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Schlagwort: Motor

a Atoll und no a Atoll. a toll

Für das mundartliche Wortspiel hätte mir meine alte Deutschlehrerin -Frau Gollner- bestimmt wieder eine fünf gegeben, wie immer. Ja mei. So noch vorne Weg: Unser Schwertfischangriff hat es in die „Yacht“ gebracht. Da gib’ts so eine Kolumne über Orcaangriffe und da san mir Schwertfischler natürlich scho was Spezielles. Klickst Du für Download – is sischer 🙂

Tuamotus….Was soll ma sagen. Mir san enthusiasmiert. Vier Tage ruppige Überfahrt waren totally worth it (würde Ben sagen). 420 sm und 80 Stunden von Ua Pou nach Raroia unserem ersten Tuamotu Atoll. Wind, Welle voll auf die Backe. Alles nass, alles salzig, alles ständig unter Wasser, alles wackelt, alles menno. Manchmal sind wir schon so a fizzi neidig (ganz kurz nur, weil sonst ist die Gleda vielleicht beleidigt) auf die Riesen Schiffe mit hohem Freibord und fettem Wohnzimmer mit Stehhöhe, Ofen, Waschmaschine, Mikrowelle, Eiswürfelmaschine, Flatscreens, Badewanne, Billiardtisch (Scherz). Aber nur bei solchen Bedingungen. Wir können uns tatsächlich kaum vorstellen solche Bedingungen wochenlang zu haben. Da haben wir mal flott unsere Route umgeplant. Wenn es im September von Tahiti weiter geht, machen wir wahrscheinlich nochmal einen super langen Schlag (3000sm) direkt über den Äquator nach Nordwesten auf die Marshallinseln in Richtung Asien. Fidschis, Cooks, Vanuatu etc. fallen da aus. Neuseeland war nie im Plan, weil kalt und Wind kaum von hinten. Die Route passt gut, einfach weil da Strömung, Wind und Welle am angenehmsten sind (sein sollen). So eine Törnplanung ist gar nicht läppisch. Sturmsaison, vorherrschende Winde, Monsun, Strömungen, Kalmengürtel, Regenzeit, El Ninio Jahr?… alles muss irgendwie zusammenpassen. Mal sehen…Das nur mal nebenher. Vielleicht kommts ja ganz anders.

Dafür muss man uns jetzt schon auch mal loben, weil die Überfahrt und Ankunftszeit auf Raroia haben wir perfekt getimed. Man kann nämlich ned einfach am Atoll ankommen wie man gerade lustig ist. Nein, nein. Das ist eine Wissenschaft. Die Atolle haben nämlich einen oder mehrere Pässe als Durchfahrt und in denen herrscht fast immer eine sackrische Strömung von bis zu 8 Knoten. Meistens von innen nach außen, weil ständig Wasser reinschwappt in die Badewannen. Je mehr Wind und Welle desto mehr Wasser wird neigepumpt. Ebbe und Flut übernehmen den Rest. Es gibt Tools im Internet die versuchen den Zeitpunkt mit der geringsten Strömung zu berechnen. Da können wir nur sagen -Nice Try. Wir kommen zum errechneten Zeitpunkt an und sehen kochendes Wasser im Pass. Zefix. Eine Stunde sind wir geduldig und warten, aber dann überkommt es uns und wir machen den ersten Anlauf. Je näher wir der Mitte des Passes kommen desto mehr wird die Gleda von links nach rechts gezehrt. Beide Motoren laufen auf Volldampf. Eigentlich machen wir dann min 7 Knoten, aber die Log zeigt nur noch 0,8 Knoten an. Oje, oje… Mir denken noch „des wird knapp“ als auf einmal -schwupps- der Steuerbordmotor kein Gas mehr hat. Zack geht es sofort mit 4 Knoten rückwärts. Der gelbe Punkt markiert wo der Steuerbordmotor gesagt hat „ohne mich Leute. Ich mach jetzt mal Pause“.

