„Ja, warum rasts ihr denn so?“, hat uns tatsächlich letztens einer gefragt, der gerade am Anfang seiner Weltumsegelung ist. Ja zefix, rasen wir denn so? Uns kommt es jetzt gar nicht so vor. Stimmt schon, es gibt Segler, die es in 20 Jahren gerade mal bis in den Pazifik geschafft haben. Es gibt aber auch welche, die in zwei Jahren rum sind. Mir gehören da einfach nicht in die Kategorie „Ich sterbe auf meinem Boot“. Auch schön, aber wir haben andere Pläne. Für uns ist das eine Reise. Irgendwann wollen wir scho wieder im Mittelmeer sein, weil da san ma dahoam. Also nix für ungut – der Pazifik und die Südsee, die san auch super. Nette Menschen, paradiesische Inseln, mittelmäßiges Essen (wird aber mit jedem westlichen Längengrad besser), aber auch alles sehr ähnlich. Ich glaub fast mehrere Jahre hier wär für uns dann fast zu eintönig. Gerade haben wir einen netten Solosegler getroffen, dem seine („dessen“ für die Anouk) Frau nach vielen gemeinsamen Jahren unter anderem mit den folgenden Worten das Boot verlassen hat: „Was soll das alles noch? Kommt da auf der nächsten Insel noch blaueres Wasser? Noch ein schönerer Strand?“. Also so ist das bei uns jetzt auf keinen Fall, aber ich kann das auch a bissi nachvollziehen. Und Andrea freut sich auch irgendwann auf eine kleine Dorfgemeinschaft, wo man mit dem Gemüsehändler tratschen kann, sich kennt, an Hund und evt. an Esel hat. Außerdem: Die geliebte Schwiegermutter ist weit weg, die Kinder sind weit weg, alte Freunde sind weit weg. Also, wie gesagt… wir reisen, aber irgendwann ist die Reise um. Und jetza Obacht! Sie ist genau halb rum! Wir haben in ca. 2.5 Jahren die halbe Welt umsegelt. Na bumm. Auf dem Weg von Moorea nach Fiji haben wir den gegenüberliegenden Längengrad von Palazollo della Stella gequert. Das heißt, wir kommen der Pizza von Michelle jetzt wieder näher!

Und mir rasen wahrscheinlich auch, weil’s einfach so bläst. Was soll man da machen? Wir fahren eh meist schon mit zwei Reffs. Der Passat schiebt seit Moorea oft mit 30 bis 35 Knoten. Die Überfahrt war entsprechend spritzig und oft mal im gelben Entspannungsbereich. Andrea war tapfer und hat nur manchmal Angst gehabt, wir haben aber auch wirklich ständig die Route nach der aktuellen Windvorhersage feinstoptimiert. Anders hat es da z.B. die Windhorse von Joe und Rob erwischt. Eine Wharram Pahi 42 die wir in der Phaeton Bay abgeklatscht haben und die eine Woche später abgelegt hat. 300 nm von Tahiti hat eine Böe das Schiff entmastet. Das gesamte Rigg (Mast, Segel, Wanten, alles) ist im Ozean verschwunden. Oida! Irgendwie vorausschauend haben die beiden unfassbare 600 Liter Benzin an Bord gehabt und konnten nach Tahiti zurückmotoren, wo sie sich einen neuen Masten bauen wollen. So viel Sprit ham mir jetzt nicht. Dafür zwei Masten…. Hier ein paar Bilder von der Überfahrt (beim Reffen, beim WM gucken: Österreich-Algerien! 3:3) und von der Windhorse mit Mast. Wir drücken die Daumen dass das schöne Schiff bald wieder fährt.




