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Schlagwort: Fäule

Import / Export oder das Pendel lügt nie

Ich habe eine kolumbianische Steuernummer. Arghhh…Wie konnte es nur soweit kommen? Dieses und weitere interessante Einsichten in die kolumbianische Bürokratie behandelt dieser Blog. Dies ist der erste Blogteil zu Kolumbien. Sozusagen der amtliche Teil.

Für Kolumbien war mindestens 6 Wochen Aufenthalt geplant. Zum einen wegen der langfristigen Routenplanung mit Wetter- und Zeitfenstern für San Blas, Panamakanal und die Ankunft in den Marquesas und auch weil es hier so schön sein soll. Und schön ist es. Kolumbien hat sich sofort auf den ersten Platz der schönsten Länder außerhalb des Mittelmeeres katapultiert. A bissi warm und schwül vielleicht. Eigentlich immer zwischen 33 und 38 Grad am Tag und selten unter 27 in der Nacht. Die Sonne knallt. Sonnencreme wird nur zwischen Schutzfaktor 70 und 110 angeboten, aber besser finden die meisten Totalvermummung. Manche lassen sich auch täglich einen Eiswasserpool befüllen. Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Aber die Leute sind super und die Berge und der Regenwald unglaublich. Aber das machen wir später.

Wir haben beschlossen die ganze Zeit in der Marina in Santa Marta zu bleiben. Hier geht es nämlich schon los mit dem Amtsschimmel. Einklarieren geht nicht ohne Agenten und auch nur unter der Woche. Mir san ganz smart am Samstag um 1400 angekommen und können nicht in die Marina weil wir ja nicht einklarieren können. Montag dann wieder. An Land dürfen wir auch nicht wird uns gesagt. Streng verboten. Tja, so locker sind wir mittlerweile das uns das nicht mehr tangiert. Aber nicht nur das Einklarieren ist kompliziert, selbst einfach mal raussegeln muss angemeldet werden. Mit exakter Rückkehrzeit. Wer nach Cartagena segelt muss auch wieder ausklarieren und da mit Agenten wieder einklarieren. Also bleiben wir lieber gleich da und machen Landexkursionen. Und außerdem haben wir uns neue Segel für den Pazifik bestellt. Die alten sind ein wahrer Flickerlteppich. Und die kann man ja ganz prima in 6 Wochen von Thailand (da sitzt ein super Segelmacher für unsere Spezialsegel) in die Marina liefern lassen. Spaaaß.

Wir schreiben den 12. August. Die Segel sind fertig und verschickt. Am 18. bekomme ich von DHL eine freudige eMail. Alles auf Spanisch. Logo. Englisch ist hier weitgehend unbekannt. Mein Spanisch beschränkt sich auf die Frage „Como estas?“ mit „Muy bien“ zu antworten. Aber damit komm ich nicht weit, weil Muy bien war im folgenden selten mein Gemütszustand.

Also die DHL Mail… „Ihr Paket ist im Zolllager von Bogota angekommen und wir freuen uns als Agent für sie tätig zu sein. Sollte die Ware nicht bis zum 22.9 aus dem Zollager gelöst werden, dann fällt das Eigentum an den kolumbianischen Staat. Einen schönen Tag“. Zolllager hört sich schon mal spanisch an. Mir wurde extra von der Marina gesagt das Paket mit „Boat in Transit“ zu markieren, weil da kein Zoll und Import anfällt. Also was soll das? Ich schreib zurück: „Was soll das? Was soll ich machen? Und was ist das für eine schreckliche Deadline?“. Keine Antwort. Nächster Tag: Keine Antwort. Ich schreib an alle eMail Adressen von DHL Weltweit und siehe da nach drei Tagen eine Antwort: „Sie brauchen für den Import einen Agenten“. Ich: „Hä? Sie haben doch geschrieben DHL bedankt sich der Agent sein zu dürfen“. DHL… keine Antwort. Es geht wieder ein Tag ins Land. DHL: „Sie brauchen einen lokalen Agenten oder Importeur“. Ich: „HILFE. Was ist das? Wo find ich so was?“. DHL…Stille.

Es wird mir mulmig in den Haarspitzen. Mittlerweise haben wir den 29. August. Die Deadline lauert. Ich trage die ganze Sache in das Marina Office. Da haben sie eine Englischsprachige Mitarbeiterin. Und wenn ein Kolumbianer merkt das ein Mitbürger mit der kolumbianischen Bürokratie Probleme hat, dann solidarisiert man sich. In dem ganzen Prozess waren wirklich alle Mitstreiter super hinreißend. Im Marina Office haben alle die Köpfe zusammengesteckt und gemurmelt und palavert und dann mich mitleidig angesehen: „Ja… hatten wir schon Mal. Aber nicht verzagen die Chancen stehen 50:50 das du deine Segel bekommst. Das dauert alles und Du hast nicht mehr so viel Zeit. Oft werden die Waren auch einfach nicht abgeholt, weil der Import irre teuer ist und dann werden sie nach 30 Tagen vernichtet“. Das mulmige Gefühl fängt an sich in die Zehen auszubreiten. Die Juristin der Marina telefoniert 4 Stunden mit DHL. Ergebnis: wir brauchen einen speziellen Importagenten in Bogota der in das Zollager kann. Dann 2 Stunden Telefonat auf der Suche nach einem solchen Agenten mit rudimentären Englischkenntnissen. Und wieder Glück. Die Mitarbeiterin des Agenten kann a bissi Englisch, ist auf zack und super hilfsbereit und kann Whatsapp.

Wir legen los. Erst mal wieder eine Solidaritätsbekundung: „Mr. Michael, I am so sorry for you“. Sie braucht meinen Pass, alle möglichen Papiere, Bilder von den Segeln. Damit geht sie zur Rechtsabteilung, weil hier anscheinend jeder Fall speziell ist. Deren Rat: Um die Segelvernichtungswahrscheinlichkeit zu minimieren ist es das beste die Güter für den Import auf den Agenten zu übertragen und die machen dann alles. Ich erfahre jetzt auch endlich wo der Hund begraben liegt: Die drei Segel kosten 3900USD. Alles über 2000USD oder 50kg muss ins Zolllager und importiert werden. Hätte ich also jede Woche ein Segel einzeln verschicken lassen dann hätte ich mir das alles sparen können und wenn der Hund ned gschissen hät wär ich ned neigetappt. Wo ich doch immer alles so genau plane…hätte ich nur ChatGPT vorher gefragt. Hätte hätte Fahradkette….

