier, 2 Venezolaner, ein Italiener und der Piefke) treffen sich bei ihm zum Abendessen und ich werde um 23:00 mit einem 1A venezolanisches Abendessen versorgt (Maiskuchen mit Käse, Schinken und Guacamole) bis Andrea ankommt. Segler sind einfach nett.

Mir schaun jetzt das ma weiterkommen. Ende August sollte alles passen um das Mittelmeer zu verlassen. Also keine Orcas, Wind Richtung Kanarische Inseln. Aber Cartagena is a must. Da hat ja alles begonnen. Hier ist die Gleda ewig als Hausboot gelegen und hat auf uns gewartet. Als Beweis folgendes Foto von der Hafenmauer. Gleda war so lange da, das sie für immer verewigt wurde. Wir sind die beiden schrägen Masten. LOL.

Das coole ist, das sich alle sofort an uns erinnern. Begrüßung vom Marinero: „Schiff neue Farbe?“, „Neuer Hut?“, „Hast Du abgenommen, schaust a bissi dürr aus. Geht’s dir auch gut?“. Yo, abgenommen hab ich tatsächlich. Hab schon wieder ein neues Loch in den Gürtel gebohrt (4er Bohrer). Die gute Seeluft. Und Hüte verschleiß ich auch. Das Exemplar vom Foto ist schon wieder beerdigt. Und eh klar: Mitten in der Nacht. Andrea geht biesln und sieht einen Schatten unter der Klappe. „Huch ein Fischi. Mögt ihr Käse?“ und zack 15min später fünf, ein Kilo schwere, Prachtdoraden an Bord. So geht das eigentlich in jedem Hafen mit meiner besessenen Frau. Vielleicht sind Häfen geschützte Rückzugsorte für Fische. Angeln streng verboten? Hmmm, wir fragen nicht nach. Und sorry, das ich auf der Capuccino Sache rumreite, aber Cartagena bleibt das Highlight in Spanien. Einen der besten Caffe der Welt gibt es im Caffe Lab. Ansonsten ist Spanien Caffetechnisch ein Saustall. I am not amused. Also Spanien muss sich echt mehr Mühe geben. Es bleibt hinter Italien und Griechenland weit zurück. Mecker, mecker. Fällt jetzt natürlich unter rein subjektiven „Meinungsartikel“. Aber I mog des Essen ned so, den Caffe mog I ned, I mogs ned das die Spanier beim Reden schreien und zwar alle gleichzeitig. Man merkt schon: da wern ma ned alt. Warum? Frei nach Fredl Fesl: Weil I ned mog. Und es liegt nicht daran, das ich mir keine Mühe geb. Ich kann sogar Ballermann.


Kurzer Stopp noch in Almeria und Aquadulce. Auch hier keine Touristen. Der Strand gehört den Einheimischen. Ab 18:00 trifft sich da alles zum Grillen, Kartenspielen, Volleyball. Wie im Englischen Garten.

Dann die zweitägige Fahrt nach Gibraltar. Hammer. Wir haben noch nie so viele Delfine gesehen. Jetzt klar: So viele Delfine haben wir noch nicht gesehen in unserem Leben, aber wir wurden fast ständig begleitet. In der Nacht hörst Du die Ausblasgeräusche und wenn man dann zum Bug geht sieht man die Delfine fluoriszierende Streifen im Mondlicht ziehen. Wie animiert. Hammer.