Während wir ausgespuckt werden fällt auf: Der Motor läuft, aber nur im Standgas. Im ruhigen Wasser mach ich den Deckel auf und siehe da: Das Verbindungsgestänge vom Steuerkabel zur Einspritzanlage hat sich vertschüsst und liegt hoffentlich irgendwo tief im Motor und nicht im Meer. Mein Hilfsmechaniker Andrea (mittlerweise mit dem goldenen Hilfsmechanikerabzeichen versehen) rät mir ihre drei Lieblingsschnelllösungen: Heißklebepistole, Gaffatape, Draht. Ok. Da nehm ich den Draht. Das ganze geht auf Zug. Ich zwirbel ein Stück Draht rein wo das Gestänge war und! wir haben wieder Gas. Etwas unrund und rückwärts manchmal gar nicht, aber Gas. Das Wasser sieht mittlerweile ruhiger aus, also versuchen wir es gleich noch mal. Ich geb Gas und -das ist unfassbar!!!- der Backbordmotor sagt: „Oida, wenn der andere Pausen machen darf wann er will, dann mach ich das jetza auch“. Nur noch Standgas. Ich mach den Deckel auf und kann es nicht glauben. Das exakt gleiche Gestänge ist rausgefallen. Innerhalb von 30 Minuten der selbe Schaden bei beiden Motoren. Da muss ich Suzuki wirklich mal loben was die Präzision der Defekte anbelangt. Da hat ein japanischer Ingenieur sicher lange dran gearbeitet für die Vorgabe: „Die Gasgestänge müssen exakt nach 631 Motorstunden rausfallen“. Andrea reicht mir wortlos den Draht, ich zwirble, wir kneifen die Arschbacken zusammen und los geht’s. Die Strömung ist runter auf 3 Knoten und und und?? jaaa -wir sind durch. Big Uff (würde die Beppi sagen).

Zur Entspannung gibts a Ankerbier. Gekauft im einzigen Magazine des 100 Seelen Ortes. Inhaber ist Gerard der laut seiner Aussage -wegen der Leichtathletik- von Neu Guinea nach Raroia gezogen ist. Hmmm…vielleicht ist mein Französisch doch nicht so gut, oder er ist einfach ein Spaßvogel. Könnt ihr am Bild beurteilen.

Das Problem hier wie überall auf den Toamotus: Es gibt so gut wie nix, aber des kost a Vermögen. Es gibt sogar eine kleine Gärtnerei, aber leider, leider…alles aus. Ich darf mir 20 Kirschtomaten pflücken, die so weit oben sind das sonst kein kleiner Insulaner hinkommt und Andrea nimmt die letzten beiden Drachenfrüchte.

Ein ,wahrscheinlich, letztes Mal lassen wir uns auch breitschlagen das uns jemand bekocht für schlappe 30 USD pro Person. Das Menu ist eine echte Überraschung: Totgekochtes Huhn mit lapprigen Pommes ohne Gewürze, wer hatte das gedacht? Die Star Wars Tischdecke kann das nur teilweise wettmachen. Waaarum?? Man könnte hier so geil kochen. Leider ist das den Polynesiern vollkommen Banane. Auch sonst ist hier die Ernährung eher schlecht. Viele kleine dicke Kinder die in jeder Hand eine Literflasche Cola tragen. Das schmerzt.

So…Szenenwechsel. Wir motoren (ohne Gewerkschaftspausen) im Slalom durch Korallenköpfe auf die Ostseite des Atolls. Und so wie es hier ist ist es wohl überall – ein Traum. Die Unterwasserwalt ist einfach sensationell. Gaaanz viel bunte Fischlein. Ich würde fast sagen jedes bunte Fischlein was es gibt. Klares Wasser, blaue Korallen, lila Korallen, Muscheln mit phosphoreszierenden Lippen. Das kommt auf Video gar nicht rüber. Endlich können wir die Gleda auch von ihren tausenden Pickeln befreien. Wahnsinn was wir da in den Marquesas eingesammelt haben. Lustig: an dem Antifouling aus Galapagos and der Reperaturstelle is nix. Das mit dem Coppercoat war wohl doch eher keine so gute Idee. Teuer, aufwendig aber bringt wenig. Daweil hab ich es doch sooo perfekt gemacht.

Als Andrea fertig war kamen sofort unsere Freunde die Fischsauger und haben die Arbeit geprüft und als saugfähig empfunden. Eine echte Auszeichnung. Die weißen Punkte san Kalkrückstände von den Barnacles. Die Arbeit war gar nicht ohne, weil die Kratzerei ein paar Haie angelockt hat. Die kommen langsam von unten nach oben und immer näher bis man sagt: „OK, wenn die Motoren Pause machen dürfen dann mach ich das jetza auch“.