Ich bekomme auch gleich einen All Inclusive Preis: ca. 2500 USD. Der Agent bekommt davon 200USD, Rest geht an die DIAN, das ist die Zoll und Steuerbehörde in Kolumbien. Eine super Amigotruppe. Die lassen sich schon was einfallen. In den 2500 sind zum Beispiel auch 300USD Strafe, weil die Segel aus Polyester sind und Polyesterimport muss man unbedingt vorher anmelden.

Zufällig stehe ich am selben Tag im Supermarkt vor einer Wochenzeitung. Das Thema: „Die korrupten Machenschaften der DIAN“. Man lernt Tolles: z.B. Mitarbeiter bereichern sich an Waren die nicht abgeholt wurden, weil die Zeit extra von der DIAN verschleppt wurde. Die Waren werden dann nicht vernichtet sondern am Schwarzmarkt verkloppt. Ich schick das Bild der Wochenzeitung meiner Agentin und sie sagt „Mr. Michael you are so lucky…“, weil das gerade ein offener Skandal ist und da wird das Betrügen und Verschleppen kurzfristig etwas runtergefahren bis Gras über die Sache gewachsen ist. Na also. So viel Glück kann man ja gar nicht ertragen. Meine liebe Schwiegermutter befragt lieber trotzdem das Pendel und… alles Gut, das Pendel sagt die Segel kommen an.

Jetzt ist die Übertragung der Segel für den Import nicht ganz leicht. Jede Unterschrift in Kolumbien muss notariell beglaubigt werden. Mietvertrag, Arbeitsvertrag, Autokauf, Stromanbieter wechseln. Alles. Ein Versuch Rechtsstaatlichkeit einzuführen. Es wird hier einfach so viel beschissen, das es nicht anders geht. Dementsprechend geht es zu. Man zieht eine Nummer und wartet. Nach zwei Stunden bin ich dran…Blöd nur: Der Notar weigert sich mein DHL Importdokument zu beglaubigen, weil sie es für eine Stromrechnung halten und überhaupt hat es keine weiße Rückseite. Ich rufe meine Agentin an. „Mr. Michael… einige Notare sind kompliziert. Kann ich mit der Mitarbeiterin sprechen?“. Ja schon, aber erst muss ich eine neue Nummer ziehen wird mir gesagt. Oh mei. Ich ziehe eine neue Nummer und nach eineinhalb Stunden (mehrere ältere kolumbianische Damen versuchen mir in der Zwischenzeit Spanischunterricht zu geben) macht der Schalter zu. Mittag. Bitte in zwei Stunden wiederkommen und neue Nummer ziehen. Weil aufregen ja auch nix hilft geh ich einen Kaffee trinken. Am Weg komm ich zufällig an einem weiteren Notar vorbei. Ich linse rein. Gar nix los. Nummern gibt es auch nicht. Ich komme gleich dran. Diesmal reiche ich gleich das Handy weiter. Meine Agentin und der Mitarbeiter diskutieren 5 Minuten und zack kommt ein Stempel auf das Dokument, wird zusammengerollt und in ein Stück Ablussrohr gesteckt das an einer Schnurr aus einem Loch in der Decke kommt. Kurzer Ruck an der Schnur. Das Rohr verschwindet in der Decke und kommt zwei Minuten später wieder mit Notarunterschrift raus. Spitzentechnologie vom Feinsten. Ich muß noch zahlen. 3000COP, das sind ca 60Cent und fertig. Mittlerweile ist der Notar bummvoll…Wieder mal Schwein gehabt Mr. Michael. Auf dem Bild sieht man die Rohrpost mit dem Loch in der Decke im Hintergrund.

Das ganze zieht sich natürlich. Immer wieder müssen wir auf Antwort von DHL oder DIAN warten, oder Dokumente per Kurier nach Bogota schicken. Es sind jetzt keine zwei Wochen mehr bis zum Stichtag. Auch meine Schwiegermutter wird langsam nervös. Das Pendel hats doch gesagt…wo bleiben denn jetza die Segel?? Blöd auch das wir nix anderes machen als warten und reagieren. Einmal waren wir 4 Tage in Minca (später dazu), aber sonst hängen wir ab, gehen Kaffeetrinken, reparieren mal was gammliges am Schiff ratschen mit den Nachbarn von den Lotsenbooten oder mit anderen Weltumseglern, lassen uns den Hut putzen und gehen bummeln. Mal als Auflockerung ein paar normale Bilder.

Snap back to reality… Einige Tage hin und her. Dann die Antwort der DIAN: Leider, leider können die Segel nicht auf den Agenten übertragen werden, da neben meinem Namen als Kontaktperson bei DHL auch noch eine Mitarbeiterin der Marina genannt ist. Und ohne deren Unterschrift….tja, leider, leider. Ich hatte extra den Namen der Marinamitarbeiterin angegeben, weil ich ja gar nicht wusste, ob wir da sind wenn die Segel kommen und da braucht es halt einen Kontakt mit Telefonnummer für DHL. Grober Fehler. Verständlicherweise weigert sich die junge Dame irgendwelche Unterschriften in Steuer oder Zollsachen zu leisten. Selbst die Agentin wird nervös. Ich beruhige sie und erzähl ihr die Sache mit dem Pendel. Nur müssen jetzt alle Papiere geändert werden, so das nur noch mein Name drauf ist. Dafür muß der Segelmacher neue Rechnungen und auch Erklärungen schreiben. Ich muß zum Notar, aber das mach ich mit links mittlerweile. Die DIAN will auch 100USD für den Spaß. Cash eingezahlt bei der nächsten Bank. Und weil die Zeit rennt und die Umschreibung nicht mehr zeitig fertig wird, muss ich die Segel doch selber importieren. „Mr. Michael you need a colombian tax ID“. Um 8 Uhr 15 habe ich Tags drauf einen Termin bei der DIAN. Es ist ganz anders als ich mir das vorgestellt habe. Statt Gaunern hängen überall Herziluftballons rum. Um 8 Uhr bin ich da und komme sofort dran. Der Beamte ist hinreißend. Er trägt ein rosa Hemd mit der Aufschrift „I LOVE YOU“ und ist ganz entsetzt was mir widerfährt. Für die da in der oberen Etage hat er nicht viel übrig. Wieder ein langes Telefonat mit meiner Agentin und als ich als Adresse „Boot“ angebe ist er vollkommen entzückt und will gleich mitfahren. Jetzt nur noch einen Beruf. Ich: Kapitän? Er legt den Kopf in den Nacken und den kleinen FInger an den Mundwinkel und dann die Erleuchtung: Import/Export, das passt. Der Drucker summt und raus kommt meine Steuernummer für Kolumbien. Er steht auf und (ohne Witz) umarmt mich zum Schluß mit den Worten „Welcome to the taxes of Colombia“.