Wir laufen nicht direkt Gibraltar an (Ist ja britisch und wir müssten Einklarieren), sondern die Marina in La Linea an der Grenze. Kost fast nix und wir können die Vorräte für die nächsten langen Schläge vollmachen. Ausserdem kann sich Andrea auskurieren. Eine fiese Gehörgangentzündung setzt sie komplett ausser Gefecht. Das Krankenhaus in Gibraltar hat uns am Wochenende leider nicht geholfen (falsches Antibiotikum). Ich hab sie dann ins Mietauto gepackt und nach Malaga zu einer deutschen HNO-Ärztin gefahren. Die war super und jetzt wirds schon lamgsam besser (Lifehack: NIE mit Wattestäbchen ins Ohr! NIE!). Samstag soll es weitergehen wenn Wind und Strömung zusammenarbeiten. Vielleicht machen wir ja noch einen Touristenausflug zu den Affen oben. Aber berichten tu ich das nicht. Ist langweilig. An vielen Orten schaut es eh aus wie in einer typischen Ruhrgebietsstadt, nur wärmer und nicht wie in den Prospekten. Als Beweis hier ein paar Fotos von Gibraltar -wie man es nicht kennt- auf dem Weg zum Krankenhaus und drunter ein paar Fotos von La Linea. Fast wie im richtigen Leben. Ich glaub ich zeig eh gerne die nicht so poshen Gegenden. Den Rest kennt eh jeder…

Gibraltar

La Linea

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Scheiss drauf! Malle ist nur einmal im Jahr…

…. oder wenigstens einmal im Leben. Also, scheiss drauf: wenn wir schon auf den Balearen sind, dann muss man sich halt am Riemen reißen und einmal zum Ballermann. Ist für mich ein schwieriger Gang. Bin da so was wie eine Spaßbremse. Trinke nicht, rauche nicht, nehm auch sonst keine Drogen und bei der Musikauswahl bin ich auch eher intolerant was Hüttengaudi anbelangt. Andrea ist da deutlich flexibler (Beweisvideo weiter unten). Aber was soll ich sagen, die große Überraschung: der Ballermann war das absolute Highlight der Balearen. Das mal vorweg.

Als endlich der Wind da war (man kennt das ja schon… kein Wind, oder zu viel aus der falschen Richtung) haben wir uns Pizza und Cappuccino-technisch von Italien nach Spanien downgegraded. Gerade was den Caffè anbelangt war es wohl doof Italien an den Anfang der Reise zu stellen. Die Latte (hahaha Wortwitz) liegt jetzt für alle anderen Länder zu hoch. Man kann schon Glück haben, aber oft ist das nicht. Und die erste Pizza in Spanien hat mich auch sofort auf Tappas umschwenken lassen. Bin ja total weltoffen.

Man sieht schön an der Karte, wie wir unsere Route bei der Überführung nach Italien vor vier (oder fünf) Jahren kreuzen. Bald sind wir in Cartagena, wo alles angefangen hat und dann befahren wir neue Gewässer. Kurs immer so das die Sonne hinter uns auf- und vor uns untergeht.

Also, was kann man über Menorca sagen? Ruhig, sehr viele Franzosen (das ändert sich aber sowas von schlagartig auf Mallorca). An der Südküste geile Buchten. Die Cala Coves ist der Hammer. Vor 2000 Jahren hats den Leuten da anscheinend auch schon gefallen und sie haben Wohnhöhlen in die Felsen gedroschen, teils mit verzierten Türstöcken. Die meisten sind zugänglich. Andrea findet vor einem alten Haus das an die Höhlen gebaut ist einen armen alten Stuhl, den keiner mehr lieb hat. Da hat er jetzt Glück gehabt, denn er wird von ihr sensationell renoviert. Sehr aufwendig mit Dyneemanetz und einer wirklich stylischen Schnürung. Er soll auf der Gleda bleiben, für Stuhlyoga oder so was. Ich bin ganz tapfer und sag erst mal nix dazu. Nach ein paar blauen Flecken an den Beinen meiner Frau („überall steht dieser Stuhl im Weg“) darf er dann aber doch in seiner Heimat bleiben. Irgendwer wird Augen machen…