Ah ja: Mir ankern übrigens just an der Stelle and der Thor Heyerdahl mit der Kon Tiki nach seiner Reise zerschellt ist. Es gibt ein kleines Denkmal mit einer Plakete. Mir warn da; abgehakt. So schaut des von oben aus, die Kon Tiki Insel (Motu) ist genau in der Mitte vom ersten Bild.

Next stop: Makemo. Eine Nachtfahrt und scho samma da. Diesmal kommen wir gut durch den Pass. Kein Gezicke von den Motoren. Highlight! Es gibt eine ganz ordentliche Pizzeria! Zwei Tische bei den Mülltonnen, Bier holt man sich selber im Supermarkt, wir und vier weitere Segler sind glücklich. Noch ein Highlight! Es gibt einen bekannten Perlenschnitzer. Er schnitzt nicht nur Perlen sondern auch Walknochen, Muscheln etc. Subba Sach. Der Mann bekommt einen Großauftrag. Früher war Beco übrigens Tätowierer. Aber wegen der Berühmtheit standen dann jeden Tag blutjunge willige schwedische Seglerinnen vor der Tür und wollten was auf die nackten Schenkel, Brust und den Po gestochen haben, während seine Frau die 10 Kinder versorgt hat. Irgendwann hat diese dann beschlossen: „Beco, du schulst um auf Perlen und Knochen“. Hat der brave Mann gemacht.

Highlight drei! Wir mieten uns Fahrräder. Es gibt keinen Fahrradverleih, aber wir fragen einen jungen Mann ob er uns zwei Radl leiht und da sagt der: „Logo, morgen geht mein Business in Betrieb. Muss noch einen Reifen besorgen, aber klappt“. Unsere Räder haben keine Bremse, keine Gangschaltung, rostige Ketten, einen Achter hinten und vorne und wir sind total glücklich. Wenn man was lange nicht gemacht hat ist der Genuß besonders. Ja mir san mim Radl da!! Hier ein paar Impressionen von unserer Tour de Makemo.

So jetzt ham mas dann. Ganz schön viel passiert und gesehen seit dem letzten Mal. Momentan liegen wir ganz alleine vor Anker in Makemo Ost. Ein Glück denn die Tuamotus füllen sich langsam mit Seglern. Die Saison nimmt Fahrt auf. Es gibt hier einen Einsiedler der einen total schönen Garten aus Strandgut gebaut hat. Und da sieht man wir klein die Welt hier ist. Wir kennen ihn. Es ist der Bruder von der Frau die unsere Wäsche gewaschen hat (das ist auch was sooo tolles. Frische Wäsche). Hubert heißt der Mann. Total sympathisch wie wohl alle Huberts (ich kenne zwei). Er redet auf Dialektfranzösisch auf mich ein. Ich glaube ich erfahre den gesamten Tratsch von der Insel, aber sicher bin ich nicht. Man sieht wie ich konzentriert zu folgen versuche.

Zum Schluß noch ein Lob an meinen Hilfsmechaniker mit Goldabzeichen. Weil der Steuerbormotor gar nicht mehr schaltet, habe ich beschlossen die neuen Steuerzüge aus Panama jetzt auch hier einzubauen. Super. Beim Abbau der Abdeckung finde ich das abgefallene Gasgestänge und mach es (mit Draht fixiert) wieder fest. Die Züge habe ich auch bald, aber ich bekomme die Sch…ß seitliche Abdeckung innen nicht mehr drauf. Im Wasser wahnsinnig blöd, weil man kommt nicht hin, Dichtungen fallen immer wieder ab. Wenn eine Schraube passt, stimmt die nächste nicht. Ich fluche wie ein Rohrspatz. Irgendwann werd ich dann so schlau und bitte Andrea um Hilfe. Sie geht unters Schiff, ich dreh oben Schrauben locker und! ich fasse es nicht sie bekommt die Abdeckung mit einem Griff gerade. Mitarbeiter des Monats – Hilfsausdruck. Danke! Hier das Klischeebild. „Segeln heißt sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt zu reparieren“.