Andere hatten kein so beglückendes Erlebnis. Beim Rausgehen schreit ein Amerikaner in sein Handy „I swear I kill all those corrupt bastards“. Tja. Jetzt heißt es leider warten. Stichtag ist Montag der 22.9. Noch 7 Tage. Hedi (meine liebe Schwiegermutter) wird auch nervös. Mensch das Pendel lügt doch nie. Dann am 19.9 darf meine Agentin die Segel inspizieren. Sie meint jetzt wäre der richtige Zeitpunkt mal ein paar Millionen an Sie zu überweisen (11.600.000 ganz genau). Null Problem. Wir kennen uns ja schon so lange und sind zusammen durch dick und dünn gegangen. Ich vertraue ihr. Ich blättere einen 10cm dicken Geldstapel auf den Banktresen und schon ist das Geld weg. Montag morgen die Nachricht „Mr. Michael. I am so happy. I just released the sails“. YES. Die Segel gehen raus und am Mittwoch sitz ich schon drauf. War doch alles ganz easy. Ich schick meiner Agentin das Foto und wir danken uns gegenseitig für die gute Zusammenarbeit. Das Pendel kann aufatmen. Es lügt nie.


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Nein, es wird nicht langweilig

Es fragt oft mal einer ob uns des ned langweilig wird immer auf dem Schiff. Keine Chance. Es gibt so viel zu tun, das ich kaum zum Blog schreiben komm, oder mal Gitarre spielen. Heute z.B. ist der 19.Mai, wir liegen in Crotone in Italien im Hafen. Die Stadt schläft noch, da keiner vor vier Uhr in der Früh ins Bett ist. Hab mir grad nen Caffè in der Hafenbar geholt und da hängen immer noch Überbleibsel des gestrigen Wahnsinns rum . Gestern war hier der Event des Jahres, das Festa Madonna de Capocolonna. Zusammengefasst kann man sagen die Madonna hat die Türken ganz allein nausgehaut. Der ganze Ort flippt einen Monat lang total aus. Gestern ist die Madonna mit Volksfestambiente ab ein Uhr nachts durch die ganze Stadt getragen worden und kam heute Nacht mit dem Schiff und großem Feuerwerk zurück in den Hafen. Ich hasse ja Menschenmengen, aber die sind hier alle locker einen Kopf kleiner als ich und so haben wir uns mit der Madonna durch die Nacht schieben lassen. Das Foto hab ich auf Augenhöhe gemacht (Scherz, ganz so klein sind sie dann doch nicht, aber schon eher winzig)

Jetzt lass durchblicken (auch wenn geflunkert, weil eher Zufall), das der Zweck des Besuchs überhaupt nur die Madonnenprozession ist, dann hast Du hier Freunde fürs Leben. In der Marina z.B wollten Sie für unsern Katamaran für 5 Tage 460 Euro. Das ist hart, aber Wetter und keine Ankerbuchten hätten uns gezwungen. Als ich erwähnt habe, das wir nur da sind um unbedingt die Prozession zu sehen, standen fünf Italiener rum und haben den Preis laut gestikulierend als Gotteslästerung bezeichnet. Wir waren sofort Clubmitglied und mussten keine Mehrwertsteuer zahlen und unser 12m Katamaran wurde zu einem 10 Meter Einrümpfer eingedampft (das Wunder der Madonna). Gesegneter Endpreis 200 Euro.

Crotone selbst hat irgendwie einen ganz eigenen Charme. Man merkt jetza scho, das das der arme Süden ist. Der DDR Flair hat aber auch was. Touristen gibt es um die Zeit Null Komma Null und die wirklich schöne Strandpromenade wird von runtergekommenen 50er-Jahrebauten anstatt von Boutiquen und Hotels gesäumt. Die Fotos sind original an der gleichen Stelle aufgenommen. Jeweils Blick nach links und Blick nach rechts.

Aber die Leute sind zufrieden. Unser Gemüsehändler z.B. (hat wilden kalabrischen Rucola. Andrea hat das geilste Pesto ever gemacht) ist auch komplett happy, daß wir die ganze Nacht die Madonna begleitet haben und daß wir die Freiheit („ahhh la liberta!!“) auf dem Meer leben. Er ist gleich raus aus dem Laden gerannt und hat es jedem wild mit den Armen wie in einem Kampf rudernd erzählt. Vollkommen verrückt. Der Mann ist übrigens 4-maliger italienischer Box-Champion seiner Klasse (Foto oben im Bild). Rocky Balboa von Crotone, super Typ.

Das ist überhaupt das fantastische wenn man mal eine Woche an einem Ort bleibt. Du lernst die Leute kennen. Und die waren bis jetzt auch überall unglaublich herzig und freundlich. Jetzt geben wir uns auch Mühe. Andrea hat gestern zum Beispiel in der Hafenbar eine Runde für die Küstenwache geschmissen, kann nie Schaden, so wie ein Schluck Schnaps für Neptun. Das haben die sich auch verdient im Einsatz letzte Nacht. Wir hatten schon eine echt raue Überfahrt aus Kefalonia, Griechenland (mit Folgeschäden, dazu später mehr) aber in der Nacht drauf hat der Scirocco auf 10 Bft hochgedreht und es gab die ganze Nacht Einsätze. Bei uns waren es noch 6 Bft, aber gegen die Strömung. Das hat zu ziemlich hoher und steiler Welle von der Seite geführt. Die Gleda hat gekracht, gescheppert und ist gesprungen. An Schlaf war nicht zu denken, es hat einen von den Sitzen gehoben. Für die 180 Seemeilen haben wir dafür auch nur 20 Stunden gebraucht, also 9 Knoten Schnitt. Das ist ordentlich.

Kefalonia ist nice, klar. Fiskardo ein super pittoreskes Städtchen mit urigen Wanderwegen und einem stilvollen Gefängnis.