Wir bleiben dann auch fünf Tage, woanders könnte es ja eventuell schlechter sein. Jeden Tag gehen wir eine Stunde über den Eselsweg (Fernwanderweg rund um die Insel, wunderschön) in den nächsten Ort, Cala en Porter zum Einkaufen und zum Gebeine bewegen. Cala en Porter ist gespenstisch. Lauter Ferienhäuser hinter riesigen Mauern. Auf den rechtwinklig angeordneten Straßen fast kein Mensch, alle liegen am Strand und braten. Und dann, ohne scheiß, haben wir drei Tage lang die exakt selben (und einzigen) Begegnungen auf der Straße. Immer an der gleichen Stelle. Wie bei täglich grüßt das Murmeltier. Ein Lieferwagen der uns grüßt, dann zwei Ecken weiter kommt von links der rot-metallic Mazda um die Ecke und dann…. der Hammer steht immer am selben Parkplatz ein Stuttgarter BMW mit einer Frau drinnen die laut telefoniert. Drei Tage lang, Kein Witz.

Sonst ist auf Menorca nicht so viel passiert. In Porto Colom sind die Einheimischen entspannt bei der Siesta und in Ciutadella wird alles sehr fröhlich sauber gehalten. Guckst Du:

Dann gibt Mallorca einen spitzen Einstand. Als sich unser Anker das erste Mal im Norden der Insel in den mallorquinischen Sand gräbt, werden gleich alle Register gezogen. Nur noch Deutsche wie aus RTLII. Am Strand stehen zwei Holzhütten und ich denk mir: Supi da gibts wenigstens nen Capuccino. Falsch. Einen Jägermeister gibts da. Beide Hütten haben ein Geweih auf dem Dach. Das ich das nicht gesehen hab, beziehungsweise gehört. Weil: schon von weitem ist deutsche After-Ski Musik zu hören („Mamaaa Lauda“, das kenn ich sogar weil ich es mal mit der Anouk im Auto hören musste. Vater des Jahres). Wie die Musik da so wumpert und alle gut drauf sind, werde ich fast hineingesogen und bestell nen Meter Jägermeister zum Lunch. Haha Scherz….Also probier ich es im Restaurant. Beim Betreten schwant mir nichts gutes. Da sitzen an einer Bierbank vier Väter gegenüber von vier Töchtern. Alle Väter haben eine Maß Bier vor sich und alle Töchter einen Berg Pommes und alle starren apathisch in ihr Handy. Der Barman fragt mich auch gleich „Cerveza?“. Nee, Capuccino oder Caffe con leche oder so was will ich, por favor. Sagt er: Kaffe hat er nicht, trinkt hier keiner. Also mach ich mich desillusioniert auf den Weg zurück. Wie ich an den Strand komme stehen auf einmal alle auf und kommen mir entgegen. Hunderte rotgebrannte gleichzeitig. Eine indianische Karawane. Warum machen die das plötzlich? Die Uhr zeigt 17:45. Vielleicht eröffnet um 18:00 das AllYouCanEat Buffet in den Hotelbunkern hinter mir. Ich weiß es nicht.

Also wenn das hier so ist, denken wir, dann können wir auch gleich nach Palma fahren. Da gibt’s zumindest alles was man braucht. Supermärkte direkt am Strand, Tappas Bars, Motorradverleih, Sportsbars um olympischen Basketball zu gucken und auch das beste deutsche Gesundheitssystem. Andreas Rücken wird einfach ned besser und ich mach ihr jetzt doch noch mal nen Live Termin beim Arzt aus. Da sie nicht so gerne geht, locke ich sie mit einem BBL Teamarzt (BBL=Basketballbundesliga). Da haben die beiden was zu tratschen während er ihr eine Spritze zehn Zentimeter in den Rücken treibt, sie chiropraktisch verbiegt und ihr mehrere Übungen zeigt. Heute angerufen, morgen Termin (1.5 STunden) und seitdem deutlich weniger Schmerzen. Ich bin dankbar.

Ach ja, unser Ankerplatz ist s’Arenal Balneario Nr 1. Zum Ballermann (Nr. 6) ist es nicht weit und auf dem Weg kann man sich gleich so einkleiden, das man nicht als Tourist auffällt. Ich finde die T-Shirts passen alle zu mir. So langsam groove ich mich ein.

