das muß man jetza schon wirklich sagen. So ein Schwein aber auch. Nämlich das das hier kein saulangweiliger Blog geworden ist. Ich sitz noch so da und denk: „Ja was soll ich denn da schreiben?“. Nach dem Kampf nach Süden über den Äquator hart am Wind und einmal kreuzen stellt sich ausgesprochenes Genußsegeln ein. Null Welle, 15kn Wind Raumschots, 26 Grad. Herrlich. Aber halt auch herrlich unaufgeregt. Ich könnte über die ganzen Vögel schreiben die uns begleiten, denk ich noch. Tölpel (Emma und Elise) sitzen tagelang am Bug. Willi, ein kleiner Schwarzer ruht sich auch zwei Tage bei uns aus. Wir denken er ist krank, aber die Gabi, unser Hadersfelder Dr Doolittle, sagt das ist ein Gleiter…schmeißt ihn in die Luft… was wir machen und weg ist er.

Es ist der elfte Tag der Fahrt auf die Marquesas, der 8.Januar. 1100 Seemeilen haben wir mit dem Umweg gebraucht aber jetzt sehen wir an Steuerbord die südlichste Galapagosinsel, Isla Espanola am Horizont. Die Sonne geht gerade unter. Andrea schläft und ich überleg mir gerade noch mal was zum Essen zu machen, da tuts an fetten Schepperer Backbord. Scho ordentlich, also schau ich gleich nach hinten. Normalerweise schwimmt dann da ein überfahrener Baumstamm. Aber gar nix, null. Check am Bug: Alles Roger. Vorsichtshalber Check in der vorderen Kabine: Auch paletti. Aber irgendwie stimmt die Wasserlage nimmer ganz. Und das werde ich nie vergessen, als ich die Luke von der Kombüse aufmache. Alles schwimmt, das Wasser steht 1.50m hoch. Da denkst Du: „Ja des gibts doch ned, weil des kann ja gar nicht sein, wie soll ich denn in der Sauerei Kaffee kochen?“ Ich mach den Deckel wieder zu und hoffe das alles gut ist wenn ich nochmal reinschau. Aber nix. Mittlerweile liegen wir Backbord auch ordentlich tief im Wasser. Ich glaub ich kann Andrea nicht ausschlafen lassen, das ist jetza schon ein „Alle Mann“ Event. Sie wird zärtlich geweckt: „Reise, reise wir ham a ernstes Problem“. Und da muss ich Sie jetzt gleich mal fett loben, weil: Ganz cool die Frau. Wir prüfen alle anderen Backbordkammern und -super- die Schotts sind dicht. Der Wasserstand ist stabil, aber wir liegen wirklich links sehr tief. So tief das wir den Aussenborder auf der Seite gerade noch so einsetzen können.

Mit beiden Aussenbordern gehts volle Pulle Richtung Espanola und weil es Nacht wird und weil mir ned wirklich viel Benzin haben und weil mir beide scho a bissi geschockt sind, da wir das noch nicht so oft geübt haben mit dem Loch im Boot, da setzen wir natürlich ein „Pan Pan“ über Funk ab. Keine Antwort. Ok dann halt ein digitales Mayday, aber auch nix. Da ist halt keine Sau nah genug. Andrea kontaktiert über Starlink unsere Truckerfreunde Cindy und Danny in Panama. Die haben nen Agenten in Galapagos. 5 Minuten später hat uns der Agent mit allen vernetzt. Die Coastguard weiß Bescheid. Aber sie wollen das wir die Epirb aktivieren („for proper pocedures“). Das find ich nicht so toll, weil meine geliebte Schwiegermutter ist da als Kontaktperson angegeben und das MRCC Bremen ruft sie dann auch glatt mitten in der Nacht an. „Guten Abend, Ihre Tochter sinkt“…nein, lol, das haben sie nicht gesagt, aber logo… Entspannt schlafen konnte die Hedi dann nicht mehr.