Aber am besten war Meganisi. Die Leute sowas von nett. Da grüßt dich jeder Autofahrer, am zweiten Tag geht der Café aufs Haus. Hier mal ein paar Bilder aus Katomeri, ein Örtchen am Berg in dem man es aushalten könnte. Andrea macht eh eine Liste wo wir alt werden können wenn wir mal groß sind. Eckpunkte sind a) nette Menschen b) nicht zu weit zu evtl vorhandenen Enkeln c) Platz für mindestens zwei Esel (Esel wollen nicht alleine sein) d) Katzen und Hunde die man füttern kann.

Und gleich noch mehr Luftfotos. Ich hab ja jetzt ne Drohne und muss natürlich damit rumspielen. Wo was aufgenommen ist schreib ich als Bildunterschrift.

Die letzten beiden Bilder sind in Nydri, einer super geschützten Bucht auf Lefkada gemacht. Gleda liegt wieder neben der Vajana vom Marcel, harmonisch Seite an Seite wie die vier Jahre in der Werft in Piancada. Stand heute steht die Vajana zum Verkauf. Marcel will andere Wege gehen, aber mal abwarten. 🙂

Noch ein Nachtrag zu Meganisi. In einer Bucht haben wir einen Engländer (84 Jahre alt) getroffen, der mich glaub ich zwei Tage mit klasse englischem Humor voll verarscht hat, oder auch nicht. Ich kann’s echt nicht sagen. Der saß da auf seinem 20m langen Cornisch Kutter. Die Geschichte geht so: „Ich hab das Boot vor 18 Jahren für eine Millionen Pfund bauen lassen bin dann ein paar Jahre in die Karibik und zurück und wollte es für 600.000 verkaufen. Kein Käufer“…. Er hat den Preis die Jahre drauf auf 100.000 gesenkt. Kein Käufer. Jetzt will er das Ding nur noch loshaben und will 500 Euro. Lustig, oder? Ich hab ihm gesagt, das ich mal schnell zum Bankomaten geh, aber er hat gemeint, das die Woche zwei Leute kommen. Ein Engländer der damit um die Welt will und ein Grieche der Daycharter machen will und die muss er abwarten. Das Boot ist TipTop in Schuss. Rumpf aus GRP, der Rest altes Teak. Jede Winsch kostet 4000 Euro. Er hat gesagt selbst der Diesel an Bord kostet 7000 Euro. Ich checks nicht, war wahrscheinlich ein Prank für nen doofen Kraut. Hier ein paar Bilder:

Jetzt noch die Reperatur/Schadensmeldungen. Ich sag mal so… Fenstercountdown steht bei 10 und tickt runter. F…king Fenster. Von den 20 Fenstern und Luken hab ich ja schon 10 eliminiert, aber des hat halt ned gelangt. Da wo die Dichtungen nachgeben läuft das Wasser brav in die Kabinen. Jakes Cabin haben wir (Andrea) komplett entsalzen müssen und in der Küche war es noch ärger (oarger auf Wienerisch??). Da ist das Wasser nämlich ned direkt nach innen durchgelaufen, sonder schön in die nicht epoxierten Schnittkannten des Sperrholzes rein. Das hat brav alles aufgesaugt, bis man dann mit dem Finger durchpuhlen kann. Gestern war Durchpuhltag. Ich hab schön größzügig gepuhlt, weggesäbelt und alles mit Coosa, Epoxy und Glasfaser zugepäppt. Jetzt gewinnt das keinen Schönheitspreis (meine Werftarbeitsansprüche sinken bei ambulanten Behandlungen), aber es ist dicht. Die anderen Fenster muss ich mir peu a peu vornehmen. Ansonsten hats uns mal in einer Nacht das Seil vom Heckanker durchgescheuert, aber meine Frau hat gleich ein neues eingespleißt.

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Nice!

Die eine Woche, die wir in Kloburg sind, war natürlich in Italien Sommer. Logo. Jetzt regnet es erst mal. Kein Problem wir sind ja unter Dach und Zelt und haben auch eine schöne Arbeit: malen. Immer wieder erstaunlich wie sich alles verändert sobald mal Farbe drauf ist. Und -hallo- wir liegen immer noch im Zeitplan. Bis 15.3 wollte ich die Kabinen BB1 und SB2 fertig haben. Was soll man sagen..fertig. Mit Vorhängen und Pipapo. Jakes Cabin ist wahrlich edel geworden. Andreas Design mit Weiß und Holz ist super, ich nehme den Spießer sofort zurück. Mein Design mit etwas bunt, finde ich liegt so bei 40% Karibik und 60% 70er Jahre Kinderzimmer, hmm, aber so bleibts jetzt.

Die Matratzen sind abgeholt und im Auto. Hoffentlich haben wir richtig gemessen und sie passen (Nachtrag: ja sie passen!). Außerdem sind zwei Doraden und die handgeschnitzte Decksaugen (Coosa verglast) montiert.

Andrea schleift sich aber auch schon wieder in einen manischen Zustand. Die Kombüse ist rausgeschliffen, teilweise haben wir uns durch 3 Farbschichten/Variationen gewühlt und SB1 wo Stauraum und ein Kompostklo stehen sind auch bald fertig. Die Kombüse ist auch Opfer von Entkernung geworden und das war keine schlechte Idee. Der Tisch ist z.B raus. Gewicht 20kg, weil 3cm Pressspanplatte. Wahnsinn. Da kommt jetzt eine große Liegefläche hin. Da unten sitzen wir eh nie zum Essen.

Unter der Gleda ist jetzt Platz für meine Epoxybank. Echter Luxus, vor Regen und Sonne geschützt. Wir mussten umräumen um die ganzen Kisten für Elektrik und Seile unterzubringen. Als nächstes werden die Seitenkästen verbaut. Ausserdem habe ich mir vorgenommen jeden Tag eine halbe Stunde das Coppercoat anzuschleifen, damit das nicht alles auf einmal kommt. Ehrlich… wir können das Meer schon riechen 🙂

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Es wird… ein Schiff!