Und es ist wirklich wahr. Ist schon nice hier (für ein paar Tage). Die Stimmung ist super, alle sind entspannt und s’Arenal ist multikulti. Wir essen zufällig super afrikanisch. Intelektuell darf man halt nicht zu viel erwarten auf der Schinkenstraße, aber das hat Flair. Wir sind jetzt zwar nicht wirklich mittendrin sondern nur dabei, aber ich glaub man sieht wir geben uns Mühe und das alles ohne Alkoholdoping. Aber als der Mond an der Partymeile aufgeht sind wir schon wieder brav im Bett.

Ich versuch mal etwas das Geschehen hier plastisch zu machen… mit einem Beispiel. EIne Gruppe Österreicher (ca 10 Mann, alle schwarze T-Shirts mit weisser Schrift: „Ich bin bumsbar“) sind auf dem Weg zum Strand. Österreicher Eins gibt Kommando: „Jetz werd gebadet“. Einer ist wohl wasserscheu und winselt auf wienerisch: „Naaaa, heast I wui weida saufn“. Eine etwa gleich große Gruppe sächischer Grazien (alle rosa T-Shirts bedruckt mit dem Lebensmotto „Nimm mich: Jetzt oder nie“) kreuzt zeitgleich in 90 Grad. Das Wort „saufn“ ist anscheinend dialektübergreifend und wird sofort von einer Dame aufgenommen „Saufn, saufn, saufn“. Das bringt ihr von einer Kollegin einen Rüffel: „Bisch de bescheuert? Die sin doch voll hässlich.“ Darauf die Erste: „Fier meine Ansprüche reicht’s.“

Da sieht man mal wie einfach das Leben sein kann, wenn man sich nicht immer so nen Kopp macht.

Noch ein Highlight auf Mallorca war das Treffen mit Yvonne und Armin von der Moana. Vor zwei Jahren haben wir ihnen die Leinen in der Marina Stella für ihre Weltumsegelung zugeworfen. Dann kamen leider familiäre und gesundheitliche Probleme und die beiden sind gerade beim umplanen. Aber sonst hätten wir uns auch nicht wiedergesehen. Schön wars.

Ausserdem besuchen uns Tina und Anna aus Kloburg, die gerade in Mallorca Urlaub machen. Also ab und zu geht dann doch was zusammen. Andrea und Anna fischen beide leidenschaftlich und ziehen so einiges durch die Klappe. Ich glaub eh das die Klappe ein Fischmagnet ist. Armin hat auch gar nicht fassen können was Andrea vor Anker so fängt.

Damit hab ich mir selber das Stichwort für den Fang der Saison gegeben. Tätarätä-Fanfare. Endlich, endlich, endlich hat auf dem Weg von Mallorca nach Menorca ein Fisch sich der Schleppangel derbarmt. Und was für einer. Ein wunderbarer Thunfisch. Andrea ist zurecht stolz wie Oskar. Wir ernähren uns von nix anderem. Roh, gebraten und was weiß ich. Sensationell.

Zum Schluß noch ein paar Bilder von unserem Zuhause (gerade auf Formentera). Die meiste Zeit halten wir uns im Steuerstand auf, der Umbau hat sich wirklich gelohnt und das Mesh-Sonnensegel ist ein Geschenk des Himmels. Vor Anker geht immer etwas WInd und im Schatten kann man auch 35 Grad mit 80% Luftfeuchte aushalten. Und der Ausblick passt auch.

Ach ja und ganz zum Schluß: Es ist unfaßbar. Was ist los mit der Jugend. An jedem Strand die selben Szenen. Es werden ununterbrochen Fotos für Social Media in irgendwelchen vollkommen albernen, hirnverbrannten Posen gemacht. Wer will den Scheiß sehen? Anouk hat mir zum Beweis das das mindestens 163 Leute sehen wollen (oder liken, aber ob liken auch gefallen bedeutet weiß man nicht) genau so ein Foto von einem ihrer Instagramtypen geschickt Wahrscheinich werde ich einfach alt.

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