Also man merkt, irgendwie haben es diese langen Segelstrecken scho in sich und da haben wir uns gesagt: in Fiji, da gehen wir zur Belohnung einfach mal voll dekadent pronto in die Marina. Mit warmen Duschen und allem Pipapo. Und zur Entspannung machen wir auch gleich eine lokale Kava-Zeremonie. Da sitzen alle zusammen und klatschen in die Hände und trinken einen Trank aus einer pulverisierten Wurzel, der wie Tapetenkleister schmeckt und den Mund ganz toll taub macht und als Belohnung für den Geschmack auch entspannt. Also, weil ich mir auf Anraten meiner Frau einen traditionellen Rock gekauft habe, hat man mich gleich zum Oberanpanscher erklärt. Ich durfte die Wurzel auspressen und die vollen Schälchen verteilen. Die vorsichtigen bestellen „Low Tide“. Die Trinkfesten „High Tide“, also randvoll quasi. Man muss klatschen und ich schöpfe. Dann wird -wichtig!- Ex ausgetrunken und wieder dreimal geklatscht. Und weil das Ziel ja Entspannung ist, klatscht meine Frau recht fleissig: „High Tide bitte“. Aber irgendwie ballert das Zeug nicht. Andrea trinkt zielbewusst weiter. Nach dem zweiten Liter ist der Mund ganz betäubt: „High Tife, biffe“. Ich schöpfe, sie ext, aber nix. Nach drei Litern gibt sie das lokale Drogenexperiment auf. Kein Liter zu früh. Denn wie sich die nächsten Tage rausstellt: Es entspannt schon, aber anscheinend nur die Verdauung, die bei Ihr gleich komplett eingeschlafen ist. Kein Scheiß, sozusagen.




Wir lernen interessante Dinge. Walzähne sind z.B. mit das Wertvollste, was man hier besitzt. Weil, wenn ein Mann heiratet, muss er einen für den Antrag haben. Sollte ich es richtig verstanden haben, kommt das so: Falls Du was angestellt hast, und zwar egal was, dann kannst Du dich entschuldigen und den Walzahn als Wiedergutmachung überreichen. Und jetzt kommt es: Der Andere MUSS wegen dem Walzahn die Entschuldigung annehmen und sofort wieder gut sein. Ich finde das ehetechnisch sensationell ausgeklügelt, bis auf die Walzahnmenge. Mit einem ist es schon oarg knapp.
Sonst nehmen wir hier auch alles mit. Wir kochen in heißen Quellen direkt im Dorf. Jeder darf hier kochen. Manche machen sogar Pudding. Wir machen lokale Wurst mit bayrischem Senf.

Was noch…wir schmeißen uns in den wunderheilenden warmen Schlammpool. Ich patsch ganz viel auf mein lichtes Haupthaar und bild mir ein, es hilft.



Hier ist ja Winter. Ab und zu frieren wir sogar bei 23 Grad im Wind. Toll! Und zum Wandern auch super. Wir wandern vorbei an der einzigen Schokoladenfabrik Fijis und dann weiter mit 2kg Einkäufen im Gepäck. Und da kommen jetzt noch viele Fotos. Auch von den Schubkarrenlieferanten der Fiji Supermärkte, von Kindern auf der Straße in Savu Savu, von einer glücklichen Andrea mit der superseltenen 7 Dollar Note, die vor Jahren extra zum Erfolg des Fiji 7ener Rugbyteams gedruckt wurde, von mir beim begeisterten Betrachten eines Frauen!rugbyspiels, von der Riesenmuschel die Andrea geschenkt bekommen hat weil ich aus Mitleid für eine alte Gitarre mit geknoteten! Saiten, mein letztes Set Saiten geholt habe und die Gitarre von Marai neu bespannt habe (wir sind jetzt im regen Austausch mit den Behörden und versuchen die Muschel für den Zoll zu legalisieren) und auch weil Andrea die erste Kundin ihres gerade neu eröffneten Massagesalons war, von Kindern im Kindergarten auf den Yasawainseln die wir gerade hinuntersegeln und in jedem Dorf rocktragend und ohne Hut unser Kava beim Häuptling abgeben um korrekt im Dorf einzuklarieren. Da wird dann wieder geklatscht und gemurmelt, aber euer Kava – haben wir beschlossen – könnts dann später selber saufen. So alles komprimiert in einem langen Satz. Wir sind noch ein paar Tage in Fiji, aber was jetzt noch in Fiji passiert, bleibt in Fiji. Der nächste Blog kommt nachdem es die 2300 nm, oder 4300 km nach Australien geht und dann gleich weiter 1000nm rauf nach Raja Ampat. Dann ab in den Flieger und ab zu Hedis 80er. Juhuu.





































































































































































