Schon witzig. 95% der Arbeit sieht keine Sau und würdigt auch keiner. Wenn man was restauriert dann sieht es halt aus wie vorher, nur wasserdicht und ohne Fäule drunter, aber es sieht aus wie vorher. Dagegen so ein paar wenige Stunden Lego bauen und alle sind begeistert „Boa.. ihr kommt aber schnell vorwärts!… sieht ja aus wie ein Schiff“ 🙂 Ich muss zugeben, auch ich selber nehm mir dann manchmal einen Stuhl und setz mich einfach nur vor die Gleda um sie zu bewundern. Diesmal nachdem wir eben mal in 2 Tagen den fertigen Pod (Bauzeit… ewig), die neuen Motorkästen mit Gondeln (Bauzeit etwas kleiner ewig) und die Decklatten eingehängt haben. Das hat natürlich schon was 🙂

Unten werd ich das noch mal alles im Detail auflisten. Ist vielleicht nicht so spannend, daher auch am Schluss, aber ist auch eher für mich. So ein Dokumentation verwischt wie gesagt die Zweifel, ob wir hier überhaupt vorwärtskommen.

Sonst ist aber auch viel passiert, war ja eine lange Zeit in der Werft. Von Nachttemperaturen um die 30 Grad (nackt, ohne Decke, alle viere von sich gestreckt, Ventilator an) bis runter auf 3 Grad (2 Schlafsäcke und -tja- eine Ü50 Senioren Heizdecke) streckt sich der Arbeitsabschnitt. Wir hatten krachende Gewitter mit fliegenden Lukendeckeln, krachendes Feuerwerk und krachende Dummheit – Hier dazu ein Tip: man lege niemals eine Plane über einem Spalt aus, in den genau der Fuß hineinpasst, so das man beim betreten der Falle (logisch beide Hände voll mit Epoxy) den Fall erst durch passgenaue Quetschung des Oberschenkels abfängt. Zum Glück bin ich eh so ein beinharter Rambotyp (jaha! sagt Andrea immer: „Du bist ja so unglaublich tapfer und hart“. Dabei schaut sie so komisch nach oben) und hab nur ganz leise laut gebrüllt. Und Andrea meint auch das nicht unerwähnt bleiben soll, das die Werftchefin mir das Nacktbaden untersagt hat (die Gründe liegen im Dunkeln) und das man Käsespätzle auch bei 38 Grad im Schatten essen kann, obwohl die Wissenschaft das für nicht möglich gehalten hat.

krachendes Feuerwerk nur für Gleda…

Zwischendurch war auch mal Urlaub von der Werft. Ben wollte segeln gehen und ein bisschen Skippertraining machen. Weil Marcel, der doch jetzt auch schon ganz schön lange an seinem Boot baut,noch nie auf dem Meer segeln war, haben wir ihn vorsichtshalber mal mitgenommen (er hat auch ganz brav in einer Woche fast das gesamte Buch „Seemannschaft“ gelesen). Und es war toll. Zwar wenig Sonne, aber viel Wind, viel Welle und viel Action mit Leine in der Schraube. Alles dabei. Super Essen (Marcel hat alle fotografiert) und nur einer war mal seekrank (ich…scheiß Einrümpfer). Hier ein paar Bilder.

Die Werftcommunity schwillt im Sommer an und dünnt sich dann im Herbst aus. Es wird zusammen gegessen, gefeiert und ausgeholfen. Nice. Dieses Jahr war ich der letzte Mohikaner der das Licht ausmacht. Irgendwann sind die Arbeitstage einfach sehr kurz und die Mückenschwärme werden durch frostige Nächte ersetzt. Aber es war ein schöner Sommer. Jetzt müssen wir mal sehen was wir mit dem nebligen Winter anfangen. Irgendwas fällt uns schon ein. Neue Polster und Matratzen, Segel prüfen, solche Sachen habe ich mir da aufgeschrieben. Nächstes Jahr im Juli soll es jedenfalls ins Wasser gehen. März bis Juni wollen wir noch die Elektrik machen, innen etwas streichen und wieder aufriggen, sowie das Coppercoat ausbessern und aktivieren. Im August wollen wir in Split sein um uns ein Verdeck für den Steuerstand machen zu lassen. In Italien kann das anscheinend keiner so wie sich das der deutsche Ingenieur vorstellt. Wenn alles klappt sticht dann auch eine ganze Flottille in See, wir zusammen mit der Wharram Narai INDIGO von Marcel, der Wharram Pahi LADY OF VIENNA von Gerhard und vielleicht Alfs Schiff ohne Namen (ich glaube Syphilis oder so soll sie heißen). Wenn alles klappt gibt es ein Wiedersehen in Griechenland.

Gearbeitet haben wir natürlich auch, oder eigentlich meistens. Mal ein Versuch das aufzulisten:

Michael von der (dem) Condor ist mit einem Feuchtemesser dahergekommen den man nur von außen auflegen muss. Und natürlich -ich Depp- kann nicht anders und leg da das Ding an mein Schiff an. Da kamen dann an den Kielen und vor allem den Heckflossen gar nicht mal so schöne Werte raus. Jetzt hilft da natürlich kein rummachen mehr. Ich hab das Coppercoat und Glasfaser runtergeschliffen und noch mal mit dem richtigen Holzfeuchtemesser nachgemessen. Und tatsächlich: Die eine Flosse hat 30%, die andere 60% Feuchtigkeit. Es ist zum narrisch werden. 30% geht ja. Die 60% sind wie immer das Ergebnis von schlechter Verglasung. Ich kann mich erinnern das an der einen Flosse eine Stelle durchgeschliffen war die ich dann ausgebessert hab. Damals (vor langer langer Zeit) hatte ich noch nicht die masochistische Marotte die Gleda überall mit einem Holzfeuchtemesser zu piecksen. Jetzt muss ich sagen das ich die Sache langsam pragmatisch angehe. Eine Woche Heizlüfter drauf und gut. Das da Feuchte drinbleibt (auch in den Kielen, die hoffentlich nach innen austrocknen) da kann man jetzt halt gar nix machen. Das hat ja jetzt auch schon 12 Jahre im Wasser gehalten. Das Sperrholz sieht gut aus. Ist halt zu feucht. Solange jetzt kein Sauerstoff hinkommt wirds hoffentlich auch nicht faulen. Da hab ich schon was gelernt. Wenn noch was kommt mach ich das halt in der Zukunft.

Die Löcher im Bug sind jetzt natürlich zu und das tolle ist, ich bekomme jetzt auch meine Seilbefestigung für den Hahnepot des Vorstags. Eine ganz elegante Lösung, ganz im Wharramstil. Seile statt Bolzen. Dafür mussten je Seite vier neue Löcher in die Rümpfe gesetzt werden. Diesmal wasserdicht indem dickwandige GFK Rohre einepoxiert werden. Die größte Sorge war die Löcher so zu bohren, das sie auf der Gegenseite symmetrisch rauskommen. Danke Marcel, ohne Dich wär das nix geworden. Marcel hat mit zwei Teakblöcken einen rechtwinkligen Anschlag gehalten und ich habe gebohrt. Dann haben haben wir ganz vorsichtig auf die andere Seite gelurt.. und wie durch ein Wunder alles ist wie mit dem Lineal gezogen.