2 Kommentare

Auf die Plätze fertig…

Gleda lag also in Cartagena. Wir waren ja ein paar mal da um zu sehen ob Gleda nicht ohne uns vor sich hingammelt (nur ein bisschen). Und ich muss sagen, Cartagena ist wirklich schön. Die Altstadt toll und unvergesslich die Semana Santa mit den ganzen Kapuzenprozessionen. Sehr mystisch. Aber Gleda musste da weg. Aus dem Wasser raus, damit ich alles zerlegen kann. Damit ich meinem Fäulniskontrollzwang nachgehen kann.

Gleda fest verwurzelt in Ihrer Box im Yacht Port Cartagena

Unser Ziel war die Marina Stella bei Lignano. Von vielen (danke Werner) empfohlen, günstig und voll von Wharram Kumpeln die mehr, weniger oder gar nicht mehr geliebt werden. Vor allem, Schwups, in 5 Stunden von Wien aus erreichbar. Um dahinzukommen muss man halt fast das gesamte Mittelmeer durchqueren. Gleda war eigentlich so weit seetüchtig. Die Pinnenstange aus Esche hab ich durch ein Carbonrohr ersetzen müssen. Esche kann man beim gammeln, meist ausgehend von Bohrlöchern fast zusehen. Das restliche Eschenholz (Gaffeln, Pinnen) schien aber unter der Farbe OK zu sein.

Die Dramaqueens waren eindeutig die Motoren. Alter, solche Zicken. Wann sie ansprangen, oder besser einfach spontan ausgingen war nach Tagesform abhängig. Ich hab beide fast komplett zerlegt, gestreichelt, zugeredet. Die Vergaser ins Ultraschallbad eingeladen. Und dann liefen sie auch wieder. Dachte ich. Just in dem Moment wo es draufankommt, z.B beim Probetörn im Strömungskanal unter einer Hubbrücke -Aus. Selbst das sanfteste Gemüt möchte den Motor dann einfach ins nasse Grab schicken. Zum Glück hat uns der Wind sanft an eine Kaimauer direkt vor eine Bar gedrückt. Der Barman hat gleich ein Bierchen für die Nerven gezapft als er uns antreiben sah. Ich hab’s wieder und wieder versucht. Sogar einen Mechaniker bemüht. Nix zu machen. Das waren Tohatsu 9.8 Aussenborder, eigentlich gute Dinger, aber zu viele Jahre unbenutzt gewesen.

Im Mar Menor. Eine Kaimauer genau da wo man sie braucht…

Um als Segelanfänger (wir haben vielleicht in der Summe 3 Monate gechartert) durchs Mittelmeer zu fahren wären zuverlässige Motoren aber ned so schlecht. Das Mittelmeer ist nicht ohne. Entweder zu viel oder gar kein Wind und wenn zu viel dann von vorne sagt man (so schlimm wars dann nicht). Hilft also nix. Neue Quirls müssen her.

Von den Leistungswerten geht nix über die Yamaha 9.9 Schubmotoren. Ausgestattet mit einem Riesen 12 Zollpropeller und der passenden Übersetzung. Genau das richtige für Boote wie die Gleda. Das Problem: Haben nen Vergaser. Von Vergaserträumen bin ich schweißgebadet aufgewacht. Einspritzer von Suzuki haben einen guten Ruf. Wenn die Einspritzeinheit hin ist, kann ich es zwar nicht selber richten, aber meine Vespa ist in 13 Jahren niemals nicht angesprungen. Sogar bei -18 Grad und mit dem ganzen Ethanolzeugs im Benzin und die ist auch noch ne Italienerin und kein Japaner.

Timing war dann alles. Die Überführung nach Italien sollte so 6 Wochen dauern. Der erste Nachlockdownflug nach Cartagena war am 1. Juli. Andrea wollte am 15.Juli zum Ablegen nachkommen. Zwischendrin musste alles am Schiff geprüft, nachgezogen und wo nötig ausgewechselt werden. Ja und natürlich neue Motoren verbauen. Fast unglaublich, das da alles gepasst hat. Spedition hat pünktlich geliefert und auch noch die richtigen Teile (Fernbedienung, Seilzüge, Schubpropeller etc.). Noch unglaublicher, das ich es geschafft habe alles zu verbauen ohne Einzelteile im Hafenbecken zu versenken. Als beide dann auf die erste Millisekunde nach dem Drehen des Schlüssels angesprungen sind, war das ein bisschen wie Sex.

Links die Bitches, rechts Chuck Norris 1. 2 ist noch in der Kiste.

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