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Schlagwort: Seenot

Ja so ein Dusel

das muß man jetza schon wirklich sagen. So ein Schwein aber auch. Nämlich das das hier kein saulangweiliger Blog geworden ist. Ich sitz noch so da und denk: „Ja was soll ich denn da schreiben?“. Nach dem Kampf nach Süden über den Äquator hart am Wind und einmal kreuzen stellt sich ausgesprochenes Genußsegeln ein. Null Welle, 15kn Wind Raumschots, 26 Grad. Herrlich. Aber halt auch herrlich unaufgeregt. Ich könnte über die ganzen Vögel schreiben die uns begleiten, denk ich noch. Tölpel (Emma und Elise) sitzen tagelang am Bug. Willi, ein kleiner Schwarzer ruht sich auch zwei Tage bei uns aus. Wir denken er ist krank, aber die Gabi, unser Hadersfelder Dr Doolittle, sagt das ist ein Gleiter…schmeißt ihn in die Luft… was wir machen und weg ist er.

Es ist der elfte Tag der Fahrt auf die Marquesas, der 8.Januar. 1100 Seemeilen haben wir mit dem Umweg gebraucht aber jetzt sehen wir an Steuerbord die südlichste Galapagosinsel, Isla Espanola am Horizont. Die Sonne geht gerade unter. Andrea schläft und ich überleg mir gerade noch mal was zum Essen zu machen, da tuts an fetten Schepperer Backbord. Scho ordentlich, also schau ich gleich nach hinten. Normalerweise schwimmt dann da ein überfahrener Baumstamm. Aber gar nix, null. Check am Bug: Alles Roger. Vorsichtshalber Check in der vorderen Kabine: Auch paletti. Aber irgendwie stimmt die Wasserlage nimmer ganz. Und das werde ich nie vergessen, als ich die Luke von der Kombüse aufmache. Alles schwimmt, das Wasser steht 1.50m hoch. Da denkst Du: „Ja des gibts doch ned, weil des kann ja gar nicht sein, wie soll ich denn in der Sauerei Kaffee kochen?“ Ich mach den Deckel wieder zu und hoffe das alles gut ist wenn ich nochmal reinschau. Aber nix. Mittlerweile liegen wir Backbord auch ordentlich tief im Wasser. Ich glaub ich kann Andrea nicht ausschlafen lassen, das ist jetza schon ein „Alle Mann“ Event. Sie wird zärtlich geweckt: „Reise, reise wir ham a ernstes Problem“. Und da muss ich Sie jetzt gleich mal fett loben, weil: Ganz cool die Frau. Wir prüfen alle anderen Backbordkammern und -super- die Schotts sind dicht. Der Wasserstand ist stabil, aber wir liegen wirklich links sehr tief. So tief das wir den Aussenborder auf der Seite gerade noch so einsetzen können.

Mit beiden Aussenbordern gehts volle Pulle Richtung Espanola und weil es Nacht wird und weil mir ned wirklich viel Benzin haben und weil mir beide scho a bissi geschockt sind, da wir das noch nicht so oft geübt haben mit dem Loch im Boot, da setzen wir natürlich ein „Pan Pan“ über Funk ab. Keine Antwort. Ok dann halt ein digitales Mayday, aber auch nix. Da ist halt keine Sau nah genug. Andrea kontaktiert über Starlink unsere Truckerfreunde Cindy und Danny in Panama. Die haben nen Agenten in Galapagos. 5 Minuten später hat uns der Agent mit allen vernetzt. Die Coastguard weiß Bescheid. Aber sie wollen das wir die Epirb aktivieren („for proper pocedures“). Das find ich nicht so toll, weil meine geliebte Schwiegermutter ist da als Kontaktperson angegeben und das MRCC Bremen ruft sie dann auch glatt mitten in der Nacht an. „Guten Abend, Ihre Tochter sinkt“…nein, lol, das haben sie nicht gesagt, aber logo… Entspannt schlafen konnte die Hedi dann nicht mehr.