Wie man sieht war Andrea ganz fleißig und hat gemalt, Netze genäht und immer alles mit einem bezaubernden Lächeln…

Der Pod ist wie gesagt oben. Ich hab’s glaub ich erwähnt das ich ganz schön Bammel hatte, ob er auch passt. In der Garage in Wien gebaut, dann am Boden zusammengezimmert… pfff. Und was soll ich sagen, wie nicht anders zu erwarten passt er perfekt. Genau 12mm vorne und hinten Luft. Besser gehts ned. Er hat überall EPDM Gummipuffer bekommen und dann hab ich ihn mit 4 Seilen festgelascht. Im Plan liegt er einfach nur auf dem Beam und ist mit Klötzen gegen wegfliegen gesichert. Das war mir zu luschig….

Das Poddach hat acht GFK Rohre (fest epoxiert) als Stützen bekommen damit es bombenfest und begehbar ist. Die Rohre sind leicht, stabil und nicht leitend (falls mal der Blitz einschlägt). Wir haben das Dach auf Hilfsstützen gelegt und solange geschoben, bis alles symmetrisch war, Neigung nach vorne hatte (Aerodynamik und Wassersammeln) und genug Lichte Höhe für mein lichtes Haupt übrig war.

In dem Schwung mit dem Pod meint Andrea: „Komm wir bauen auch gleich die Decks ein“. Da hat sie halt vergessen das dafür die Motorkästen erst mal reinmüssen und das hab ich mir irre kompliziert vorgestellt und sie sich halt wie immer ganz einfach. Alles auf die richtige Höhe nivellieren, dann passgenaue Löcher für die Aufhängungen bohren und dann sollen die Stangen da durch. Und was soll ich sagen: Die Ehefrau hat immer recht. Es war gar nicht so schwer. Hmm. Dann hat Andrea mit den Latten gepuzzelt und -zack- wir haben wieder ein Schiff.

Am Deck auf beiden Rümpfen sind jetzt alle Kanten fertig neu verglast. Fäule bei zwei Kanten und einer Luke gefunden und eliminiert. Decks teils neu verglast. Da gab es Stellen ohne Glas, Luftblasen an denen das Glas einfach abgefallen ist etc. Wasser ist wie immer an Schrauben ins Deck gelaufen. Daher hab ich mal so viele Schrauben entfernt wie möglich. Unter die Lüfter wurde eine Lage Coosa geklebt, damit keine Schraube mehr ins Holz geht etc. Der Teakhandlauf (schön war er ja) war auch nur von innen durchgeschraubt und ist jetzt durch eine Fußleiste aus Coosa mit Glas ersetzt.

Alle Luken sind jetzt neu aus Coosaboard und mit Seilscharnieren befestigt. Smooth!!. Bei den vorderen Luken wurden zusätzliche Wasserabweiser installiert. Ich hoffe es ist jetzt alles dicht. Backbord vorne wo immer Wasser bei starkem Seegang rein ist, muss ich vielleicht noch nacharbeiten und ein Lippe zum abweisen von Wellen an der Unterkante ankleben. Hier ist der Rahmen einfach nicht Plan gebaut worden und man muss den Deckel ganz schön zuknallen das die Dichtung überall sitzt. Zumindest sind jetzt die ganzen sich auflösenden und undichten Plastikluken weg. Von oben kommt jetzt auch keine Sonne mehr rein. Ich schätz mal das ist gut, wegen aufheizen und so. Auch die undichten Fenster achtern (Fehlkonstruktion) sind jetzt weg und durch Lufthutzen ersetzt die für ständigen Durchzug sorgen.

Das wars, zumindest das wichtigste. Jetzt ist a bissi Winterpause. Wir fahren erstmal eine Deutschlandtour und besuchen Freunde. Wenn’s mal schön ist fahren wir auch mal zur Gleda und machen sie innen etwas schick.

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Le grand fromage

Leute die man länger nicht sieht fragen nicht mehr „Na wie geht’s?“, sondern „Na wann ist euer Boot fertig?“. Sagen wir mal so – es würde schneller gehen wenn ich nicht zum Beispiel zwischendrin ganz viele Löcher in beide Buge bohren müsste. Warum macht er das? Das war mal wieder so eine Geschichte die nach dem Motto beginnt „Ich schleif nur schnell den kleinen Riss da oben ab…“. Tja der Riss war an der Verkleidung der U-Bolzen an denen der Hahnepot befestigt wird. Eigentlich nur ein Schönheitsfehler. Da schleifst Du so a bissi und dann „Scheiße, da ist faules Holz drunter“. Hätte ich auch ahnen können, faules Holz ist unter den meisten Rissen. Also schleift man weiter. Toll das ich Kevlar auf den Bug lamiert habe… absolut unschleifbar. Die erste Erleichterung. Es ist nicht alles faul, aber nass bis zur Wasserlinie. Ich mach also die U-Bolzen raus und sehe „Scheiße die Löcher sind nicht mit Epoxy verkleidet“. Das mit der vielen Scheiße tut mir leid, aber nur so ist es authentisch. Es ist also Wasser durch die nicht ordentlich verklebte Verkleidung in die Löcher gelaufen und hat sich von da wunderbar in den ganzen Bug verteilt. Mir ist jetzt schon ein bisschen zum heulen. Nach längerem sinnieren komme ich zu dem Ergebnis, das hier nur eine Radikalkur hilft. Das Wasser muss raus. Dafür muss die heiße Luft (immer so 35 Grad… zum Glück!) rein. Damit die Luft rein kann muss ich den Bohrer nehmen und Löcher -arghhhh- in den Bug bohren. Ich fang also an und „Scheiße, Scheiße, Scheiße.. „, beim zweiten Loch kommt mir -ohne Übertreibung- ein Wasserfall entgegen. Mir stehen jetzt beim Gedanken noch Tränen in den Augen. So was kann selbst ein ganz harter Bootsbauer nicht mehr alleine durchstehen. Da hat man Glück, wenn einen die anderen auffangen. Nach dem Geschrei von mir standen natürlich gleich alle vor meinem Wasserfall und haben mich seelisch aufgefangen. „Holz schaut doch gut aus….Wird schon…Mal 4 Wochen trocknen und passt…“. Und ich bin dann auch zu der Überzeugung gelangt…die haben recht. Der Wasserfall kam aus einem Hohlraum der perfekt mit Epoxy verkleidet war. Dafür das hier wahrscheinlich seit Jahren das Wasser stand ,war das Holz wirklich noch in Ordnung. Anscheinend super qualitatives Holz. Ein Pluspunkt. Ich bohre, bohre, messe Feuchtigkeit, schleife, bohre, messe und das Ergebnis ist ein Käsebug. Daher auch der Titel. In Cartagena gab es ein Schiff das hieß „Le grand fromage“. Die Gleda hätte den Titel momentan voll verdient.

