Es war jetzt nicht gerade ein Spaziergang, eher ein Marathon. Aber wurscht, die Motoren laufen wieder. Hauptsache, quasi. Die beiden Invaliden mussten ja erst mal vom Schiff in ein Beiboot, dann an Land, dann im Pickup nach Papeete und dann hab ich versucht dem Chefmechaniker das Problem zu erklären, also Service machen, Gänge lassen sich nur noch mit Gewalt (unmenschlicher Gewalt wie man noch sehen wird) einlegen, bei einem Motor ist Neutral nicht mehr an der richtigen Stelle…und bin zu 50% wohl gescheitert. Ist auch schwierig. Ich red kaum Französisch und die reden auch kaum Französisch, eher so was wie Franzsächisch, also auf jeden Fall einen für mich nicht zu knackenden Dialekt. Auf meine Frage wann sie mit der Arbeit beginnen hab ich in etwa verstanden: „Sischa, sischa, gleisch, oda soo“. Hmmm. Wir haben die Motoren dann alle fünf Tage besucht und immer hieß es: „Logo fange isch eh an“. Ja mei. Also ich hab das jetzt frei übersetzt. Natürlich klingt das ganz anders, der Polynesisch-Französisch Mix. Nach vier langen Wochen bekomme ich dann folgende Whatsapp: „Wir haben mehr Probleme“. Oje, das macht keine Freude. Ich ruf gleich an: „Was für Probleme??“. Darauf er: „Wasch, fur Probleme??“. Ich: „Du hast doch geschrieben wir haben mehr Probleme“. Er: „Oh…habe isch gemeint mir ham keine Probleme mehr“. Ufff. Ist ja fast dasselbe und ganz Unrecht hatte er nicht, aber das konnte er ja nicht ahnen. Also erst mal die ganze Transportlogistik zurück. Dann der Kontrollblick. Gänge lassen sich wieder von Hand einlegen, super. Ach ja, Rost in den Gelenken der Schaltgetriebe war das Problem. Service scheint gemacht. Super. Aus der Getriebeölschraube des einen Motors läuft Getriebeöl. Scheiße. Die Schraube wurde einfach nicht angezogen. Ich prüfe ob genug Öl drinnen ist ..und super bei der Kontrollschraube läuft Öl raus, also voll… und Scheiße es ist voll weil Wasser drinnen ist, ganz milchig das Öl… und das ist ja auch super weil es kann nur heißen, dass die Spezialisten den Motor mit der lockeren Schraube in der Wassertonne zumindest getestet haben. Ich wechsle das Öl also nochmal und bau den Motor ein und siehe da. Er läuft, er schaltet, ich strahle.


Da bau ich doch gleich den Zweiten ein… und das Strahlen gefriert mir im Gesicht. Das Kupplungsschaltseil lässt sich nicht einbauen. Neutral ist immer noch verschoben. Ja Sacklzement. Ich flipp fast aus. Wie jetzt? Der ganze Transportwahnsinn noch mal?? Andrea meint, ich soll erst mal durchatmen. Jahaha durchatmen, super Tipp! Da ist sicher gleich Neutral wieder richtig. Aber meine Frau hat natürlich wie immer Recht. Während ich auf den Motor starre, atme ich brav mal tief ein und sehe Folgendes:

Und da fällt der Groschen. Die Anouk hat es schon immer gewusst. Mit drei oder so ist sie mal an meinem Arm gehangen und hat dann gemeint: „Papa! Du bist ja so irre stark.“ Und Recht hat sie. Mit unbändiger Gewalt habe ich den letzten Schaltvorgang gegen den Rost durchgedrückt und dabei die Verbindungsstange verbogen. Na Bumm. Ich bau das Ding aus, biege es gerade und „Aloha Juchhe“… Neutral stimmt, die Schaltseile passen, Motor läuft. Ente gut, alles gut.
Also im Endeffekt schon quasi eine Mischung aus „Wir haben mehr Probleme“ und „Wir haben keine Probleme mehr“. Sehr vorausschauend der Mechaniker. Anouk…guck mal. Bin immer noch irre stark:

Jetzt haben wir natürlich nicht nur doof rumgesessen und gewartet, bis die Motoren wieder da sind. Nein, nein. Wir haben ein Auto gemietet und allerhand erlebt. Das Auto konnte man prima beim lokalen Bouleplatz parken. Da ist immer Haligali. Es wird Boule gespielt, getrunken und auch mal unser Auto des Nachts zusammengefahren. Die halbe Seite hat uns einer zerdellt. Warum erzähl ich das? Ach ja…weil klar, wir mussten zur Polizei für das Protokoll für die Versicherung. Alle ganz super nett, aber wir mussten ne Stunde warten und da haben wir das perfekte tahitianische Ehepaar gesehen. Die saßen auch im Wartebereich und eine Stunde haben wir fassungslos folgende Unterhaltung verfolgt: Sie: „Rababer, rababer, rababer…“, ca. 2 Min. Dann Er: „Hmmm“. Sie hat eigentlich eine Stunde dauergeredet und er hat alle 120 Sekunden „Hmm“ gesagt. Fast perfekt, der Mann. Muschelrauschen vom Feinsten, er war gedanklich sicher schon bei den Kumpels auf der Boulebahn. Ich habe mal gehört, man kann es noch optimieren, indem man immer das letzte Verb der Frau wiederholt. Also Sie: „Rababer, rababer…eingekauft“. Er: „Hmm, eingekauft..“. Wenn Ihre Stimme sehr emotional wirkt, kann man noch „Wahnsinn!“ hintendranhängen.
Und das mit dem Boule ist eh eine super Sach die die Franzosen bis in die Südsee transportiert haben. Wir haben uns ganz fix Kugeln gekauft und jeden Tag a bissi gespielt. Und damit gehörst Du dazu, weil Boule verbindet. Wir sind sozusagen adoptiert worden und Andrea hat eine Hundefamilie adoptiert. Eine große glückliche Familie.




Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer… Wenn du dir Tahiti vorstellen willst, musst du einfach an Lummerland denken. Eisenbahnverkehr gibt’s nicht, aber eine Straße einmal rum um die beiden Berge. Tahiti wird von den meisten Seglern gemieden, weil es ned so schee und voll und teuer etc. etc. ist, aber wenn man die Straße Richtung Inselmitte zu Fuß verlässt, dann ist das beeindruckend. Von Dschungel bis zur bayrischen Alm ist alles dabei. Guckst Du…hier mal eine Bilderstrecke von Land und Leuten. So ist Tahiti…










Nicht zu vergessen. Endlich gibt es wieder guten Kaffee. Und! und! wir haben den, glaub ich, einzigen Kakaobaum der Insel auf einer Wanderung gefunden. Er steht auf einem Grundstück, auf dem ein alter Mann seine Gartenabfälle verbrennt. Andrea will es noch mal wissen. Zwei Versuche sind gescheitert. Entweder beim Fermentieren, oder beim Trocknen, aber sicher nicht am Willen. Wir fragen das alte Männelein ob wir ein paar Schoten haben können. Da holt er eine 3-m-Pflückstange und meint: „Nehmt so viel, wie ihr tragen könnt.“ Meine Frau ist im Rausch. Ich pflücke, sie packt ein. Und diesmal klappt alles. Fermentieren , Trocknen, Rösten. Weil hier gerade Winter ist mit abartigen Nachttemperaturen von 19 Grad, müssen sich meine Füße unsere Wärmflasche mit den Bohnen teilen, damit die Fermentation klappt. Der Lohn für blaue Zehen: Zwei Dosen Kakaonipps fürs Müsli. Ganz selber gemacht. Sensationell.



Nach sechs Wochen verlassen wir die Phaeton Bay. Wird auch Zeit. So a bissi Lagerkoller hatten wir kurz mal. Bei der Ausfahrt kommt uns die Pahi 42 Whitehorse entgegen und wird sich genau an unseren alten Ankerplatz kuscheln. Damn, knapp verpasst, aaaber dafür treffen wir noch mal die Largyalo in Moorea. Was für ein Riesenschiff. Auf dem zweiten Bild sieht man es ganz gut. 4 Klos!!


Da machen wir dann auch unser Unterwasserschiff sauber für die nächste Ozeanquerung. Alter! Unfassbar, wie viele Barnacles wir haben. Der gesamte Rumpf ist dicht und die Kette! Und jetza lustig: An der Stelle mit dem neuen (das rote) Antifouling von Hempel, das wir nach dem Schwertfisch draufgemacht haben is? NIX! Das Coppercoat war doch eine Schnapsidee. Teuer, aufwendig und hält nichts ab. Ich denk mal, beim nächsten kranen schleifen wir das an und machen normales Antifouling drauf. Das ist ja sinnlos. Ehrlich.



Und wer sich jetzt denkt. Hä? wollten die nicht von Tahiti heimfliegen? Ich glaub unsere Pläne haben sich dreimal geändert. Dieses Jahr wird El Niño und da kann es gut passieren, dass uns der Wind im Oktober um Papua rum komplett einschläft. Also haben wir beschlossen direkt über Fiji, Torres-Straße nach Raja Ampat zu segeln. Ein Klax. 1800 nm nach Fiji. Drei Wochen Pause. Noch mal so eine kleine Atlantiküberquerung bis zur Torresstraße und dann nur noch 1000 nm rauf und scho san ma da in Indonesia. Und dann geht’s heim. Pünktlich zum 80er von der Hedi. Zeit wird’s!
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