An der Westküste von Espanola schmeißen wir im stockfinstern den Anker, schnaufen kurz durch und warten. Und hier geht es los, die unfassbare Freundlichkeit und Effizienz der Leute auf Galapagos. Noch NIE haben wir so entspannte, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Eine 6 Mann Einheit wird mit Benzin für uns, Feuerwehrpumpe, Schläuchen, Material zum Loch verkeilen, Muckis und guter Laune an Bord gebracht. Eine subba Truppe. Drei Stunden wird gezimmert und verkeilt. Einer singt immer laut. Sensationell. Mit dem neuen Spirit, Sprit und ratternder Pumpe gehts 6 Stunden bis San Cristobal. Unsere Helden schlafen auf und unter Deck und wir steuern unser lädiertes Mädchen in den Sonnenaufgang.

Und auch da geht’s Schlag auf Schlag weiter. Eine Agentin kommt an Bord und gegen eine kleine Gebühr (7x Geld am Automaten ziehen) macht sie sich auf und zahlt Ämter und organisiert alles. Während wir warten lernen wir Vikos und Omar kennen. Vikos meint wir können das Boot beachen. Das Gesetz das das verbietet ist eher eine Leitlinie. Unsere Agentin soll das klarmachen. Und…sie macht das klar. Was für eine Erleichterung. 1.5m Tidenhub hat’s hier. Und nur so kann ich ordentlich arbeiten. Pünktlich wie die Maurer kommen um 1400 Uhr 12 Leute an Bord. Die Agentin hat alle in kürzester Zeit zusammengebracht. Was haben wir alles? Navy, Polizei, Küstenwache, Gesundheitsamt, Arzt, Biosecurity, Taucher für den Rumpf, Immigration und Customs. Großes Hallo, wir sind das erste Boot 2026. Wir füllen Formulare aus während unsere Blutdruck gemessen wird. Aufgepasst!, Ich habe das erste Mal gewonnen. Andrea hat immer 110/80. Heute 150/100 und ich „nur“ 144/96. Ja da pumpt das Adrenalin. Die Damen vom Gesundheitsamt wollen noch unseren Erste Hilfe Kasten sehen. Und ganz vorausschauend geb ich ihnen den Pflasterkasten mit der Bepanthen. Jedes Pflaster wird begutachtet und in eine Liste eingetragen. Die Bepanthen ist abgelaufen Tststs. O mei, wenn die wüssten was mir alles dabei haben. Jedes erdenkliche Antibiotika, Ketamin, Opiate für den Notfall. Nix was es nicht gibt. Des wär a Gaudi geworden. 30min später löst sich die Party auf, wir haben Stempel im Pass und dürfen 20 Tage für die Reparatur bleiben.

Um 1700 Uhr setzen wir eine Stunde vor Hochwasser die Gleda vorsichtig inmitten einer Seelöwenkolonie in den Sand. Mit drei Ankern und zwei Leinen gesichert können wir uns das erste Mal zurücklehnen. Unfassbar!… keine 24 Stunden seit dem Loch.

Wir können jetzt auch das erste Mal den Schaden begutachten. Und das ist seltsam. Ein ca. 25cm ovales Loch. Sauber ausgestanzt, ca 60cm unter der Wasserlinie. Ansonsten null Kratzer, nicht mal Bewuchs weggeschabt. Nicht am Kiel, nicht am Rumpf. Omar meint das war ein Schwertfisch, vor Espanola gibt es ganz viele. Ich denk noch ja klar du Schlaumischlumpf, schau mir aber mal vorsichtshalber die gegenüberliegende Wand in der Küche an. Und tatsächlich: Ein sauberer Abdruck. 8cm breit. Typisch für die abgeflachte Lanze eines Schwertfisches.