Ok, das war ein Schritt zurück, aber es ging auch mindestens zwei Schritte vorwärts. Der letzte Beam ist verglast und eingebaut. Die Stahlpins zur seitlichen Sicherung laufen jetzt durch ein Stahlrohr im Beam und ein Stahlrechteckprofil in den Kästen. Für den Einbau musste der Beam mehrmals mit einem Wagenheber und einem Pfosten rein und raus gehoben werden. Jetzt ist dafür alles wasserdicht und superfest. Die Lashings wurden mit 6mm Dyneemaschnürung und zwei 6-fach Taljen so zugeknallt, dass es keinen Spalt mehr zwischen den Auflagern gibt.

Der hintere Beam war also ein ganz großer Schritt vorwärts. Wo der Kran für den Beam eh grad da war haben wir dann auch den Mastkasten vorne eingesetzt. Gleda wird schön langsam wieder ein Schiff.

Dann haben wir natürlich auch ganz viele kleine Schritte gemacht. Ein undichtes Fenster entfernt (brauchen wir nicht). Kanten abgeschliffen an denen Risse im Glas sind, verspachteln, neu verglasen…das übliche.

Die Masten haben nimmer schön ausgeschaut. An einer Stelle musste ich auch mit einer EpoxyAlupaste die tiefen Rillen ausbessern die eine Schraube in der Gaffel bösartig hineingerissen hat. Andrea hat die Masten dann völlig nackig gemacht und neu eingekleidet. Mit einer interresanten Farbe „Original Branto Korrux 2k flexi Lack“. Der Lack soll Schläge einfach abfedern. Was praktisch wäre, da die Gaffel ständig gegen den Mast schlägt. Ein Farbrest in der Wanne war auch tatsächlich wie ein Gummiball. Lustig.

Und ein neues Netz hat Andrea auch noch passgenau in das Heck geflochten. Ziemlich knifflig mit Kurven und so. Ist aber perfekt geworden und macht uns am Arsch echt schlanker und leichter.

Große Freude, als Ben uns für ein paar Tage besucht hat. Das Kind war arbeitswillig, also haben wir gleich was Großes in Angriff genommen. Der Steuerstand ist ja über den Winter in 4 Teilen in der Garage entstanden. Jetzt muss man in „nur“ noch so rechtwinklig zusammenkleben, das er zwischen die Beams passt. Ist uns auch gelungen -glaub ich-, obwohl ich da schon gezittert hab ob das Puzzle so auch verklebbar ist. Innen hab ich nicht ganz aufgepasst und eine Sitzbank hat sich leicht abgesenkt. Ist aber OK, hat nur eine einzige schlaflose Nacht verursacht. Jetzt steht er wunderschön vor der Gleda und wartet das die Marina aus dem Sommerurlaub aufwacht, die Marineros mit dem Kran kommen und wir sehen können ob er wirklich gut an seinen Platz schwebt. Das Dach fehlt noch. Da ist mir noch nicht klar wie wir das passgenau auf den Pod picken. Man wird sehen.

zum Schluß noch ein paar Impressionen vom Werftleben. Die Fußpflege musste ich festhalten. Alles sehr reduziert, alles wunderbar…

Werftfußpflege
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Beams und Ruder

Es ist mal direkt am Schiff was weitergegangen. Der Plan war den vorderen Beam komplett mit Biax Glas zu epoxieren und Farbe draufzuklatschen. Für jede Seite Epoxy habe ich ca. 4-5 Stunden vormittags gebraucht. Bei den Außentemperaturen momentan muss man auch bei sehr langsamem Härter früh anfangen. Manche Tage habe ich so um 6 in der Früh losgelegt um jede Sonne und Hitze zu umgehen. Jetzt ist er wasserdicht. Keine Fäulnis mehr an den Kanten. Sehr beruhigend finde ich. Das Loch für den Fixierungsstahlstab wurde mit Epoxy verfüllt. Auch hier hat das Holz schon zu modern angefangen. Damit die Beams nicht verutschen können befindet sich jetzt stattdessen and der Unterseite ein eingeklebtes Stahlrohr das später passgenau in einem Gegenstück im Beamkasten sitzt (das so passend zu machen wird noch schwierig).

Nachmittags habe ich mich dann der Ausbesserung der Kanten der Rumpfaufbauten gegewidmet. Und auch mal leise geflucht. Es sieht so aus als ob die oberen Kanten nicht wie im Plan vorgesehen mit Biax Glas plus Gewebe geschützt sind. Wenn dann nur mit Gewebe und an einigen Stellen hat es halt auch schon zu gammeln angefangen wo das Gewebe wohl aus versehen weggeschliffen wurde. Es hilft nix, aber die Kanten müssen wohl alle neu gemacht werden. So geht es öfter. Man denkt, das nur eine kleine Reparatur anliegt, öffnet den Patienten und die Wunde wächst selbständig wie ein Tumor. Daher sind auch Zeitpläne schwierig.

Auf der ToDo List stand auch die neuen Ruder in die Rümpfe einzupassen. Vor der Aufgabe hatte ich etwas Schiss und bin lange drum rum geschlichen. Es müssen relative große Löcher ins Heck geschnitten werden in welche die Epoxyblöcke an den Rudern eingeklebt werden. Irgendwann hab ich dann einfach die Säge angesetzt. Und was soll ich sage – es passt ganz gut. Nicht perfekt, aber ganz gut. Die Ruder sind eingeklebt und dann wieder in der Mitte der Blöcke abgesägt. Hier und da muss das Heck noch etwas begradigt werden, aber ich denke es wird. Zumindest sind die Löcher perfekt zueinander angeordnet und einer Flucht.