An der Westküste von Espanola schmeißen wir im stockfinstern den Anker, schnaufen kurz durch und warten. Und hier geht es los, die unfassbare Freundlichkeit und Effizienz der Leute auf Galapagos. Noch NIE haben wir so entspannte, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Eine 6 Mann Einheit wird mit Benzin für uns, Feuerwehrpumpe, Schläuchen, Material zum Loch verkeilen, Muckis und guter Laune an Bord gebracht. Eine subba Truppe. Drei Stunden wird gezimmert und verkeilt. Einer singt immer laut. Sensationell. Mit dem neuen Spirit, Sprit und ratternder Pumpe gehts 6 Stunden bis San Cristobal. Unsere Helden schlafen auf und unter Deck und wir steuern unser lädiertes Mädchen in den Sonnenaufgang.




Und auch da geht’s Schlag auf Schlag weiter. Eine Agentin kommt an Bord und gegen eine kleine Gebühr (7x Geld am Automaten ziehen) macht sie sich auf und zahlt Ämter und organisiert alles. Während wir warten lernen wir Vikos und Omar kennen. Vikos meint wir können das Boot beachen. Das Gesetz das das verbietet ist eher eine Leitlinie. Unsere Agentin soll das klarmachen. Und…sie macht das klar. Was für eine Erleichterung. 1.5m Tidenhub hat’s hier. Und nur so kann ich ordentlich arbeiten. Pünktlich wie die Maurer kommen um 1400 Uhr 12 Leute an Bord. Die Agentin hat alle in kürzester Zeit zusammengebracht. Was haben wir alles? Navy, Polizei, Küstenwache, Gesundheitsamt, Arzt, Biosecurity, Taucher für den Rumpf, Immigration und Customs. Großes Hallo, wir sind das erste Boot 2026. Wir füllen Formulare aus während unsere Blutdruck gemessen wird. Aufgepasst!, Ich habe das erste Mal gewonnen. Andrea hat immer 110/80. Heute 150/100 und ich „nur“ 144/96. Ja da pumpt das Adrenalin. Die Damen vom Gesundheitsamt wollen noch unseren Erste Hilfe Kasten sehen. Und ganz vorausschauend geb ich ihnen den Pflasterkasten mit der Bepanthen. Jedes Pflaster wird begutachtet und in eine Liste eingetragen. Die Bepanthen ist abgelaufen Tststs. O mei, wenn die wüssten was mir alles dabei haben. Jedes erdenkliche Antibiotika, Ketamin, Opiate für den Notfall. Nix was es nicht gibt. Des wär a Gaudi geworden. 30min später löst sich die Party auf, wir haben Stempel im Pass und dürfen 20 Tage für die Reparatur bleiben.



Um 1700 Uhr setzen wir eine Stunde vor Hochwasser die Gleda vorsichtig inmitten einer Seelöwenkolonie in den Sand. Mit drei Ankern und zwei Leinen gesichert können wir uns das erste Mal zurücklehnen. Unfassbar!… keine 24 Stunden seit dem Loch.







Wir können jetzt auch das erste Mal den Schaden begutachten. Und das ist seltsam. Ein ca. 25cm ovales Loch. Sauber ausgestanzt, ca 60cm unter der Wasserlinie. Ansonsten null Kratzer, nicht mal Bewuchs weggeschabt. Nicht am Kiel, nicht am Rumpf. Omar meint das war ein Schwertfisch, vor Espanola gibt es ganz viele. Ich denk noch ja klar du Schlaumischlumpf, schau mir aber mal vorsichtshalber die gegenüberliegende Wand in der Küche an. Und tatsächlich: Ein sauberer Abdruck. 8cm breit. Typisch für die abgeflachte Lanze eines Schwertfisches.