Ich schildere das auch noch Grok und ChatGPT. Endlich sind die beiden sich mal einig. Schwertfisch 100%. Gaaaanz selten, wie ein Lottogewinn sagt Grok (Hahaha, er entwickelt jetzt Humor), aber kommt vor. Alles passt zu ,einer Beschreibung. sonst keine Kratzer. 25cm oval, wegen der abgeflachten Lanze, 60cm unter Wasser, am Abend, etc pp. Der Fisch wird 100km/h schnell und hat ca. einen Wumms wie ein Aufprall mit einem Kleinwagen bei 30km/h. Passiert wenn man über nen schlafenden Schwertfisch fährt und er mit der falschen Flosse aufsteht oder halt einfach wenn er im Jagdrausch total deppert ist und das Schiff nicht sieht. Andrea hat zwei Tage vorher so einen Riesenscholli an der Angel gehabt. Der hat mit seinem Schwert dann die Leine gekappt und ist ein paar mal sauer aus dem Wasser gehüpft. Jetzt hat sie Angst das da ein rachsüchtiger Moby Dick mit Lanze unterwegs ist, aber das ist dann doch eher unwahrscheinlich.

Die Einwanderungsbehörde, Agentin, Küstenwache etc. haben dann auch gleich mal flott eine Whatsappgruppe gegründet: „Fixing Gleda“. Ja mei, sie wollen jetzt halt schon wissen wie wir weitertun. Ist ja ein Dorf hier. Also poste ich auch täglich brav unsere Updates:. Andrea wäscht, putz, entsorgt, verproviantiert wie ein Derwisch und ich mach die Baustelle auf. Für jeden Tag haben wir ein ca. 6 Stunden Arbeitsfenster zwischen Ebbe und Flut.

Tag 1: Farbe wegschleifen. Vergrößerten Ausschnitt bis zum trockenen Holz, machen. Passende 9mm Coosabordplatte sägen und diese auf eine große Rückenplatte aufkleben. Ich habe die Rückenplatte satt überlappen lassen und bis zu den Stringern gezogen. Das hält jetzt 3mal so viel wie vorher. Das ganze dann mit viel Epoxy einkleben, Hohlkehlen ziehen, fertig für heute.

Tag2: Alles sauber schleifen und dann verglasen und Spachtelschicht drauf.

Tag 3: Spachtelschicht schleifen und irgendwie hats zwei Luftblasen gegeben, die mach ich noch zu.

Tag4: Erste von 5 Lagen Antifouling drauf machen. Jetzt san schon fast wieder heil.

Hab ich ja schon gesagt, aber ich wiederhol es gerne. Die Leute sind der Hammer. Der Whitmann zum Beispiel hat sein AirBnB gleich am Strand und macht fast an Purzelbaum vor Hilfsbereitschaft. Er bringt uns Essen zur Arbeit, stellt uns 20L Trinkwasser hin, Stromkabel, Zugang zu seinem WLAN, 100L Wasser für die Kanister und und und. Hier mal Fotos von den Spezln. Vikos und Whitmann.

Also Ende gut alles Gut und Riesendusel ist quasi schon ein Hilfsausdruck. Weil es ist nicht nur nicht fad geworden sondern Obacht!:

  • Der Loch war in der Backbordkufe. Steuerbord wär alles Werkzeug (Schleifer, Stichsäge, Multitool, Bohrer), Epoxy, Fühlstoffe, Glasfasermatte (das alles kann man hier nicht kaufen) unter Wasser gewesen. Da schauts madig aus mit reparieren.
  • Das Loch ist an einer Stelle die man perfekt fixen kann. Des hät viel komplizierter sein können.
  • Der Einschlag war auf einer Strecke von 4100 sm, GENAU am nächsten Punkt zu Land. 10 sm von den Glapagos. Perfekt.
  • Der Einschlag war 5 Minuten bevor ich an Kaffee machen wollte. Die Lanze hätte genau da sauber meine Unterschenkelknochen gekappt.
  • Ich hab die Batterien und gesamte Elektronik nicht in den Rümpfen sondern im Steuerstand verbaut. Im Nachhinein eine echte Hirnidee.
  • Die Lanze hat die Gegenseite nur angedellt und ned noch a zweites Loch geschlagen (auch davon gibts Bilder im Internet)
  • Der Januar ist der beste Monat hier zum Beachen.
  • Ich glaub ich kann auch noch das zugesetzte Steuerseil vom Backbordmotor das wir in Panama besorgt haben austauschen. Spitzen Gelegenheit im Trockenen.