Im vorletzten Bild sieht man auch ganz gut, das das Heck oben einen Knick macht. Die Lücke zwischen Ruder und Heck ist oberhalb der Wasserlinie aber nicht schlimm. Hauptsache die Gelenke sind auf einer Gerade.

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Eschenholz

…hat gute Eigenschaften. Hart und trotzdem biegsam. Aber bohre ein Loch rein und Du kannst beim gammeln zusehen. Auf der Gleda sind die Pinnen, die Pinnenstange und die Gaffeln aus Esche. Besonders bei den ersten beiden handelt es sich um systemrelevante (das schreckliche Wort wollte ich gar nicht verwenden, passt hier aber) Bootsteile. Fällt die Ruderanlage aus, dann hat der Spaß erst mal ein Loch.

Aufgefallen ist das, als ich mich rein zufällig mal an der Pinnenstange festgehalten habe, und schwupp ist der Daumen tief im Holz verschwunden. Vom Loch für die Befestigung aus hat sich die Fäule dann ziemlich weit ins Holz geschlichen. Zu reparieren gibt’s da nix mehr. Es musste Ersatz her. Und weil keine Esche zu bekommen war in Spanien, haben wir jetzt eine High End Carbon Pinnenstange aus einem alten Surfmasten.

Die neue Carbonpinnenstange im Einsatz

Alles aus Esche war jetzt suspekt. Als nächstes kam die Farbe von den Pinnen runter, und siehe da… auch hier Fäule im Bereich der Bohrung. Der Bereich war überschaubar und ganz am Ende, daher konnte das schlechte Holz hier zum Glück durch Epoxy mit Woodfill ausgebessert werden. Jetz: Oh Wunder, die Gaffeln waren beide OK. Uff. Vorsichtshalber habe ich hier aber auch alle Löcher mit einem A4 Edelstahlrohreinsatz versehen. Sollte jetzt alles wasserdicht sein, hoffe ich.

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Auf die Plätze fertig…

Gleda lag also in Cartagena. Wir waren ja ein paar mal da um zu sehen ob Gleda nicht ohne uns vor sich hingammelt (nur ein bisschen). Und ich muss sagen, Cartagena ist wirklich schön. Die Altstadt toll und unvergesslich die Semana Santa mit den ganzen Kapuzenprozessionen. Sehr mystisch. Aber Gleda musste da weg. Aus dem Wasser raus, damit ich alles zerlegen kann. Damit ich meinem Fäulniskontrollzwang nachgehen kann.

Gleda fest verwurzelt in Ihrer Box im Yacht Port Cartagena

Unser Ziel war die Marina Stella bei Lignano. Von vielen (danke Werner) empfohlen, günstig und voll von Wharram Kumpeln die mehr, weniger oder gar nicht mehr geliebt werden. Vor allem, Schwups, in 5 Stunden von Wien aus erreichbar. Um dahinzukommen muss man halt fast das gesamte Mittelmeer durchqueren. Gleda war eigentlich so weit seetüchtig. Die Pinnenstange aus Esche hab ich durch ein Carbonrohr ersetzen müssen. Esche kann man beim gammeln, meist ausgehend von Bohrlöchern fast zusehen. Das restliche Eschenholz (Gaffeln, Pinnen) schien aber unter der Farbe OK zu sein.

Die Dramaqueens waren eindeutig die Motoren. Alter, solche Zicken. Wann sie ansprangen, oder besser einfach spontan ausgingen war nach Tagesform abhängig. Ich hab beide fast komplett zerlegt, gestreichelt, zugeredet. Die Vergaser ins Ultraschallbad eingeladen. Und dann liefen sie auch wieder. Dachte ich. Just in dem Moment wo es draufankommt, z.B beim Probetörn im Strömungskanal unter einer Hubbrücke -Aus. Selbst das sanfteste Gemüt möchte den Motor dann einfach ins nasse Grab schicken. Zum Glück hat uns der Wind sanft an eine Kaimauer direkt vor eine Bar gedrückt. Der Barman hat gleich ein Bierchen für die Nerven gezapft als er uns antreiben sah. Ich hab’s wieder und wieder versucht. Sogar einen Mechaniker bemüht. Nix zu machen. Das waren Tohatsu 9.8 Aussenborder, eigentlich gute Dinger, aber zu viele Jahre unbenutzt gewesen.

Im Mar Menor. Eine Kaimauer genau da wo man sie braucht…

Um als Segelanfänger (wir haben vielleicht in der Summe 3 Monate gechartert) durchs Mittelmeer zu fahren wären zuverlässige Motoren aber ned so schlecht. Das Mittelmeer ist nicht ohne. Entweder zu viel oder gar kein Wind und wenn zu viel dann von vorne sagt man (so schlimm wars dann nicht). Hilft also nix. Neue Quirls müssen her.

Von den Leistungswerten geht nix über die Yamaha 9.9 Schubmotoren. Ausgestattet mit einem Riesen 12 Zollpropeller und der passenden Übersetzung. Genau das richtige für Boote wie die Gleda. Das Problem: Haben nen Vergaser. Von Vergaserträumen bin ich schweißgebadet aufgewacht. Einspritzer von Suzuki haben einen guten Ruf. Wenn die Einspritzeinheit hin ist, kann ich es zwar nicht selber richten, aber meine Vespa ist in 13 Jahren niemals nicht angesprungen. Sogar bei -18 Grad und mit dem ganzen Ethanolzeugs im Benzin und die ist auch noch ne Italienerin und kein Japaner.

Timing war dann alles. Die Überführung nach Italien sollte so 6 Wochen dauern. Der erste Nachlockdownflug nach Cartagena war am 1. Juli. Andrea wollte am 15.Juli zum Ablegen nachkommen. Zwischendrin musste alles am Schiff geprüft, nachgezogen und wo nötig ausgewechselt werden. Ja und natürlich neue Motoren verbauen. Fast unglaublich, das da alles gepasst hat. Spedition hat pünktlich geliefert und auch noch die richtigen Teile (Fernbedienung, Seilzüge, Schubpropeller etc.). Noch unglaublicher, das ich es geschafft habe alles zu verbauen ohne Einzelteile im Hafenbecken zu versenken. Als beide dann auf die erste Millisekunde nach dem Drehen des Schlüssels angesprungen sind, war das ein bisschen wie Sex.

Links die Bitches, rechts Chuck Norris 1. 2 ist noch in der Kiste.

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