Ich schildere das auch noch Grok und ChatGPT. Endlich sind die beiden sich mal einig. Schwertfisch 100%. Gaaaanz selten, wie ein Lottogewinn sagt Grok (Hahaha, er entwickelt jetzt Humor), aber kommt vor. Alles passt zu ,einer Beschreibung. sonst keine Kratzer. 25cm oval, wegen der abgeflachten Lanze, 60cm unter Wasser, am Abend, etc pp. Der Fisch wird 100km/h schnell und hat ca. einen Wumms wie ein Aufprall mit einem Kleinwagen bei 30km/h. Passiert wenn man über nen schlafenden Schwertfisch fährt und er mit der falschen Flosse aufsteht oder halt einfach wenn er im Jagdrausch total deppert ist und das Schiff nicht sieht. Andrea hat zwei Tage vorher so einen Riesenscholli an der Angel gehabt. Der hat mit seinem Schwert dann die Leine gekappt und ist ein paar mal sauer aus dem Wasser gehüpft. Jetzt hat sie Angst das da ein rachsüchtiger Moby Dick mit Lanze unterwegs ist, aber das ist dann doch eher unwahrscheinlich.
Die Einwanderungsbehörde, Agentin, Küstenwache etc. haben dann auch gleich mal flott eine Whatsappgruppe gegründet: „Fixing Gleda“. Ja mei, sie wollen jetzt halt schon wissen wie wir weitertun. Ist ja ein Dorf hier. Also poste ich auch täglich brav unsere Updates:. Andrea wäscht, putz, entsorgt, verproviantiert wie ein Derwisch und ich mach die Baustelle auf. Für jeden Tag haben wir ein ca. 6 Stunden Arbeitsfenster zwischen Ebbe und Flut.
Tag 1: Farbe wegschleifen. Vergrößerten Ausschnitt bis zum trockenen Holz, machen. Passende 9mm Coosabordplatte sägen und diese auf eine große Rückenplatte aufkleben. Ich habe die Rückenplatte satt überlappen lassen und bis zu den Stringern gezogen. Das hält jetzt 3mal so viel wie vorher. Das ganze dann mit viel Epoxy einkleben, Hohlkehlen ziehen, fertig für heute.





Tag2: Alles sauber schleifen und dann verglasen und Spachtelschicht drauf.


Tag 3: Spachtelschicht schleifen und irgendwie hats zwei Luftblasen gegeben, die mach ich noch zu.

Tag4: Erste von 5 Lagen Antifouling drauf machen. Jetzt san schon fast wieder heil.

Hab ich ja schon gesagt, aber ich wiederhol es gerne. Die Leute sind der Hammer. Der Whitmann zum Beispiel hat sein AirBnB gleich am Strand und macht fast an Purzelbaum vor Hilfsbereitschaft. Er bringt uns Essen zur Arbeit, stellt uns 20L Trinkwasser hin, Stromkabel, Zugang zu seinem WLAN, 100L Wasser für die Kanister und und und. Hier mal Fotos von den Spezln. Vikos und Whitmann.


Also Ende gut alles Gut und Riesendusel ist quasi schon ein Hilfsausdruck. Weil es ist nicht nur nicht fad geworden sondern Obacht!:
- Der Loch war in der Backbordkufe. Steuerbord wär alles Werkzeug (Schleifer, Stichsäge, Multitool, Bohrer), Epoxy, Fühlstoffe, Glasfasermatte (das alles kann man hier nicht kaufen) unter Wasser gewesen. Da schauts madig aus mit reparieren.
- Das Loch ist an einer Stelle die man perfekt fixen kann. Des hät viel komplizierter sein können.
- Der Einschlag war auf einer Strecke von 4100 sm, GENAU am nächsten Punkt zu Land. 10 sm von den Glapagos. Perfekt.
- Der Einschlag war 5 Minuten bevor ich an Kaffee machen wollte. Die Lanze hätte genau da sauber meine Unterschenkelknochen gekappt.
- Ich hab die Batterien und gesamte Elektronik nicht in den Rümpfen sondern im Steuerstand verbaut. Im Nachhinein eine echte Hirnidee.
- Die Lanze hat die Gegenseite nur angedellt und ned noch a zweites Loch geschlagen (auch davon gibts Bilder im Internet)
- Der Januar ist der beste Monat hier zum Beachen.
- Ich glaub ich kann auch noch das zugesetzte Steuerseil vom Backbordmotor das wir in Panama besorgt haben austauschen. Spitzen Gelegenheit im Trockenen.
Ok was nehmen wir mit: So viel Glück wie wir haben ist unfassbar. Meine Frau ist absolut super in Stresssituation und sonst natürlich eh. Der Schock lässt nach. Ich bin nur einmal nach 36 Stunden Schlafentzug kurz in die Hocke gegangen und hab geheult, weil das ist ja auch normal. Aber wir haben uns schon wieder gefangen, lassen bald unsere herzigen, grunzenden und stinkenden Seelöwen zurück und fahren weiter auf die Marquesas. Grok sagt mir san quasi Safe, weil da könnt uns auch gleich die ganze ISS auf den Detz fallen bevor das noch mal passiert. Mein Vater hätte eh gesagt: „Super! Das ist doch ein Abenteuer!“
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