Ok was nehmen wir mit: So viel Glück wie wir haben ist unfassbar. Meine Frau ist absolut super in Stresssituation und sonst natürlich eh. Der Schock lässt nach. Ich bin nur einmal nach 36 Stunden Schlafentzug kurz in die Hocke gegangen und hab geheult, weil das ist ja auch normal. Aber wir haben uns schon wieder gefangen, lassen bald unsere herzigen, grunzenden und stinkenden Seelöwen zurück und fahren weiter auf die Marquesas. Grok sagt mir san quasi Safe, weil da könnt uns auch gleich die ganze ISS auf den Detz fallen bevor das noch mal passiert. Mein Vater hätte eh gesagt: „Super! Das ist doch ein Abenteuer!“

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Wenn man nicht weiß wo man anfangen soll

…dann fängt man am besten ganz am Anfang an denn, was soll ich sagen, es ist wirklich (wirklich) viel passiert. Orcas, Seenotrettung und und… Erst mal ein Überblick wie weit wir gekommen sind. Sneakpreview sozusagen. Post ich jetzt immer rein.

Eine Sache die ich prokrastiniert hab, war das Klettern in den Mast um mal zu checken ob alles Ok ist. Jetzt vor der ersten Atlantiketappe bin ich nimmer ausgekommen. Und ja klar, war ned OK. Früher wär besser gewesen, logo. Ich schreib mir nen Minuspunkt auf. Aber noch alles im grünen Bereich. Weil mir immer so schön chillig Schmetterling segeln hat die Gaffel sauber an die Wanten hingescheuert. Der Scheuerschutz hat sich brav geopfert und ist hin. Auch ein Knoten von den Schlaufen, welche die Wanten am Mast halten ist komischerweise angescheuert. Hab das ganze jetzt mal mit zusätzlichen Schlaufen gesichert und nen fetten Gummischutz um die Wanten. Mal sehen. Vor der Atlantiküberquerung von den Kapverden check ich’s wieder. Versprochen.

Andreas Ohr is a bissi besser mit den ganzen Antibiotika und sie meint sie will los. Der Atlantik ruft und da sollen ja ganz viele Fische auf sie warten und andere machen sich ja auch schon bereit (Foto). Das Foto muss ich jetzt einfach posten. Unser Nachbar aus Polen, mit Kapitänsmütze, Seemannsbart, verspiegelter Brille und Stringtanga. So eine coole Sau.

Wann man sich in Gibraltar auf den Weg macht hängt von vier Variablen ab (denke ich). Eins: Die spinnerten Orcas, man will ja seine Ruder behalten… So Anfang September sind die weg nach Norden und terrorisieren da die Portugiesen. Jetzt haben wir es Ende August. Man wird sehen, hier hab ich etwas geschludert. Zwei: Der Wind: Es soll ganz leichter Levante (Ostwind) vorhergesagt sein, weil in der Düse bei Tarifa hat es gleich 3 Bft mehr. Drei: Die Strömung… Der Wasserspiegel auf der Atlantikseite ist ca. 2m über dem Wasserspiegel auf der Mittelmeerseite. Du fährst quasi Bergauf. Im Mittelmeer verdunstet das Wasser wie nix und der einzige Zufluss ist der Atlantik bei Gibraltar. Pro Sekunde strömen eine Million Kubikmeter Wasser vom Atlantik rein. Jetzt kommen noch Ebbe und Flut dazu, das musst du jetzt schon planen, sonst hast du auf einmal 4 Knoten Strömung gegen dich. Da geht nimmer viel. Es gibt da auch ganz ganz viele Tabellen und Berechnungen, aber ich war denkfaul und hab mir einfach bei PredictWind die Strömungen dazugebucht. Vier: Bei Tag fahren… ca. 300 Schiffe (riiiesige Schiffe, die irrrrre schnell da sind, wenn sie mal am Horizont auftauchen) fahren jeden Tag durch die Meerenge, alle 5 Minuten eins. Irgendwo müssen wir das Verkehrstrennungsgebiet (Wasserautobahn) senkrecht kreuzen und das ist bei Tag irgendwie besser.

Also…Abfahrt: 24.8.2024 um 10:30

Alles passt super Wind, super Strömung für uns (Springtide). Teilweise haben wir 3 Knoten Strömung in unsere Richtung.

Bei Tarifa, der engsten Stelle nutzen wir eine Lücke und stechen die 10 sm nach Marokko durch. Und jetzt versagt meine Planung (vermutlich). Andrea schaut kurz mal nicht zu ihren Angeln nach hinten: „Guck mal was großes da vorne“. Ein Blick durchs Fernglas und ich hab Herzrasen. Drei riesige schwarze Fische kommen auf die Gleda zu. Die sollen doch gar nicht hier sein, zefix (Ich hab das doch so schön geplant. Ja wofür plan ich den überhaupt, wenn sich keiner dran hält). In leichter Panik schalte ich alles ab was Geräusche macht (Tiefenmesser, Autopilot etc) und wir holen die Kracher vom Thomas raus, weil sorry im Ernstfall ist mir ein Orcahörsturz lieber als ein Loch im Boot. Bin mir sicher das da jetzt einige den Kopf schütteln, aber vom Sofa aus kann man leichter tierlieb sein als mitten auf dem Meer in einem Boot mit 9mm Sperrholzwand. Derweil sind die Viecher auch schon da. Ein Meter an Steuerbord. Länge so 6-7m (wir haben 12m). Schwarz mit Finne. Die gucken ganz kurz und auf einmal sind sie auch schon wieder Weg. Big Uff. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Das waren Orcas, die sich nicht für einen Wharram interessieren. Unterwasser schauen wir ja auch wunderschön aus wie ein Wal. Oder es waren Pilotwale, die sehen von oben ganz ähnlich aus. Ist aber wurscht, weil mir san durch. Gleda ist ganz und die Kracher waren nicht im Einsatz. Foto gibt es keins. Ging zu schnell und wir waren echt aufgeregt.

Nach der Meerenge hilfts nix. Wir müssen für 10 Stunden die Motoren benutzen. Ich finde das schrecklich, aber genau hinter Marokko liegt ein Flautenloch das sich die nächsten Tage ums Arschlecken nicht wegbewegt. Dahinter ist wunderbarer Nordwind zu den Kanaren mit 4-6 Bft. Wie geil ist es dann wenn der Lärm aus und die Segel oben sind. Wir machen sofort ein paar Stunden lang einen Schnitt von 9 Knoten. Eigentlich zu schnell zum Angeln, aber meine Frau schreckt das nicht. Und dann ging es los. Wenn jemand schon im Mittelmeer ständig Fische rauszieht… Der erste war ein Thunfisch, ein paar Stunden später zwei Mahi Mahis gleichzeitig (Andrea fährt ein Doppelangelsystem). Jetzt hab ich in meiner ganzen Voraussicht in Malaga noch eine zweite Kühlbox gekauft. Aber es hilft nix, wenn auch die zweite Kühlbox voll ist und einem der Fisch zu den Ohren rauskommt, dann muss man als Kapitän ein Angelverbot verhängen. Das ist nicht leicht und man muss stark sein um das durchzuziehen, weil Höchststrafe für meine Frau. Fast zwei Tage hält sie durch, dann ist die Angel wieder drinnen (heimlich während ich schlafe). Und als ich aufwache ist ein weiterer Mahi Mahi in der Kühlbox. Wir müssen hier jetzt schon langsam von einem stark suchtgeprägten, nicht mehr therapierbarem Verhalten sprechen.

Um das zu verdeutlichen gleich noch eine Anekdote aus Lanzarote. Vorneweg: In den Häfen darf man nicht Angeln. Als ich Abends ins Bett gehe sag ich noch: „Bitte nicht Angeln, hier gibt es ein Steakhaus. Ich will mal ein Steak“. Andrea: „OK“. Das Versprechen eines Abhängigen.

Morgens dann…
Ich: „Ich mach mal Kaffe“
Sie: „Ähhh. Nicht erschrecken wenn Du in die Kühlbox schaust“.
Ich: „Oh nein… wie viele Fische sind da drinnen?“
Sie: „Hmmmm“
Ich: „Wieviele???“
Sie: „Nur drei Doraden“
Ich: „Wer soll das denn alles Essen, um Gottes Willen?“
Sie: „Ich kann gar nix dafür… Den ersten wollte ich ja gar nicht fangen und die anderen beiden hab ich aus Versehen hinterhergefischt“
Ich: „……….. seufz“. „Du weißt schon, das das hier verboten ist?“
Sie: „Hmmm. Ich hab nen schwarzen Pulli und ein schwarzes Kopftuch angezogen und hab mich ganz klein gemacht, als ein Marinero mit dem Auto kam, damit ich wie ein Müllsack aussehe der da zufällig rumsteht.“… „Nur der Fisch hat so Krach gemacht beim Zappeln und wollte mich verraten“.

OK… Ist das jetzt schon Beschaffungskriminalität, oder was? Ich denke ja. Aber Sie ist glücklich wie man sieht. Die Abfälle bekommen die Möwen, die uns brav begleiten über den Atlantik. Weil, wer hinter der Gleda fliegt muss nie, nie, nie Hunger leiden und natürlich auch nicht mehr selber fischen.

Ein SuperFischErlebnis darf nicht unerwähnt bleiben. Am Tag zwei taucht auf einmal ein richtiger Wal hinter uns auf. Mit richtig mein ich jetzt echt groß. Also größer als die Gleda mit 12m. Und schade das er gleich wieder weg war. Da waren wir voll angeschissen. Denn das wäre ein Foto geworden, als er hinter der Gleda abgetaucht ist und alles vollgekackt hat. Das ganze Meer war braun. Wir hatten echt Angst, das er uns mit der Schwanzflosse eine Dusche verpasst.

Land in Sicht: 28.8. um ca 1400. La Graciosa und Lanzarote erscheinen am Horizont. Wir haben für die gesamte Überfahrt 4 Tage und 5 Stunden für 620sm gebraucht. Das ist ganz ordentlich. Unter Segeln (die 10 std Motorzeit lass ich weg) hatten wir einen Schnitt von 6.5 Knoten. Da sind wir zufrieden, man muss ja auch bedenken das wir bremsend immer zwei Deepdiverköder mitgeschleppt haben (Witz… ich glaub das macht ned viel).

Erster Stopp auf den Kanaren ist die Ankerbucht Playa Francesa auf La Graciosa. Und es haut mich echt um wie schön das ist. Die Wüste, die Vulkane, ganz wenig Tourismus in dem kleinen Ort und ein guter Capuccino!!!. Vielleicht ein Auto die Stunde fährt hier rum. Eine ältere Deutsche die hier seit 30 Jahren lebt, jammert aber rum, das hier nix mehr ist wie früher und der Verkehr der Horror ist. Tja. Ich glaube das Vergleichen mit Früher muss man mal schön bleiben lassen. Ist halt jetzt so wie es ist und wir finden’s super.

Wir müssen nach drei Tagen weiter nach Lanzarote. Mit Dusel haben wir einen Marinaplatz für vier Tage reserviert. Ist hier nicht leicht, weil langsam füllt sich alles mit den ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) Booten die im Rudel vollorganisiert zusammen in die Karibik fahren. Genau mein Fall (not). Ja, also warum müssen wir in die Marina? Yo… vier Fenster haben Wasser reingelassen. Eins wird zugepäppt und für drei ist die Schonfrist abgelaufen, die kommen raus. Das geht halt am einfachsten wenn man gut von außen hinkann und nicht alles wackelt. Fenstercountdown minus drei. Ich denke das wird uns beschäftigen bis das letzte beerdigt ist.

Ich sag jetzt mal vorneweg. Die Marinas gehören alle zu einer Gruppe und haben eine Webseite und so und das kann echt jedem passieren. Wir haben uns schon total nett mit zwei Deutschen Seglern in ner Livemusickneipe in der Calero Marina/Areciffe verabredet, aber als wir da anlegen schaun die uns an und sagen… nenene… falsch hier, ihr habt in der Calero Marina/Puerto Calero reserviert. Mir san voll, bitte weiterfahren. Ich bekomme den Blick! Andrea: „Alter, man sollte schon wissen wo man hinfährt“. Und jetzt kommts! Sollte man nicht! Weil ich hab das super gemacht mit der Verwechslung. Doofheit kann Leben retten. Mindestens zwei Leute weilen noch unter uns, weil ich so geschlampt habe. Wie ich zurücksetzte am Kai fährt hinter uns ein kleines Motorboot (4m?) mit 4 Leuten an Bord vorbei. Ich pass schön auf, das ich sie vorbei lass und ned noch einen Mist baue. Dann geht’s langsam raus. Draußen hackts mit 20 Knoten Wind. Mit Fock und Vorsegel machen wir 7 Knoten. Nach so 1.5 Stunden zeigt Andrea aufs offene Meer raus: „Da ist ein Wal oder so…Guck mal, was ist das…“. Fernglas… und das ist kein Wal. Das ist das kleine Motorboot. Kieloben. Drei Mann klammern sich irgendwie fest, eine Frau treibt 10m entfernt und hat gerade noch den Kopf oben. Das Wasser hat hier 22 Grad, also gar nicht mal so warm. Wir wissen heute noch nicht wie das genau passiert ist. Zu schnell bei der Welle vielleicht. Mir ham das Ruder gleich rum und sind hingesegelt. Und jetzt muss ich mich fast rechtfertigen für das Foto weiter unten. Das kommt so Autobahnunfallsensationsgeil rüber. Aber um die vier bei 20 Knoten Wind aus dem Wasser zu fischen müssen erst die Motoren rein und die Segel runter. Ich halt die Gleda mit den Motoren im Wind und Andrea birgt die Segel und da mach ich halt mit meiner elektronischen Segellogbuchapp ganz korrekt einen Positionseintrag mit Foto. So war das mit dem Foto. Das ganze hat 2 Minuten gedauert und die Frau fängt an hektisch zu werden. Mit Baderampe runter sind wir erst mal rückwärts zu der Frau. Die war so fertig, als sie unsere Lashingleiste zu greifen bekommt hat sie sich nicht mehr bewegen wollen. Seit ungefähr 40 Minuten sind die da im Wasser gelegen. Mit Ach und Krach haben wir sie rumgewuchtet. Die anderen sind derweil auf uns zu geschwommen. Auch keine so gute Idee. Weil, die konnten alle nicht mehr und ich hab echt Schiss gehabt das mir beim Rückwärts manövrieren einer in die Schrauben kommt. Man liest das ja immer nur und auf den Messen verkaufen Sie so extra Tools um Schiffsbrüchige an Bord zu hieven, aber es ist wahr. Wenn einer mal keinen Saft mehr hat ist der wie ein nasser 100kg Sack. Zum Glück haben wir die Baderampe die ganz ins Wasser geht. Gerade so haben wir die alle raufgebracht und da lagen die dann und wir waren alle schwer erleichtert. Andrea hat sie mit Decken und Wasser und Zucker versorgt und dann sind wir ganz schnell nur mit der Fock und unter Motor in den Hafen. Die Positionsmeldung hat nicht geschadet. Die Küstenwache hat das Boot doch noch gefunden. Wir konnten von unserer Rettung dann in der Zeitung lesen…. Also echt, das war knapp. Ufff.

So… spannender wird’s nicht mehr. Also noch kurz. Wir haben 2 Tage Fenster entfernt. Bei der Arbeit brennt die Sonne runter und ich sauf Wasser wie nix, aber ich fühl mich trotzdem immer blöder (Siehe Bild, Hahaha). Wir haben Steak (Yeah) gegessen und sind dann weiter in den Süden von Lanzarote. Auch hier: Hammerlandschaft.

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